Meinung

 

  Diese neu geschaffene Seite greift aktuelle Themen und Begebenheiten aus der Pferdezucht auf und reflektiert meine ganz persönliche Meinung als engagierter Sportpferdezüchter, der allen Sparten des Pferdesports seit vielen Jahren eng verbunden ist.
Immer wieder gibt es Themen, die eine kritische Diskussion wert sind und diese zumindest im Netz meist auch finden. Dem schnelllebigen medialen Zeitgeist geschuldet gerät Vieles dann aber früher oder später in Vergessenheit, meist zum Nachteil des Zuchtfortschritts, der sich häufig den Interessen einiger weniger einflussreicher Protagonisten beugen muss.
Zeit für eine kritische Themensammlung an dieser Stelle, die hoffentlich zügig wächst und einen Beitrag zur konstruktiven Meinungsbildung leisten kann.       
 
  Inhalt
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Von der Notwendigkeit der Veröffentlichung der individuellen Deckzahlen - März 2015
WM Verden - Kampfsport Dressur! und die Sprachlosigkeit der deutschen Offiziellen - August 2015
Turniersportorganisation einmal anders - ein Drama in mehreren Akten - 9.9.2016
Das Debakel der Westfälischen Hengstchampionate - Juli 2017
FN Populismus Fremdreitertest - Februar 2018
Kooperation von Andreas Helgstrand und Paul Schockemöhle - Pferdezucht im Umbruch - Oktober 2018
Landgestüt Warendorf: Das Gegenteil von gut gemeint ist gut gemacht - Oktober 2018
Hengstleistungsprüfung in Tschechien - Leserbrief von Johann Hinnemann im Züchterforum 12/2018


 
März 2015

Von der Notwendigkeit der Veröffentlichung der individuellen Deckzahlen

Das Thema ist ein Dauerbrenner und erhitzt die Gemüter seit Jahren - meines ganz besonders.
Als Mitglied zweier grosser deutscher Zuchtverbände habe ich die Notwendigkeit der Veröffentlichung der Deckzahlen bereits im Frühjahr 2015 persönlich mit Vertretern des Vorstandes beider Zuchtverbände diskutiert.
In beiden Fällen signalisierten meine Ansprechpartner grosses Interesse an dem Anliegen.
In beiden Fällen wurde ich gebeten, ein offizielles Anschreiben zwecks Vorlage beim Verbandsvorstand zur Diskussion und Abstimmung in den jeweiligen Gremien beider Verbände zu formulieren.
In beiden Fällen signalisierten meine Ansprechpartner bereits im Vorfeld wenig Hoffnung auf Umsetzung des Vorhabens und gaben als Begründung die Lobby einiger Hengsthalter und traditionelle Denkmuster langjähriger Entscheidungsträger innerhalb der Gremien an.
In beiden Fällen sollten meine Ansprechpartner recht behalten und bis heute hat sich an der überholten Politik unsere deutschen Zuchtverbände nichts geändert. Zum Nachteil des Zuchtfortschritts und der Selektion in der Sportpferdezucht.

Es hat seinen Grund, dass sehr viel kleinere ausländische Verbände die deutsche Sportpferdezucht bereits vor Jahren von der Spitze der Weltranglisten verdrängt haben. Nicht nachvollziehbare Argumente, die sich allesamt durch meine aufgeführte Begründung widerlegen lassen, verhindern Transparenz und unterstützen fehlgeleitete Anpaarungsentscheidungen in der Breite, die die deutsche Sportpferdezucht mittlerweile allein auf einen lukrativen Fohlenmarkt reduzieren.   

Nicht unerwähnt bleiben soll das Westfälische Pferdestambuch als einzige rühmliche Ausnahme, das die indviduellen Deckzahlen alljährlich veröffentlicht und diesen Brauch hoffentlich auch weiterhin im Sinne der Transparenz pflegen wird.    
      
Anbei mein Schreiben an die Zuchtverbände, das gern kopiert, verbreitet und diskutiert werden kann. Möglicherweise findet sich unter den Lesern jemand, der die Hebel an geeigneter Stelle wirksamer anzusetzen in der Lage ist, als es mir beschieden war. Steter Tropfen hölt den Stein, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Begründung:

Die Kenntnis von individuellen Bedeckungszahlen ist Voraussetzung zur Einschätzung der Vererbungsqualität eines jeden Zuchthengstes. Unsere Nachbarn in den Niederlanden und Skandinavien veröffentlichen regelmässig individuelle Bedeckungszahlen, das KWPN veröffentlicht darüberhinaus auch Auswertungen über die Erfolge (Zuchtschauen, Leistungsprüfungen) der gereiften Nachkommen eines Hengstes in Relationen zu seinen Bedeckungen. Diese Transparenz ist beispielhaft und verhilft zu sachdienlichen Rückschlüssen auf die individuelle Vererbungsqualität eines Hengstes im frühestmöglichen Stadium. Im Sinne des Zuchtfortschritts kann die Nachkommenleistung eines Hengstes nur in Relation zu den Deckzahlen sachlich angemessen eingeschätzt werden.

„Vieldecker“

Bei den sog. Vieldeckern handelt es sich i.d.R um Junghengste, über deren Vererbungsqualität als Reit- und Sportpferdeproduzenten noch kein valider Aufschluss vorliegt. Eine Verdichtung von Bedeckungen auf einige wenige populäre Junghengste kann nicht im Sinne der Zucht und des Zuchtfortschrittes sein. Dem mündigen Züchter muss die Möglichkeit gegeben sein, seine eigenen Schlüsse aus Relationen von Bedeckungen und der Qualität der ersten Nachkommen im frühestmöglichen Stadium (freilaufend, an der Hand oder unter dem Sattel) zu ziehen.

Die Anzahl der bundesweiten Bedeckungen hat sich in den letzten sieben Jahren seit 2008 halbiert. Der zur Verfügung stehende Genpol der deutschen Pferdezucht hat sich damit dramatisch verkleinert. Klasse jedoch entsteht immer erst aus Masse. Eine Polarisierung von 300, 500 oder mehr Bedeckungen auf einige wenige Hengste, insbesondere wenn es sich dabei um genetisch nicht erwiesene Junghengste handelt, ist heute gefährlicher als noch vor sieben Jahren. Einige wenige unerwiesene Vieldecker, die 2000 Stuten und mehr bedienen, schaden einer Population von 20.000 Stuten u.U. erheblich mehr als einer Population von 40.000 Stuten.
Darüberhinaus verbleiben für erwiesene Vererber oder solche, die aufgrund geringer Nutzung keine Chance haben, sich als solche zu beweisen, heute nur noch 18.000 und nicht 38.000 Stuten zur Verfügung. Diese Grundlage bietet kaum noch genügend kritische Masse, derer es bedarf, eine vielfältige Sportpferdepopulation hinreichend nach alleinigem Maßstab von erwiesenem Leistungspotential zu pflegen.

Die Nutzung begehrter Junghengste bleibt jedem Züchter auch bei Veröffentlichung der Bedeckungszahlen unbenommen. Ein wirtschaftlicher Schaden entsteht dadurch nicht.
Alleiniger Profiteur der Veröffentlichung individueller Bedeckungszahlen ist der potentielle Zuchtfortschritt zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Das sollte in unser aller Interesse sein.


Beispiel I:

Hengst A stellt zehn Nachkommen aus dem ersten Jahrgang auf Körung, Eliteschau und/oder Auktion.
Hengst B stellt z w e i Nachkommen aus dem ersten Jahrgang auf Körung, Eliteschau und/oder Auktion.

Welches ist der besser vererbende Hengst?

Wir wissen es nicht.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass Hengst A in der kommenden Decksaison stärker von den Züchtern genutzt wird als Hengst B:
Zurecht im Sinne des Zuchtfortschritts?


Beispiel II:

Hengst A stellt zehn Nachkommen aus dem ersten Jahrgang auf Körung, Eliteschau und Auktion. Der Hengst hatte im ersten Jahr 300 Bedeckungen.
Hengst B stellt z w e i Nachkommen aus dem ersten Jahrgang auf Körung, Eliteschau und Auktion. Der Hengst hatte im ersten Jahr 20 Bedeckungen.

Welches ist der besser vererbende Hengst?

Erst jetzt ist eine Einschätzung der Vererbung beider Hengste relativ zueinander möglich.
Die Zahlen ergeben für Hengst B eine 10-prozentige Erfolgsquote gemessen an Bedeckungen, für Hengst A eine 3,3-prozentige. Hengst B vererbt sich dreifach besser als Hengst A.

Fazit:

Bedeckungszahlen sind eine grundlegende Information und wertvolle Orientierungshilfe zur Einschätzung individueller Vererbungsleistung.
Die Daten liegen dem Verband vor, die Bereitsstellung kostet nichts und trägt erheblich zur Transparenz in der deutschen Pferdezucht bei.

Potentielle Argumente dagegen:

Hengsthalter sollten diese Transparenz ebenso begrüssen. Das Argument, potentielle Vieldecker könnten durch eine solche Veröffentlichung Schaden nehmen und so die Wirtschaftlichkeit des individuellen Hengsthalters beeinträchtigen, ist nicht schlüssig.

  1. Stuten, die einem Vieldecker nicht zugeführt werden, gehen der Zucht nicht verloren. Sie verteilen sich lediglich anders, und zwar idealerweise auf Hengste des Typ B, die so im Sinne der Blutlinienvielfalt die wünschenswerte Chance bekommen, sich durch ein Mehr an zugeführten Stuten reell zu beweisen.

  2. Hengste des Typ B mögen dem selben oder anderen Hengsthaltern gehören, die Decktaxen kommen also dem selben oder anderen Hengsthalter zugute – aber sie fliessen weiterhin und gehen dem Kreislauf nicht verloren. Die Menge der individuellen Hengsthalter, die von einer solchen Veröffentlichung profitieren, sollte ungleich grösser sein, da die Menge der Hengste, die nur 20-30 oder weniger Stuten decken, ungleich grösser ist.
    Hengsthalter sollten diese Veröffentlichung also als Chance und nicht als wirtschaftliches Risiko begreifen.

Das umgekehrte Argument, ein Hengst, der nur wenig genutzt wird, könne durch eine Offenlegung der geringen Bedeckungszahlen noch mehr an Attraktivität verlieren, ist ebenso nicht schlüssig.
Ein gering frequentierter Hengst profitiert durch einige wenige begehrliche Nachkommen ungleich mehr und es liegt allein in der Hand des Hengsthalters, diese Relation vorteilhaft publik zu machen und entsprechend zu verkaufen.


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9.8.2015 WM Verden - Kampfsport Dressur! und die Sprachlosigkeit der deutschen Offiziellen

Kampfsport Dressur!, das war der spontane Ausruf einer aufgebrachten Zuschauerin im Zelt angesichts der Notenvergabe und Kommentierung für das zweifelsohne beste Pferd dieser WM.
Ich fand, sie brachte das treffend auf den Punkt.

Nachdenklich stimmt die buchstäbliche Sprachlosigkeit der (deutschen) Offiziellen vor Ort und die Frage, ob man sich gerade auch im hinblick auf das kommende Bundeschampionat in Warendorf (eine reine FN Veranstaltung) der Verantwortung bewusst ist?

Sprachlosigkeit vor Ort lässt sich bedingt entschuldigen, da eine WM eine FEI und keine FN Veranstaltung ist. Dennoch.
Die wenig rühmlichen WM 2014 in Frankreich ("WorstEverEquestrianGames") sind vergessen und mit ihnen die ebenso wenig rühmlichen nicht-Handlungen der nationalen Vereinigungen.

Nun mag Distanzreiten ein Nebenkriegsschauplatz sein (im wahrsten Sinne des Wortes) und der Weg des geringsten Widerstandes (vergessen) bietet sich an. Es gibt keine bedeutenden föderalen Fördertöpfe, die es sich hierfür anzuzapfen lohnt und auch mit mächtigen Protagonisten ölreicher Wüstenstaaten legt man sich hierzulande nur ungern an (der Vergleich mit der FIFA drängt sich geradezu auf - Zufall?).
Dennoch kämpft gerade die Dressurreiterei immer wieder um ihren etat- und imageträchtigen Status als olympische Disziplin und das offensichtlich sehr zurecht so, wenn man die Finals der fünfjährigen Dressurpferde in Verden diese Woche reflektiert.

Verständnis kann man dafür haben, wenn die hier zitierten Kritiker anonym bleiben wollen. Doch erneut bedarf es erst eines angelsächsischen Schreibers, um die Dinge angemessen auf den Punkt zu bringen, und auch das stimmt nachdenklich.

Im angelsächsischen Horse Magazine bringt Chris Hector die Dinge sehr deutlich mit drastischen Formulierungen auf den Punkt. Auf eine offizielle Stellungnahme von deutscher Seite wartet man bis heute vergeblich.
http://www.horsemagazine.com/thm/201...ive-year-olds/ - lesenswert!


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9.9.2016 Turniersportorganisation einmal anders - ein Drama in mehreren Akten

Eine Pferdeleistungsschau (umgangsdeutsch auch Turnier genannt) im rheinisch-westfälischen Hochzucht und -sportgebiet Anfang August.
Ein engagierter Züchter, der regelmässig im FN Jahrbuch die Erfolgsdaten nachschlägt.

Sechs Wochen später.
Noch immer sind die Erfolgsdaten dieser Pferdeleistungsschau nicht erfasst.
Zu dem Engagement unsers Züchters gesellt sich nun ein massvoller Ärger ob dieser Schlamperei und er beschliesst, der Sache auf den Grund zu gehen.
Ein Anruf bei der FN in Warendorf soll Aufschluss geben.

Die Herrschaften in Warendorf haben ein offenes Ohr und stellen sogleich die relevante Frage:
"Um welches Turnier handelt es sich und wer hat dort die Meldestelle betreut?"
Die Antwort findet Warendorf selbst heraus - die Reaktion ist verblüffend.
"Oh! Das ist die Turnierorganisation von Herrn ... .
Nun ja, von dem kennen wir das, der ist immer so langsam."

Hört, hört.

Der engagierte Züchter wird mit der Erfolgsdatenabteilung verbunden (was es alles gibt... ) und trägt sein Anliegen erneut vor.
Die Antwort sollte ihn nun nicht mehr überraschen, die Spontanität, mit der allerdings auch diese Antwort nun erfolgt, spricht dennoch Bände:
"Ach, das ist doch die Turnierorganisation von Herrn ... . Der ist immer so langsam, das kennen wir schon."

Hört, hört.

Die Antwort auf die Frage, wie man die Dinge denn nun beschleunigen und vor allem erledigen könne, darf man sich dann mal auf der Zunge zergehen lassen:
"Wir haben Herrn ... bereits zwei Mal angemahnt, uns die Unterlagen zwecks Einspielung in unsere Datenbank zukommen zu lassen, aber er reagiert nicht."
Donnerwetter!

Ein einzelner stoischer Turniersportorganisator stellt die FN vor echte zermürbende Herausforderungen?

Nun ist unser engagierter Züchter bereits selbst ein wenig in die Jahre gekommen, dennoch hat er in grauer Vorzeit rege und aktiv am Turnierzirkus teilgenommen und plötzlich drängen Erinnerungen aus grauer Aktivenzeit an die Oberfläche des Bewusstseins.
Schon damals hat es Herrn ... bereits als omnipräsente Fachkraft in den Meldestellen gegeben.
Damals gab es noch keine Bits und Bytes, man führte die Meldestelle noch von Hand und auf reichlich Papierbergen. Papierberge, die zu beherrschen Herr ... stets penibel die Fingerkuppe anleckte um dann mit der nervenaufreibenden Präzision einer Landschildkröte Seite für Seite durchzublätterten um irgendwann zu dem sinnigen Schluss zu kommen, dass es sich um den falschen Papierstapel handelte.
Man ahnt es schon:
Die Meldestellen auf den Turnieren, die Herr ... betreute, zeichneten sich schon damals aus durch lange Schlangen und noch längeres Warten. Herr ... scheint seinem Habitus treu geblieben zu sein und auch in Zeiten von Bits und Bytes hartnäckig jeder Effizienz zu strotzen.
Da kann man nur staunen, wie gelebte Ineffzienz selbst die Jahrhundertwende überdauert hat. Und kein Turniersportveranstalter ist bis heute auf die Idee gekommen, Herrn ... schlicht durch effizient arbeitende und zeitnah datenliefernde Konkurrenten zu ersetzen?

Zurück zu der freundlichen Stimme aus Warendorf.
Da wäre man machtlos, sagt die Stimme. Gern könne man Herrn ... eine weiteres drittes Mal anmahnen, man habe aber auch nichts gegen Hilfe von anderer Seite einzuwenden und gern könne unser engagierter Züchter selber bei Herrn ... anrufen und den Stand der Dinge ein wenig beschleunigen.

Unser engagierter Züchter ist gerade hinreichend passig auf Krawall gebürstet und notiert brav die beiden Telefonnummern des Herrn ...., die Warendorf als Kontakt hinterlegt hat.

Das Ergebnis ist verblüffend. Unter der ersten Nummer meldet sich allein die freundliche Stimme der Telekom und teilt mit, dass es diesen Anschluss schon lange nicht mehr gäbe... Das wundert nicht.
Dieser Anschluss war sicher noch mit einer Wählscheibe ausgestattet, und die hat die Zeiten von Bits und Bytes bekanntlich nicht überdauert.
Bei der zweiten Nummer scheint es sich um den privaten Anschluss des Herrn ... zu handeln, auch hier ist niemand erreichbar. Immerhin tut der Anrufbeantworter seinen Dienst und es tönt eine lapidare Frauenstimme:
"Tja, wir sind nicht zu Hause..."
Wow.
Professionell ist anders.

Mittlerweile ist der Ehrgeiz unseres engagierten Züchters geweckt und er durchsucht akribisch die Webseite des Herrn ... nach den offiziellen Kontaktdaten.
Er sucht und sucht.
Man glaubt es kaum:
Telefonische Kontaktdaten sind auf der offiziellen Seite nicht hinterlegt.
Donnerwetter.
Allerdings findet sich im Impressum ein Verweis auf eine zweite Person, die ihrerseits auf der Seite von Herrn ... für Turniersportorganisation wirbt. Man darf also davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein assoziiertes Unternehmen oder gar einen Mitarbeiter von Herrn ... handelt?
Auf dem Werbebanner dieser assoziierten Person findet sich auch tatsächlich eine Telefonnummer. Klein, und man muss sie suchen. Dioptrin 12,5 und mehr erleichtern das Entziffern sehr. Und es drängt sich der Eindruck auf, dass auch dieser zweite mit Herrn ... assoziierte Turniersportorganisator eigentlich gar nicht erreichbar sein möchte.

Immerhin:
es handelt sich um eine Handynummer und das gibt grossen Grund zur Hoffnung.
Gleichwohl:
auch diese Nummer ist nicht erreichbar.
Da drängen sich nun gleich mehrere Fragen gleichzeitig auf.

1. Turniersportorganisation trägt den Begriff "Organisation" nicht ohne Grund im Namen. Dieser Turniersportorganisator jedoch definiert den Begriff "Organisation" völlig neu. Daran muss unser engagierter Züchter sich erst gewöhnen. Die Damen in Warendorf haben diesen Gewöhnungsprozess offenbar schon hinter sich.

2. Wenn jemand gewerblich eine Dienstleistung anbietet sollte man doch meinen, dass er im eigenen Interesse wochentags zu normalen Büro- und Arbeitszeiten erreichbar sein will und muss?
Vielleicht müssen wir "eigenes Interesse" in diesem Falle aber einfach anders definieren?

3. Liebe Turniersportveranstalter:
wie um alles in der Welt könnt ihr mit einer solchen DisOrganisation heutzutage überhaupt noch zusammen arbeiten?
Der Mann ist schlicht unerreichbar und strotzt mehrfach berechtigten Aufforderungen, seiner bezahlten Dienstleistung nachzukommen.

Zugegeben, diese Sache ist nicht lebenswichtig.
Dennoch zahlen wir alle mit erheblichen Turniersportbeiträgen direkt und indirekt für eine Dienstleistung, der dieser Herr nur sehr bedingt und offensichtlich unwillig nachkommt.
Aus eigener ehrenamtlicher Tätigkeit als Ansager auf ausgewählten Turnieren weiss ich, dass es gerade heute auch anders geht.
"Meldestelle" funktioniert auf den Punkt, die Teams sind engagiert und selbst unter Stress noch freundlich dabei! Und die Daten sind spätestens in der zweiten Woche nach der Veranstaltung bei der FN verfügbar und geprüft.

Eine Arbeitsweise jedoch, wie Herr ... sie heute selbst im Umgang mit der FN noch pflegt, sollte mit dem Aussterben der Wählscheibe doch ebenso schon lange von uns gegangen sein?

Alles hat seine Zeit.
In Zeiten von Bits und Bytes jedoch ist ein solches Verhalten nicht zu entschuldigen.

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31.7.2017 Das Debakel der Westfälischen Hengstchampionate

Mageres Erscheinen bei den 3- und 4-jähirgen Hengstchampionaten diese Woche in Handorf und nur 2 Starter bei den 3-jährigen Hnegsten - ein trauriger Witz und eine Tendenz, die sich seit Jahren bei den Reitpferdechampionaten in Handorf abzeichnet.

Allgemeingültiges Denken:
Es liegt an den Hengsthaltern (gerade bei den Vieldeckern), denn die haben mehr zu verlieren als zu gewinnen und stellen ihre Hengste gar nicht erst öffentlich dem sportlichen Wettbewerb.
Das mag so sein, aber in Oldenburg und Hannover geht es trotzdem (Rastede jeweils 2-stellige Starterfelder, Verden kommende Woche verzeichnet ebenso Nennungen im hohen 20-er Bereich)
Was macht Westfalen falsch?

Die Antwort liegt auf der Hand und liegt in den Körquoten begründet.
Westfalen kört seit Jahren als einziger Verband grosszügig Fremdhengste aller Verbände und das zu einem grossen Anteil. Das ist gut für die Körung und lässt die Kasse bei den Hengstauktionen sprudeln, hat aber dramatische Auswirkungen auf die Reitpferdechampionate.
Die Fremdkörquote bei den Springpferden wird ähnlich hoch sein. Seit Cornet Obolnesky und ganz besonders, seit Cornet über seine Töchter zu weiter Verbreitung in der westfälischen Stutenbasis gefunden hat, hat Westfalen in den letzten Jahren überproportional zu anderen Verbänden (insbesondere Hannover) profitiert. Die westfälischen Springpferdechampionate sind absolut sehenswert und reflektieren die hohe Qualität durchaus. Dabei reflektieren die vier- bis sechsjährigen Springpferde dieser Woche in Handorf noch nichteinmal in vollem Umfang die sensationelle Entwicklung des Körplatzes Westfalen der letzten zwei Jahre, seit die Fachwelt Westfalen mit Fug und Recht noch vor Holstein rangierte (von Hannover ganz zu schweigen). Die Karajans dieser Welt kommen erst noch.

Bleibt die Frage nach den Dressurhengsten und da sprechen die Körzahlen für sich.
Körung 2015:
24 Dressurhengste, davon 10 Fremdhengste (42 %) und nur 14 westfälisch gebrannt.
Körung 2016:
28 Dressurhengste, davon 9 Fremdhengste (32 %) und 19 westfälisch gebrannt.
Nachtrag Körung 2017:
45 Dressurhengste, davon 17 Fremdhengste (38 %) und 28 westfälisch gebrannt.


Mit 14-19 gekörten Dressurhengsten hat Westfalen das zahlenmässige Niveau der Trakehner Dressurhengste erreicht, die auf dem Bundesturnier in Hannover mit ähnlich mageren Starterfeldern aufwarten. Die Trakehner jedoch verfügen über eine valide Entschuldigung, denn sie rekrutieren sich aus einer Population, die nur 10 oder 20 Prozent der westfälischen Stutenbasis ausmacht (wenn man davon absieht, nach den Millenniums zu suchen, die reichlich in Neumünster gekört wurden aber mit einer Ausnahme auch in Hannover auf dem Bundesturnier nicht erschienen).

Darüberhinaus ziehen regelmässig einige Hengste vom Körplatz Westfalen im Landgestüt ein und die werden dreijährig grundsätzlich nicht vorgestellt (das kann man aus tierschutzrelevanten Gründen akzeptieren), fehlen aber inzwischen auch vierjährig (das mag in der Vergangenheit an Beritt und Ausbildung gelegen haben, sollte sich Dank der aktuellen Entwicklung in Warendorf aber inzwischen doch mal ändern?).

Grosszügiges Fremdkören ist also durchaus ein zweischneidiges Schwert. Was gut ist für die Kasse ist mitnichten gut für's Rennommee. Seit dem Westfalenkrach hat Westfalen eine rasante Entwicklung nach oben vollzogen, die niemand noch vor ein paar Jahren für möglich gehalten hätte. Handorf strotzt inzwischen gerade im Vergleich zu Hannover vor finanzieller Gesundheit (Zukauf Neugrundstück), besticht qualitativ durch Weltspitze bei den Springhengsten, bemüht sich der aktuellen dramatischen Entwicklung der matten Dressurpferde durch Fremdkörung entgegenzuwirken und verliert genau dabei auf ganzer Linie:

Das "Hengstchampionat" diese Woche in Handorf hat den Namen nicht verdient und ist eines Verbandes wie Westfalen, der seit einigen Jahren wieder in der Oberliga mitspielt, nicht würdig.

Eine Menge "food for thought" und ich hoffe, man findet Wege in Handorf, dieser Entwicklung konstruktiv entgegenzuwirken.

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9.2.2018

der Link zum offiziellen Text der FN





































































5.4.2018



 
FN Populismus Fremdreitertest

Die FN schafft den Fremdreitertest bei den Dreijährigen ab und in den sozialen Netzwerken jubelt das Volk dazu.
Man fragt sich was schlimmer ist.

Unverholener Populismus auf der einen Seite oder unreflekiertes Liken und Jubeln der Gutmenschen im Lemmingemodus?

Zehn Minuten Fremdreitertest machen den Unterschied zwischen Zumutbarkeit und Unzumutbarkeit?
Man kann nur fassungslos den Kopf schütteln.

Der Fremdreitertest ist das geringste aller Übel, unter denen ein dreijähriges Pferd leidet. Im Gegenteil.
Manch ein Quetschberittpferd hat sich in der Vergangenheit unter einem angenehmen Fremdreiter zurecht profiliert und dadurch in aller Öffentlichkeit bewiesen, dass gutes Reiten reicht.

Damit ist nun Schluss.
Statt dessen wird einmal mehr das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Um Dreijährige zu schonen reicht es völlig, bereits geltende Vorschriften auch konsequent anzuwenden.
D.h. Quetschberittnummern aus prominentem Hause auch konsequent unterbinden und rauswerfen.
Die üblichen Verdächtigen im Sattel eben, deren Reiterei verkaufstüchtigem Auktions- und Hengstschaugezwirbel entspricht und wenig bis gar nichts mit der Aausbildungsskala zu tun hat.
Die Namen kennen wir alle, auch die Offiziellen in Warendorf.

Prominente Beispiele gibt es jedes Jahr wieder, eines davon kürten die Richter im letzten Jahr sogar zum Bundeschampion.
Hatte man das Pferd 6 Wochen zuvor noch unter anderem Beritt auf dem Landeschampionat erlebt (jungpferdegerecht und bestechend schön inszeniert) fiel es schwer zu glauben, dass dies das selbe Pferd sei.
Gezwirbelt und Gepiesakt hätten die Richter hier lässig eine 5 in der Ausbildung geben können und ein gewichitges Zeichen setzen können.
Alternativ hätte es auch eine öffentliche Verwarnung getan.
Der selbe Stall würde sich künftig gut überlegen, seine Pferde weiterhin in Zwirbelmanier öffentlich vorzustellen.
Statt dessen wird ein Cchampion davon gekürt und die Zwirbelei erfährt Bestätigung und Anerkennung auf höchstem Niveau und damit psychologisch wertvolle Verstärkung..

Wenn man ein Tier für Fehlverhalten lobt wird es zum Wiederholungstäter.
Profiställe funktionieren nach dem selben Prinzip.
Profireiter sowieso.

Nun muss also der Fremdreitertest dran glauben.
Warum eigentlich?

Ein Pferd geht kaputt an der Tag-für-Tag-Zwirbelei zu Hause und nicht an einem zehnminütigen Fremdreitertest.
Das zu suggerieren ist reiner Populismus.
Und darüberhinaus das Eingeständnis, dass es am nötigen Rückgrat fehlt, die offensichtlich Schuldigen entsprechend zu bestrafen.
Die nötigen Vorschriften dazu sind längst vorhanden und werden Jahr für Jahr in seitenlanger Litanei vor der Prüfung verlesen.
Man muss sie nur auch konsequent anwenden und umsetzen.

Solange Richter und FN sich der Macht und dem Einfluss der grossen Namen hinter den Kulissen beugen, wird sich nichts ändern.
Junge Pferde werden weiterhin kaputtgeritten und zwar 7 Tage die Woche zu Hause.

Eine pikante Note erhält der FN Populismus darüberhinaus durch die Neuregelung bei den Vierjährigen.
Künftig soll dort der Fremdreiter mit den Richtern gemeinsam eine Rittigkeitsnote arrangieren.
Hört, hört.

Weil nicht sein kann was nicht sein darf?
Nachdem im letzten Jahr erstmals in der Geschichte der Bundeschampionate die Fremdreiter ein markantes Zeichen gesetzt haben weil sie n i c h t so rangiert haben, wie die Richter das vorgesehen hatten?
Wer , wenn nicht der Fremdreiter im Sattel ist in der Lage zu beurteilen, ob ein Pferd sich rittig anfühlt oder nicht?
Was kann ein Richter vom Boden objektiver in einer Rittgkeitsnote ausdrücken als ein Fremdreiter im Sattel?

Wenn überhaupt die FN hier ein Zeichen von Objektivität und Fairness hätte setzen wollte, dann gehörte allein die Richternote für die Rittigkeit auf den Prüfstand.
Eine Gumminote, die gefühlt durchaus dem Misbrauch unterliegt.
Statt dessen wird nun der Fremdreiter gedungen, sich mit den Richtern abzusprechen.
Wieso eigentlich?
Ein übles G'schmäckle, ganz besonders nach dem gewichtigen Fremdreitervotum im letzten Jahr.

FN-Bashing mag heutzutage zum guten Ton gehören, auch wenn es nicht immer ganz angemessen ist.
In diesem Fall hat die FN es allerdings nicht besser verdient.
Wer objektive Urteile dem Populismus opfert, die eigentlichen Übeltäter aber nachhaltig am Massnahmenkatalog vorbeilaufen lässt, dem gehören durchaus die Leviten gelesen.

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Mein Leserbrief zum Thema Fremdreitertest erscheint im Züchterforum:




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29.10.2018 Kooperation von Andreas Helgstrand und Paul Schockemöhle - Pferdezucht im Umbruch

Die erst kürzlich vermeldete Kooperation von Andreas Helgstrand und Paul Schockemöhle schlug bereits hohe Wellen.
Zunächst werden nur die Deckstationen mit dem Schwerpunkt Dressur zusammengelegt, eine weitere Zusammenarbeit in den Bereichen Zucht und Sport wird jedoch nicht ausgeschlossen.

Anlässlich der Hannoveraner Körung an diesem Wochenende sorgte die neugefundene Kooperation dann erstmals für eine Sensation, als ihr der teuerste Hengst in Verden für über 2 Millionen Euro zugeschlagen wurde.
Sensation für den Hannoveraner Verband, Schock für das verbliebene Universum der Hengsthalter.
Kleinere private Hengsthalter fürchten um ihre Existenz, aber auch Verbände sind besorgt.
Manch einer fürchtet um seine Körung, wenn kleinere Hengststationen den Körungen fernbleiben und nicht mehr als potentielle Käufer auftreten, weil sie von vornherein davon ausgehen müssen, dass vermeintlich "bessere" Hengste nun gar nicht mehr zu bezahlen sind.
 
Das Thema ist durchaus brisant und man muss sich fragen:

Kann man das den Markt noch allein regeln lassen?
Ein Kartellamt für Luxus&Leisure gibt es nicht.

Luxus&Leisure ist der sehr angemessene Begriff für die Branche, unter der der Private Equity Fund Waterland sein Engagement bei Helgstrand Dressage führt. Bereits zum Zeitpunkt des Waterland-Investments im Sommer 2018 verfügte Helgstrand Dressage über beeindruckende Umsätze:
50 Millionen Euro Umsatz, 30 Prozent mehr als im Vorjahr, ein durchschnittliches Wachstum von mehr als 25 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Die Pferde werden inzwischen in 35 Länder weltweit veräußert.

Ich möchte weder Züchter noch Hengsthalter vor sich selber schützen. Das ist Job des FN Zuchtausschuss und der Verbände.
Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass man sich dort den Ast absägt, auf dem man behaglich ruht.
Schon jetzt werden 80% der Stuten von 20% der Hengste gedeckt und das ist im Hinblick auf den Zuchtfortschritt schlimm genug.
Wenn künftig darüberhinaus 80% des Ertrags in 20% der Taschen fliessen, ist das freie Marktwirtschaft. Schön ist es dennoch nicht.

Die gesamte Problematik wäre mit einem einzigen Federstrich elegant zu lösen:

Sattelkörung ein Jahr später und rigoroses Deckverbot für dreijährige Hengste.

Wenn Hengste erst vierjährig und geprüft decken dürfen, wird der groteske Freilaufzirkus mit all seinen absurden Auswüchsen sich sehr schnell von selber erledigen. Weil der Mark sich entzaubert und entzerrt.
Unter dem Sattel relativiert sich der Glanz manch eines Freilaufsternchen verblüffend, und der Weizen wird reeller von der Spreu getrennt. Gleichzeitig erhalten Hengstaufzüchter und Aussteller, die mit solider Ausbildung der vierbeinigen Protagonisten unter dem Sattel punkten können, zusätzlich eine reelle Chance. Wer weniger spektakuläre Freiläufer als überzeugende Sattelpferde zu präsentieren versteht weckt Begehrlichkeiten jenseits von Freilauf und Longe hinaus.
 
Immerhin sind es Reitpferde, deren sinnvoller Selektion die Körung dienen soll, nicht aber spektakuläre Freiläufer, von denen viele unter dem Sattel an Glanz verlieren. An dieser Stelle empfiehlt sich der nüchterne Rückblick auf die Preisspitzen der Körungen der letzten zehn Jahre. Die wenigsten dieser Hengste hinterliessen später sportlich, und noch weniger züchterisch, auch nur annähernd so tiefe Eindrücke, wie die Preisschilder, mit denen man sie zweieinhalbjährig etikettiert hat.

Hotline?
Herzensdieb?
Don Deluxe?
Imhotep?
Spörken?
Borsalino?
Die Reihe kann beliebig fortgesetzt werden

Das mithin zum Jahresende auf den Körungen am höchsten gehandelte Geld ist durch die sinnvolle Entzerrung des Wettbewerbs nicht "weg", sondern wird nur anders verteilt. In einer vermutlich gesünderen Breite mit deutlich geringeren Schwankungen nach oben und unten. Weniger selektive Spitzen für 500.000 oder mehr, statt dessen zehn Stück für 50.000.

Ganz nebenbei wäre dies auch im Sinne des Tierschutzes der angemessene und längst überfällige Schritt zur altersgerechten Aufzucht und Ausbildung junger Hengste.
 
Der Appell an die privaten Hengsthalter muss also lauten:
Wer die Existenz bedroht sieht und den Exitus vermeiden will ist gut beraten, sich mit weniger ungeliebten Ansprüchen auseinanderzusetzen.
Einmalig ein Jahr Hengstaufzucht zwischenfinanzieren müssen, ist bitter und tut weh.
Danach lebt man aber weiter und der Zyklus spielt sich im Ryhtmus des dreijährigen Hengstdaseins ein.
Zum Wohle aller Beteiligten.

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31.10.2018 Das Langestüt Warendorf gibt die Kooperation mit Andreas Helgstrand bekannt:
Das Gegenteil von gut gemeint ist gut gemacht


Seit dem Frühjahr ist Kristina Ankerhold neue Leiterin im Landgestüt in Warendrof.
Ich verstehe, dass man als Quereinsteiger und Neuling in dem Geschäft Hilfe benötigt.
Allerdings wünscht man sich etwas mehr Fingerspitzengefühl - in der Wahl der Partner, wie auch in der Kommunikation.

Bislang agiert die neue Führung nach dem Grundsatz:
das Gegenteil von gut gemeint ist gut gemacht.

Das begann mit den vollmundigen Statements im Frühjahr, die etwas unglücklich formuliert manch einem suggerierten, bislang habe es im Landgestüt nur Hengste 2. Wahl gegeben.
Aktuell zieht nun als erster Neuzugang der neuverkündeten Kooperation mit Don Delux ein lahmer Hengst in Warendorf ein.

Es setzte sich fort mit dem Umzug des Fiano in die freie Wildbahn, was erstmals auch Tierschutzgedanken unter den Kritikern forcierte.
Dabei war das Prozedere dem Vernehmen nach gut abgestimmt und umgesetzt, lediglich die Kommunikation war miserabel:
eine eigenständige Pressemeldung mit den wesentlichen Details über das sukzessive Aauswildern des Hengstes hätte dieser Aktion zu dem verholfen, was sie war:
ein klarer Punkt für's Gestüt.

Nun also die Kooperation eines Staatsbetriebes mit dem grössten Pferdehändler der Welt.
Timing und Umstände könnten unglücklicher nicht sein.
"Der Feind in meinem Bett", ist nicht notwendigerweise eine Assoziation, die die öffentliche Klientel als Bereicherung versteht.
Das zu verstehen, muss man kein PR Profi sein.
Gesundes Fingerspitzengefühl reicht völlig.
Herr Helgstrand mag rechtlich unbescholten (er ist es nicht) und auch sonst ein netter Kerl sein.
Doch hat es seinen Grund, dass anlässlich seiner Auftritte auf der WM in Verden 2015 aufgebrachte Zuschauer den Ruf prägten:
"Kampfsport Dressur!".

Diesen Ruf hat er sich verdient.

Das Gestüt Bonhomme zog es seinerzeit vor, eine gemeinsame Hengstschau mit Herrn Helgstrand zu boykottieren und erntete dafür Applaus.
Simone Pearce (ehem. Bereiterin im Stall Helgstrand) wurde aktuell in der Presse zitiert, "sie werde sich im norddeutschen Raum niederlassen, um mit einer Gruppe hauptsächlich australischer Partner einen Betrieb aufbauen, von dem sie hofft, dass es ein Ort sein wird, an dem Pferde „so trainiert und auf Turnieren vorgestellt werden, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können, aber das auf die glücklichste und pferdefreundlichste Art und Weise“."
Das kann, aber muss nichts heissen.
All das muss man als Quereinsteiger und Neuling in dem Geschäft nicht selbst miterlebt haben.
Verstehen sollte man es allerdings.

Es drängt sich der bittere Eindruck auf, dass das Landgestüt Warendorf seine besten Tage einmal mehr bereits hinter sich hat.
Es war die Zeit, als das Gestüt führunglos unter kommissarischer Leitung offensichtlich einiges richtig gemacht hat.
Die imposante Entwicklung der Deckzahlen der letzten beiden Jahre spricht für sich.

Ich habe selber nach vielen Jahren Gestütsboykott in diesem Jahr erstmals gleich mehrere Stuten in Warendorf decken lassen und war stolz darauf.
Es täte mir bitter leid, wenn es auch das letzte Mal bliebe.

 
8.12.2018 Hengstleistungsprüfung in Tschechien:
Der feine Unterschied zwischen legal und legitim


Leserbrief von Johann Hinnemann im Züchterforum 12/2018

In Tschechien haben aktuell zwei vierjährige deutsche Hengste mit überdurchschnittlichen Noten einen 80-Tage Test absolviert und damit dem Vernehmen nach die in Deutschland geltenden HLP-Anforderungen erfüllt. Das ist insofern bemerkenswert, als beide Hengste zuvor mehrfach am deutschen HLP System gescheitert sind, nachdem sie Prüfungen nicht bestanden oder aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen haben.

Ich stelle weder die Kompetenz des tschechischen Richtergremiums in Frage, noch die der deutschen HLP Richter, die zum Teil über Qualifikationen bis hin zum Grand Prix Sport verfügen.

Es ist eine Sache, wenn ein Erstling formbedingt einmal eine Prüfung nicht besteht. Eine völlig andere Sache ist es jedoch, bereits mehrfach aus gutem Grund in Deutschland nicht erfolgreiche Hengste im Ausland vorzustellen und damit im Inland geltende Ansprüche zu unterlaufen.
Eine Anerkennung dieser Prüfungsergebnisse durch die FN wäre ein Vertrauensbruch mit dem hier geltenden Status Quo, daran ändert auch geltendes EU Recht nichts. Wir wollen und müssen in Deutschland funktionale und belastbare Sportpferde züchten, alles andere hiesse, das deutsche Selektionssystem ad absurdum zu führen.

Unser deutsches Prüfungssystem ist bereits grossmaschig angelegt und bietet für Hengste jeden Alters mehrfach die Möglichkeit, sich zu bewähren. Wenn Hengste aber schon im Alter von drei und vier Jahren wiederholt gescheitert sind muss man sich fragen, warum das so ist, statt nach Auswegen zu suchen. Schliesslich dient die HLP nachfolgend den verschiedenen Körmodellen der weiterführenden Selektion im Sinne des Zuchtfortschritts, und der fordert nicht nur entsprechende Funktionalität sondern mit gutem Grund auch Haltbarkeit und Belastbarkeit.

Als Züchter, Hengsthalter und Ausbilder erhebe ich den Anspruch einer auf langfristige sportliche Bewährung ausgelegten Selektion für jedes unserer Ausbildungspferde, ganz besonders aber für unsere Deckhengste, denn deren Nachkommen sollen mich eben in diesen Aspekten überzeugen:
langfristig sportlich über Jungpferdechampionate hinaus.

Ich kritisiere nicht das deutsche HLP System, das in seiner Vielschichtigkeit hinreichend Optionen bietet. Ich kritisiere die willkürliche Handhabung eines anerkannten Systemes zu dem Zweck, Hengsten im nachhinein eine Absolution zu erteilen, die in ihrem jungen Leben noch keinen Turnierplatz gesehen haben und von deutschen HLP-Richtern aus gutem Grund bereits mehrfach nicht akzeptiert wurden. Verbände und FN müssen sich die Frage gefallen lassen, wie glaubwürdig ein Selektionsmodell ist, wenn man sich mehrfachem Scheitern durch Auslandsbesuche entziehen kann. Nachträgliche Legitimation erster Fohlenjahrgänge ungeprüfter Hengste ist aus kommerzieller Sicht verständlich, Systemzweck ist es nicht. Wenn dieses Beispiel Schule macht wäre es der Anfang vom Ende des deutschen Zucht- und HLP-Modells.

Johann Hinnemann, Voerde
   
   
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