Duisenberg - warum?

                                                                                
                                                         
Foto: Dr. Christina Beuke - mit dem herzlichsten Dank für die Überlassung dieses charmanten Porträts!                   
                                                              
                                                                         Duisenberg von Desperados x Weltmeyer x Lungau (Der Löwe xx)


Untertitel:

Der doppelte Weltmeyer

Prolog

Für mich verkörpert Duisenberg die Reinkarnation des Weltmeyer und ich habe viele Jahre auf einen solchen Hengst für meine Fabrice gewartet. Geboren aus einer Weltmeyer-Mutter ist Duisenberg als Sohn des Desperados eng auf Weltmeyer ingezogen (Desperados' Muttervater ist Wolkenstein II) und man sieht es ihm auch an. Und gerade weil Duisenberg diesen Weltmeyertypus in vielerlei Hinsicht selber verkörpert war die öffentliche Meinung über ihn vom ersten Tag seiner öffentlichen Auftritte anlässlich der Körung in Verden im Herbst 2011 gespalten:
Man schätzt ihn oder man verpönt ihn, ganz wie den alten Weltmeyer selbst.

Und so sind es gerade diese von Kritikern gescholtenen altbackenen Features des Weltmeyer, die mir Duisenberg so begehrlich erscheinen lassen:
Weder schwarz, noch puppig und schon gar nicht hochbeinig, schied Duisenberg vom ersten Augenblick an die Geister. Reichlich Resonanzkörper und aus diesem der unübersehbare Abdruck und Grundschwung, der vom Fleck weg durchs Pferd schiebt. Duisenberg imponierte bereits auf der Dreiecksbahn vom ersten Moment als er hereintrabte - das war spürbar Kadenz aus einem kraftvollen Abdruck gegeben, einhergehend mit dem unübersehbaren sicheren Takt, der ein solches Pferd auszeichnet.
In der Tendenz etwas schwammig in der Textur und weit entfernt von dem hochnoblen langbeinigen Pferd, das heutzutage so begehrlich ist, verkörpert Duisenberg in seiner Aufmachung genau das, was sein Pedigree und ganz vor allem ein späteres gutes Dressurpferd ausmacht:
Funktionalität.
Ein solches Konstrukt kann tragen. 
Ein solches Konstrukt kann man später auch einmal setzen.


Nun habe ich selber viele Jahre benötigt, um einem Weltmeyer die angemessene Wertschätzung und Anerkennung zukommen zu lassen, die er Dank seines prägenden Einflusses (und das nicht nur in der hannoverschen Zucht) auch verdient. „Lernfähig“ nennt man das, wenn man über die Jahre seine eigene Meinung von tiefer Abneigung in höchste Wertschätzung zu wandeln im Stande ist – und es ist doch immer schön wenn man feststellt, dass man auch im Alter noch dazu lernt :-)

Und so ist Weltmeyer wohl der Hengst in meinem Weltbild, der mein Zuchtverständnis im Laufe der Jahre am nachhaltigsten auf den Kopf gestellt und beeinflusst hat. Duisenberg reiht sich daher stimmig ein in meine ganz persönliche Ansammlung von Deckhengsten der jüngsten Vergangenheit, die allesamt Weltmeyer oder einen seiner bewährten Söhne zum Muttervater haben und die ich aus gutem Grunde nicht zuletzt deshalb genutzt habe:
Real Diamond und Sarkozy, und aktuell Don Frederic und Duisenberg.

„Der Motor sitzt hinten!“ – und die seltene Gabe, diese Eigenschaft auch zu vererben, verkörpert kaum ein Hengst so sehr wie Weltmeyer. Ein Fidermark fällt mir dazu noch ein, doch der hat in seinem begrenzten Deckeinsatz keinen flächendeckenden Einfluss auf die Zucht nehmen können. Die begehrliche Eigenschaft, diesen sichtbaren „Motor hinten!“ auch genetisch zu manifestieren und in seiner Nachkommenschaft zu verankern, diese Eigenschaft können nur sehr wenige Hengste für sich in Anspruch nehmen. Der Unterschied eben zwischen einem echten Vererber, der dieses Prädikat auch verdient, und einem einfachen Deckhengst.

Man kann Weltmeyer mögen oder nicht, sein Einfluss auf die hannoversche Zucht, gerade als Multiplikator über die Mutterseite, ist greifbar und im Hinblick auf Hinterbein, Antritt und Schubkraft nicht weg zu diskutieren.

Und so war es ein Weltmeyer und das weit verbreitete Erbe durch seine Nachkommenschaft, das im Laufe der Jahre mein Verständnis für ein stabil tragendes Pferd überhaupt erst geprägt hat. Die sichtbare Umwandlung von natürlich gegebener Schubkraft in stabile Tragkraft unter dem Sattel ist nirgendwo so offensichtlich nachvollziehbar wie an Weltmeyer, seinen Söhnen, Töchtern und Enkeln, die dazu meist in fuchsfarbe und in einem gesunden Rechteckformat daherkommen und das Erbe des Weltmeyer daher bereits sichtbar in ihrer Statik verkörpern:
sie sind alles andere als hochbeinig und schmalbrüstig, sie kommen daher mit tiefer Röhre und einem Hinterbein, das den Eindruck verschafft das gesamte Pferd hinten tiefer zu legen. Sie imponieren allein durch ihre Dynamik von hinten durch’s Pferd und schlagen keinen Schaum vorn...

Weshalb ich gerade meine rotbunt leuchtende und ebenso hinten tiefergelegte Fannie Mae häufig als eine typische Vertreterin des „Weltmeyer-Synonyms“ betitelt habe. Mein Artikel „Langbeinigkeit – sinnvoll oder Selbstzweck?“ aus dem Jahr 2008 legt erstmals laut Zeugnis ab von dem Verständnis um Funktionalität, das dem ausgeprägten Zeitgeist dieser Tage und dem Begehren nach möglichst langbeinigen Pferde energisch widerspricht.
In einer Zeit, in der nicht von hinten nach vorn sondern meist von vorn nach hinten auf’s Pferd geguckt wird und Farbe, Kopf und Vorderbein eine grössere Rolle spielen als das Verständnis für Antrieb und Funktionalität, in so einer Zeit hat es so ein altmoderner Fuchs eben nicht leicht.
Wie der Grossvater, so der Sohn.

An Duisenberg schieden sich vom ersten Augenblick die Geister.


Verden, an einem sonnigen Morgen im Herbst 2011:

Dick eingepackt in Jacken und Decken saß ich an der Dreiecksbahn um mir einen ersten Eindruck dieses hannoverschen Körjahrganges zu verschaffen. Den ein oder anderen Sohn des Desperados hatte ich bereits bei den Vorauswahlen gesehen und mein Interesse war durchaus geweckt als es an das D-Blut ging. Und doch war ich ausserordentlich irritiert als ein kräftiger Fuchs plötzlich hereintrabte, den ich vom ersten Augenblick an mit Weltmeyer assoziierte…

Weltmeyer?
Inmitten der D’s???

Ich brauchte eine Weile um zu begreifen, dass es sich hier um einen doppelten Enkel des Weltmeyers handelte, einer, der ganz offensichtlich in der übernächsten Generation das beidseitig ganggewaltige Erbe seines Grossvaters so richtig verkörperte…
Das war er!
Der Weltmeyer, auf den ich all die Jahre für meine Fabrice gewartet hatte!
Ein beeindruckende Enkel seines Grossvaters in Person, hinten tiefergelegt und von einem Schub und Durchschwung, dass ich die Augen nicht mehr von ihm lassen konnte!
Spürbar Takt, sichtbar Schwung – das war greifbare Dynamik und ein rhytmisch-kraftvoller Augenschmaus, wie man ihn nur sehr selten auch auf diesem Grün erlebt…
Der Eindruck war auch deshalb so stark, weil dieser Hengst (anders als manch ein anderer Kandidat) natürlich belassen wirkte und kein gemachtes Gestrampel verkörperte.
Präpariert ist anders und auch davon gab es reichlich und offensichtlich.
Diesem hier jedoch stand „reell“ in grossen Buchstaben von vorn bis hinten über den Leib geschrieben.
Und nur reell kann sich auch vererben.

Tief gesetzt, tief geröhrt und mit deutlicher Anlage zur Hankenbeuge ausgestattet ging der Schub dieses doppelten Weltmeyer sichtbar durch den Rücken und machte deutlich, wieso ein Pferd im klaren Rechteck stehend eben elastischer und dynamischer daherkommt als ein hochgestelltes kurzes Pferd.
Das physisch sinnvoll angelegte Konstrukt dieses Hengstes verdeutlichte anschaulich, wie Form und Funktionalität im Idealfall einhergehen. Und genau das machte diesen doppelten Weltmeyer vom ersten Augenblick an als potentiellen Vererber begehrlich:
wenn seine unbestrittene Funktionalität ganz wesentlich das Ergebnis seiner Form war, Ergebnis des physischen Konstruktes eben, und wenn dieses Konstrukt in seiner direkten Vorfahrenschaft gleich zweifach und damit genetisch doppelt vorhanden war, dann durfte man den kühnen Schluss wagen und auf eine sicherere Vererbung dieses Gesamtkonstruktes hoffen, anders als das in Fällen gänzlich frei von Inzucht in den ersten Generationen der Fall sein mag - ?
Wenn darüber hinaus in der direkten Abstammung mit De Niro ein weiterer Stempelhengst von vergleichbaren Features, sichtbarem Rechteckformat und verlässlicher Dynamik vertreten war und man sich trefflich streiten konnte, welcher von beiden (De Niro oder Weltmeyer) nun den grösseren Anteil an dem kraftvollen Schub und Antritt dieses Hengstes hatte, dann drängte die verlässlich anmutende Genetik dieses Hengstes sich damit gleich dreifach auf:
Weltmeyer, Wolkenstein, De Niro …

Zeit, sich die Abstammung dieses doppelten Weltmeyer einmal näher zu betrachten …

Desperados, der Vater


Duisenberg's Vater Desperados ist mir seit seinen ersten öffentlichen Auftritten anlässlich der hannoverschen Körung 2003 noch gut im Gedächtnis. Diese Körung werde ich sicher nie vergessen...  Er war der bewegungsstärkste und auffälligste Hengst seines Körlotes und auch an diesem schieden sich die Geister wie an keinem anderen. Aufgrund seiner überaus auffälligen Bewegung, insbesondere dem Ablauf im Hinterbein, sagte man diesem Hengst in diesen Tagen alles nach von Ataxie bis päpariert - wo man hinhörte wurde heftigst über diesen lackschwarzen Sohn des De Niro diskutiert.
Die Konsequenz der hannoverschen Körkommision, diesen Hengst ausdrücklich nicht zu kören, hat mir damals sehr imponiert. So sehr mir das Pferd auch gefiel:
reell einzuschätzen war es nicht.
Dennoch erzielte der Hengst einen stattlichen Preis und avancierte zum teuersten Hengst des nicht gekörten Lotes und man darf sich fragen, was die Kommission ein Jahr später dazu bewog, ihn dennoch anzuerkennen:
der schnöde Mammon, der Aussteller von nicht geringem Einfluss oder die schlichte Grundqualität eines Pferdes, das mittlerweile die Bronzemedaille beim Bundeschampionat gewonnen hatte und später zu einem Aushängeschild der hannoverschen Zucht werden sollte?         

Fortan habe ich die sportliche Entwicklung dieses Desperados akribisch verfolgt und staunte nicht schlecht ob seiner vom Fleck weg beeindruckenden Karriere. Als Deckhengst jedoch hat er mich nie wirklich interessiert, auch wenn ich mittlerweile druchaus Gefallen an seinem Mutterstamm fand, aus dem später auch der 1.220.000 Euro teure Don Nobless hervorgehen sollte, dem allerdings vor diesem Zuschlagpreis zur Zeit seines sparsamenWirkens in Dillenburg auch niemand Beachtung geschenkt hatte.
Die mütterliche Abstammung des Desperados über Wolkenstein II, Matcho und Pik König xx klingt wohltuend, wenn auch dem Stamm an sich in Insiderkreisen gern lediglich Schauqualitäten nachgesagt wurden. An Desperados' Qualitäten als Vererber sollten sich daher weiterhin die Geister scheiden, das änderte sich auch dann noch nicht als seine ersten Söhne auf den Vorauswahlen paradierten und der Hengst es selber bereits zu beachtlichen Grand Prix Erfolgen unter seiner noch jungen Reiterin gebracht hatte. Ich erinnere mich noch gut an Diskussionen, als seine Piaffen als nicht reell getragen bezeichnet wurden und manch einer mit dem spektakulären Siegeszug unserer niederländischen Dressurkonkurrenten bereits den Untergang der deutschen Dressurpferdezucht beschwor. Das war vor den olympischen Spielen in London und ist noch gar nicht so lange her. Seither ist das altbewährte Blut des Donnerhall in aller Munde und gilt als deutsche Antwort auf niederländische Dressurkultur.
Mitunter kann man wirklich nur staunen, wie die Dinge sich in kürzester Zeit in ihrer Wahrnehmung ändern.
Als ich Duisenberg im letzten Frühjahr an Fabrice anpaarte hätte ich im Traum nicht damit gerechnet, dass sein Vater kurz darauf in London die Dressurwelt auf den Kopf stellen sollte. Desperados war zu diesem Zeitpunkt noch nichteinmal für den Olympiakader nominiert, alle Welt befand sich noch im Totilasschen Wechselfieber. Ich nahm es daher als willkommenen Bonus, als ausgerechnet Duisenberg's Vater zu olympischen Ehren avancierte, insbesondere als es zu dem Zeitpunkt auch noch keinen weiteren gekörten Sohn des Desperados aus einer Weltmeyermutter gab. Das sollte sich erst im Herbst 2012 drastisch ändern und fortan waren die meist schwarzen Söhne des Desperados in aller Munde. Aus Weltmeyermutter stellte er sogar einen Körsieger. Für mich hatte er bis dahin mit seinem Sohn Derby Dancer, einem Schimmel aus seinem ersten nennenswerten Körjahrgang 2009, der darüberhinaus auch noch aus einer reinen Vollblutmutter (von Runawy Groom xx) gezogen war, eine beeindruckende Visitenkarte geliefert. Dieser überaus elastische Halbblüter Derby Dancer fristete allerdings im Landgestüt Warendorf eher ein Schattendasein und verschwand recht bald in der sprichwörtlichen Versenkung und von der Bildfläche, dem Vernehmen nach Richtung Menslage.
Rückblickend war es also wohl ausgerechnet dieser wenig beachtete Derby Dancer, der mir als reines Outcross und echter Aussenseiter seinen Vater Desperados erstmals ernsthaft als Vererber empfahl. Und irgendwie macht es mich schmunzeln, dass ich mir mit seinem Sohn Duisenberg auch wieder einen ausgeguckt habe, der in der öffentlichen Wahrnehmung ebenso eher als Aussenseiter gilt und dessen wenig professionelle Auftritte auf Hengstschauen im ersten Winter durchaus dazu beitrugen, diesen Eindruck zu unterstützen.

Die mütterliche Abstammung

Und doch war ich felsensfest von der Genetik dieses Duisenberg überzeugt, insbesondere als ich feststellte, dass gerade dessen mütterliche Abstammung für mich kein unbeschriebenes Blatt war.
Als ich nach dem Körwochenende im Herbst 2011 nach Hause fuhr spukten mir unterwegs lediglich die väterlichen Geister meines neu gefundenen "doppelten Weltmeyers" (den Namen Duisenberg hatte er zu dem Zeitpunkt noch nicht) durch den Kopf. Der Mutterstamm über Weltmeyer x Lungau sagte mir zunächst nichts, wenn auch Lungau über Lugano II als zusätzliches Sahnehäubchen und einzig begehrliche Form des Erbes des Vollblüters Der Löwe xx das Ganze wohlklingend stimmig für mich abrundete. 

Die ersten Recherchen in Fohlen- und Stutenschaukatalogen sollten meinem Unwissen jedoch spürbar auf die Sprünge helfen:
 
Der Sommer 2011 war der Sommer der ersten dreijährigen Kinder des Biasini (von Belissimo x Argentinus x Furioso), ein Hengst, dem als ebenso recht altbackener Sohn des Belissimo völlig zu unrecht nur ein kurzer Deckeinsatz beschieden war. Mir erschien Biasini gerade wegen seines leistungsbetonten und vor allem springbetonten mütterlichen Erbes über Argentinus und Furioso als ein sehr begehrenswerter Sohn des Belissimo, der dem häufig etwas schlappen Hinterbein seines Vaters gerade durch seine wenig moderne aber sehr leistungsorientierte Springabstammung richtig was entgegenzusetzen hatte.
Und ich erinnerte mich nur zu gut an eine grosse schlichte Fuchsstute, eine Tochter des Biasini, die mich später auch auf der Eliteschau in Handorf durch ihr schnörkelloses Auftreten und ihren unumstrittenen Antritt begeisterte - grundsolide und "reell" hatt ich diesem Pferd in grossen Lettern in den Katalog geschrieben.
Attribute, die sich vererben. Meine Freude war gross als ich feststellte, dass diese Biasini-Tochter mit namen Bella Bionda aus der selben Weltmeyermutter gezogen war wie Duisenberg:
Weltluna. 
Ich war also in Bella Bionda bereits einer Schwester des Duisenberg begegnet, die mittlerweile sehr zurecht siegreich in Reitpferdeprüfungen unterwegs war und ihre Sattelqualität auch auf der Westfalenwoche in Handorf im grossen Feld der vierjährigen Stuten ein Jahr später eindrucksvoll mit einer vorderen Platzierung unterstrich. Das war ein Pferd, wie ich es mir vorstellte, weil sie die selben naturgegebenen rellen Features verkörperte wie ihre Bruder Duisenberg.
 
Geradezu begeistert war ich dann, als ich bei meinen Recherchen auf einen gekörten Vollbruder zu Weltluna stiess, der 1992 geboren war und nach Ablegen seiner Hengstleistungsprüfung 1995 in Adelheitsdorf in die USA verkauft worden war. Aus den Augen - aus dem Sinn. Die neunziger Jahre waren bei weitem noch nicht so medial durch das Internet geprägt wie das heute der Fall ist und so war ich glücklich, als ich auf einen kurzen Videoclip des Hengsst stiess, der unter dem Namen Weltklasse in den Büchern geführt wird. Eine Bewegungssequenz eines Pferdes aus den Neunzigern ist eine Seltenheit und diese Bewegungssequenz sprach mir aus der Seele:
Hinterbein, abfussen und ein unter den Körper fussender Hebel, der zur Lastaufnahme einlädt. Der selbe Motor, wie er auch Duisenberg und seine Schwester auszeichnet und das dritte Pferd aus enger Mutterlinie, das nahelegt, dass dieser Ablauf kein Zufall sondern genetisch verankert und damit vererbbar ist.  

Video Weltklasse

Meine späteren Recherchen über den grossen Teich erwiesen sich als wenig ergiebig. Ein Hengst hat dort ob der heterogenen und wenig druchgezogenen Stutenbasis wenig Chancen, selbst wenn er einige ordentliche Nachkommen gezeugt hat, von denen ich selber anlässlich eines Besuches in den USA 2004 einige gesehen habe. Damals waren diese Kinder des Weltklasse für mich allerdings auch nur Nachkommen eines weiteren Weltmeyersohnes und ich hätte sicher besser hingeguckt, wenn ich mir der Verwandschaftsgrade und der Bedeutung, die dieser Hengst heute für mich hat, damals bewusst gewesen wäre.

Weltluna, Weltklasses Schwester und Duisenbergs Mutter, war seinerzeit selber mehrfach siegreich in Reitpferdeprüfungen, bevor sie im Hause Schütte in die Zucht. ging. Sie ist darüberhinaus zweifache Hengstutter und brachte neben Duisenberg bereits den in Hannover gekörten Lord of Dream von Londonderry, der unter Ecki Wahlers Erfolge bis Klasse M verbucht.
Mit Roman Nature von Rosentau stellt sie ihren ältesten sporterfolgreichen Sohn, der von 2003 bis heute über zehn Jahre ununterbrochen sporterfolgreich unter Amateurberitt bis zur Klasse M unterwegs ist und über 5.000 Euro LGS für sich verzeichnet. Eine Leistung, die sich durch Gesundheit und Kontinuität auszeichnet und sehr für den Stamm spricht, insbesoderere wenn es noch weitere Nachkommen gibt, die diese Annahme unterstützen..
Bis heute verzeichnet Weltluna sechs sporterfolgreiche Nachkommen, darunter auch das NRW Elite-Auktionspferd Luciano von Laudabilis. Der erfolgreichste und bekannteste Nachkomme der Weltluna ist der Brentano II-Sohn Beaufort, der aktuell unter Heiner Schiergen S-Erfolge verzeichnet.

Weltlunas Mutter Laika von Lungau verzeichnet 9 sporterfolgreiche Nachkommen im Jahrbuch Zucht.
Ihre Vollschwester Laisa ist Mutter des gekörten Weltenau von Weltmeyer, der im Haupt- und Landgestüt Marbach deckte.
Mit Delorenzo von Don Primero x Argentan x Lungau, gezogen aus einer Enkelin der Leda, die eine weitere Vollschwester zu Laika ist, stellt dieser direkte Mutterstamm seinen bislang erfolgreichsten Spross. Seit 2001 ist Delorenzo ununterbrochen nunmehr vierzehn Jahre im Sport unterwegs, verzeichnet aktuell 13 S-Siege bis Grand Prix und verfügt über eine beeindruckende LGS von 20.000 Euro.
Mit dem gekörten Golden Cup von Gambler's Cup x Weingau war ein weiterer direkter Sohn dieses Stammes kurzzeitig unter Heike Kemmer bis St:Georg unterwegs. Seine Mutter Wendy ist eine Halbschwester zu Laika, Leda und Laisa.

Die Urgrossmuter des Duisenberg, Pretty von Presto x Traugott, verzeichnet mit sieben sporterfolgreichen Nachkommen eine NGS von 8.000 Euro. Mit Abajo S und Ambiente, beide vom Vollblüter Abajo xx abstammend, verfügt auch sie über S-erfolgreiche Nachzucht.

Allein diese übersichtliche Recherche des direkten nahen Mutterstammes zeichnet sich bereits druch eine hohe Dichte sporterfolgreicher Nachkommen aus, die dem Anspruch an Leistungsvererbung dieser Mutterlinie mehr als gerecht werden. Im weiter verzweigten Stamm finden sich darüberhinaus noch einige gekörte Hengste und reichlich sporterfolgreiche Pferde, von denen ich hier lediglich zwei nennen möchte, weil sie mir persönlich bekannt sind und mit denen ich selber greifbare wertvolle Eindrücke verbinde. Da ist zum einen der in Westfalen gekörte Hengst Ehrgeiz (von Ehrentusch x Lauries Crusador xx x Weltmeyer), den ich aufgrund seines Vollbluterbes und der angemessenen Anpaarung an das westfälische E-Blut vom ersten Tag an positiv wertschätzte. Der Zucht ist Ehrgeiz mittlerweile als Wallach verloren gegangen, doch ist er sportlich weiterhin erfolgreich unterwegs und war sechsjährig bereits siegreich in M. Nachhaltig beeindruckt an Ehrgeiz hat mich einige Jahre später jedoch sein jüngerer Bruder, ein Sohn des Bestseller. Diesem Hengst begegnete ich dreijährig in einem Ausbildungsstall und konnte seine Entwicklung von der rohen Remonte bis hin zu den ersten Siegen in Dressurpferdeprüfungen aus der Nähe mitverfolgen. Ich war vom Fleck weg ein Fan dieses sympathischen propperen Braunen, der gezielt als langfristig zu förderndes Ausbildungspferd in den Stall kam und wage die Behauptung, das wir von diesem Pferd künftig noch hören werden. Wenn ein versierter Profi wie der Reiter dieses Hengstes heutzutage ein junges Pferd bewusst für sich als langfristig zu förderndes  Ausbildungspferd akquiriert, dann erkenne ich das als grosse Auszeichnug an. Es ist eben etwas gänzlich anderes, ob jemand die schnelle Mark an einem vielversprechenden jungen Pferd machen möchte, oder ob er es für Wert befindet, hier über Jahre qualitätsvolle Zeit und Arbeit zu investieren. Die Erkenntnis, dass auch dieser Hengst ein Vertreter des Stammes des Duisenberg ist, mag züchterisch nicht von grosser Relevanz sein, hat mich aber sehr gefreut.

So ist Duisenberg nun also neben Don Frederic der zweite Hengst meiner Anpaarungen 2012, für den ich mich bewust wider meine Prinzipien entschieden habe, die da lauten, keinen ungeprüften Junghengst zu nutzen. Der einzige Grund, der eine solche Entscheidung rechtfertigt sind leistungsrelevante Erkenntnisse aus dem nahem Stamm, die den Schluss nahelegen, dass die begehrlichen Eigenschaften eines solchen Junghengstes selber auch genetisch manifestiert und vererbar sind. Die nahe Verwandtschaft des Duisenberg lässt diesen Schluss ganz sicher zu.
Und doch muss jeder Hengst auch auf die passende Stute treffen. In meiner Fabrice habe ich eine bewährte Zuchtstute, deren Vererbung in Stärken und Schwächen ich recht sicher einzuschätzen weiss. Doch wie in allen Fällen war auch dieser Anpaarungsgedanke keine sachliche Entscheidung:
es war reine Intuition, die mir Fabrice vom ersten Augenblick zu Duisenberg als Passer eingab und dieser Gedanke hatte mich den ganzen Weg von Verden zurück nach Münster nicht mehr losgelassen. Das ganz wesentliche und ausschlaggebende Attribut dieser Anpaarung, das mir beständig unterwegs vor dem inneren Auge herumgeisterte ist "der Motor hinten!", der beide Pferde auszeichnet. Selbst wenn einer an dem anderen nichts verbessert liegt der Schluss nahe, dass Fabrice auch aus dieser Anpaarung ein stark motorisiertes Fohlen zaubert. Takt, Antritt und Schubkraft, das sind Attribute die hat ein Pferd von Natur aus, oder es hat sie nicht.
Die sachlichen Erkenntnisse infolge meiner Recherchen zu dem Stutenstamm des Duisenberg haben meiner Intuition lediglich das nötige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben.
Pferdezucht ist nunmal eine Kunst und keine Wissenschaft.
Wollen wir also hoffen, dass meine Intuition mich auch dieses Mal nicht im Stich lässt.

Im Hinblick auf Eigenleistung hat Duisenberg aktuell seinen ersten wertvollen Beitrag geleistet. Nachdem der Hengst verletzungsbedingt seinen 70-Tage Test im letzten Herbst abbrechen musste, hat er am letzten Wochenende seinen ersten Turnierstart in einer Reitpferdeprüfung asbolviert und diese gleich mit Weile gewonnen. 8,4 lautete die Wertnote, und besondere Freude bereitet mir hier (allen Kritikern zum Trotz) die "9" für das Gebäude. Auf das harmonische Gesamtkonstrukt kommt es eben an.       
Im Frühjahr wird Duisenberg dann seinen 30-Tage Test in Schlieckau ablegen.  
 

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