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Bunny - die Fortsetzung - hier:

 

                  Als Reiter hat man's schwer.
                  Der etwas andere Turnierbericht ...          

27.7.2014  Nettetal Löbberich - Sichtung zum Bundeschampionat                       


                                                 


Als Reiter hat man's schwer.
Mitten in der Nacht aufstehen für die erste Prüfung um 8 in der Früh.
Anfahrt ab Münster:
schlappe 170 Kilometer.
Wir machen noch gute dreissig mehr daraus...
Zur Wegbeschreibung verlässt sich jeder auf den anderen, am Ende versagen beide Navis und man kommt in den Genuss einer malerischen Anhängerfahrt durch die nachtschlafenden Gemeinden des Niederrheins. Die Betonung liegt auf N i e d e r rhein. In diesen Gefilden herrscht frühmorgens noch Bodennebel und man sieht nicht wirklich viel.
Immerhin:
Die Feldwege verfügen über hinreichend ausgebaute Anhängerbreite.
Tatsächlich wird man irgendwann fündig, man muss den Turnierplatz nur weitläufig genug einkreisen und idealerweise am Abend vorher vollgetankt haben (e i n e weise Voraushandlung, immerhin... Für die Akkus hat das Mitdenken nicht mehr gereicht).
Dumm nur, dass die Anhängerparkplätze früh um sieben weder ausgeschrieben noch als solche erkenntlich sind.
Ein bisschen wie beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht (für diejenigen unter uns, die noch mit Brettspielen grossgeworden sind):
kurz vorm Haus wirst du dreimal rausgekegelt...
Gut, wenn Frau auch mit Anhänger im versierten Rückwärtsrichten geübt ist.
Weder der Kia noch der Anhänger wurden im See versenkt.

Gerade eben rechtzeitig auf's Pferd und man wundert sich, dass sonst noch keiner da ist. Die Ruhe ist geradezu gespenstisch.
Ein Blick auf die mittlerweile in Papierform erhältliche Starterliste hilft:
Die Prüfung wurde um eine Stunde nach hinten verlegt.
Die höfliche Anfrage bei der Meldestelle (merke: Meldestellenhelfer sind auch nur Menschen...) ergibt:
"Das wurde gestern Abend durchgesagt, dass die erste Prüfung heute morgen später beginnt."
Im Zeitalter von Telefon und Internet ist das eine reife organisatorische Leistung.

Immerhin:
Mittlerweile sind sowohl Prüfungsbeginn als auch Starterliste auch virtuell verfügbar. Das gibt die nötige Sicherheit das brave Pferd nocheinmal auf den Anhänger zu stellen und in Ruhe das dringend nötige Frühstück einzuwerfen.
Doch, halt:
"Die Brötchen sind so früh leider noch nicht da. Wenn Sie bitte später nocheinmal... ?"
Natürlich.
Machen wir gern.
Wie es aussieht gestaltet unser Aufenthalt sich doch noch etwas länger.                                       

Diese gelbe Schleife haben wir uns alle drei hart verdient!
Mit frischen Erdbeeren, Lachsbrötchen, die das Warten wert waren, und ausserordentlich freundlichem Helfern am Parkplatz, kommt auch die Sonne raus und der Tag wendet sich zum Guten.

Unsere Odyssee ist jedoch noch nicht beendet.
Aus Schaden klug geworden fragt Frau sich vorher durch.
Und richtig:
Die erfragte Autobahnzufahrt befindet sich auch genau dort, wo sie sein sollte.
Dumm nur, dass es die falsche Autobahn ist.
Sagte ich schon, dass die Fähigkeit, auch ein Anhängergespann versiert rückwärtsrichten zu können, stets eine lohnenswerte ist...?

In der Tat haben wir heute eine Menge gewonnen:
Eine Dressurpferde L mit einem Pferd, dass bis Weihnachten noch ein Fohlen bei Fuss hatte und in weniger als sechs Monaten Sattelreife alles gewonnen hat, was man in diesem Alter im Dressurviereck gewinnen kann.
Dazu reichlich geografische Kenntnis vom deutsch-holländischen Grenzgebiet des Niederrheins.
Desweiteren die beruhigende Erkenntnis (und das wird besonders die älteren Semester unter uns erfreuen!), dass es sich noch immer lohnt, einst Kartenlesen noch in Papierform gelernt zu haben, so richtig vom Falkplan eben (dumm nur, wenn man selber darüber ebenso älter geworden ist und ohne Lesebrille nichts mehr sieht...).
... und zuguterletzt die simple Erkenntnis (man ahnt es schon...), dass Volltanken am Abend zuvor allein nicht reicht. Die Akkus in die Dose ist heutzutage kriegsentscheidend, insbesondere wenn sich das Handy nicht nur zum Navigieren sondern auch zum althergebrachten Anruf ein bis zwei Stunden vor Prüfungsbeginn bei der Meldestelle empfiehlt, so wie es früher eben immer war...


                                                   


Liebe Marina:
Ich ziehe meinen Hut vor deinen Nerven.
Spätestens bei X wäre bei mir auch der letzte Faden gerissen.
... und bin wieder einmal richtig stolz auf euch!


August 2014

Mit zwei fünften Plätzen in der Dressurpferde L beschliesst Bunny ihre erste und überaus erfolgreiche Turniersaison fünfjährig.
Anlässlich der Westfalenwoche in Münster Handorf und den Westfälischen Meisterschaften in Riesenbeck bestritt sie erfolgreich die Sichtungen zum Bundeschampionat. 7,5 und 7,6 lauteten die Wertnoten für Bunny und Marina und wenn es in diesem Jahr auch keine Reise nach Warendorf gibt, die ich Marina von Herzen als Ihr ganz persönliches Championatsdebut gegönnt hätte, so bin ich doch unglaublich stolz auf meine Bunny!
Weniger als ein halbes Jahr hat Marina Bunny überhaupt erst unter dem Sattel und Fabricechen's Tochter hat sich in dieser kurzen Zeit geradezu als Senkrechtstarter entpuppt:
Ihre recht sparsam dosierten Turnierbesuche hat sie allesamt mit Siegen und hohen Platzierungen beschlossen (grüne Schleifen gab es gar nicht) und dabei zwischendurch verletzungsbedingt auch noch mehrere Wochen pausiert.
In aller Ruhe können Bunny und Marina sich nun auf die kommende Saison sechsjährig vorbereiten und guter Dinge das Jahr 2015 auf sich zukommen lassen.


                                         


24.5.2015

Pfingstturnier Borken

Einen souveränen weil sichtbar entspannten Auftritt hatten Marina und Bunny heute in der Dressurpferde L in Borken und verdient knackten die beiden die begehrliche 8-Prozent Marke:
8,1 und Platz vier für Bunny und Marina und die erste Schleife der Turniersaison 2015 für Fabricechen's Tochter...
Mein grosser Dank gilt Steffi Wolf, die Bunny und Marina in den letzten Tagen ganz besonders unter ihre Fittiche genommen hat und wie man sieht, mit sichtbarem Erfolg!  

                                                              

Mit 8,2 belegte Steffi selbst in dieser Prüfung den dritten Platz auf der fünfjährigen KWPN-Stute Filinda, für die es der erste Start in L überhaupt war. Filinda verdient besondere Erwähnung auf diesen Seiten, steht sie doch quasi als Patin für den kleinen Zampano. Filinda war es, die als eine der besten dreijährigen Stuten in den Niederlanden Johann Hinnemann im letzten Frühjahr aufgrund ihrer Abstammung von Zhivago x Fidermark zu seiner Anpaarungsidee von Deauville an Zhivago inspirierte. Mit Fug und Recht darf man also behaupten: ohne Filinda gäbe es heute den kleinen Zampano nicht.
Verständlich also, dass mir Filinda's sportlicher Werdegang unter dem Sattel sehr am Herzen liegt und diesen gelungenen Doppelerfolg von Steffi, Marina, Bunny und Filinda an diesem Wochenende zu einem ganz besonderen Erfolg für die Münsterland-Pferde und mich macht.
    
                                               


Turnierstress einmal anders:
Sonnenbad mit Bunny!

                                 
                                                                               Danke, Borken Live, für diesen gelungenen Schnappschuss!

29.5.2015

Bravo, Marina!

Die Schlagzeile drängt sich einfach auf an diesem Wochenende, das Marina und Bunny (Sportname: Bravo) ihren ersten gemeinsamen Sieg in "M" beschert!
Mit der M3 stand eine anspruchsvolle Dressurpferdeprüfung in Düren auf dem Programm, die vier fliegende Galoppwechsel fordert. Das mag auch der Grund sein, weshalb die ansonsten reich bestückten Teilnehmerfelder in Düren sich gerade in dieser Prüfung etwas schmal ausnahmen. Umso schwerer wiegt die Herausforderung, der Bunny und Marina sich unter der Fittiche von Steffi, die das Paar erneut erfolgreich coachte, in Düren stellten. Das Motto lautete:
"Entspannt nach vorn!" und genau so entschieden Bunny und Marina ihre erste Dressurpferde M überzeugend mit einer 7,8 für sich.
Merke: vier Wechsel können auch von grossem Vorteil sein weil man gleich vier Mal die Gelegenheit bekommt, sich zu beweisen!

Ganz herzlichen Glückwunsch Marina, Bunny und auch Steffi, die als engagierter Ausbilder offensichtlich alles richtig macht.
Ich bin stolz auf euch und freue mich wie verrückt über diesen ersten M-Erfolg meiner Bunny!


18.6.2015

Rheinische Meisterschaften Langenfeld
Platz drei für Bunny und Marina in der Dressurpferde M in Langenfeld in wohl geordneter Konkurrenz hinter Jana Freund auf Bodyguard und Ausbilderin Steffi Wolf auf Saphira Royal NG - herzlichen Glückwunsch, Bunny und Marina!


                                                     
2.10.2015

Bunny und Marina in Kirchhellen
Was für ein gelungener, berufstätigenfreundlicher Freitagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein in Kirchhellen!
Platz drei für Bunny und Marina in der Dressurpferde M, für mich war es der gefühlte Sieg und die schönste Bestätigung dessen, was mich in den letzten Wochen bereits im Training immer wieder begeistert hatte. Die ersten Serienwechsel, die ersten gross angelegten Arbeitspirouetten, Traversalen, die deutlich an Schwung dazu gewinnen und ein ungemein ästhetisches Paar dazu, sichtbar auf dem richtigen Weg.
Und wie das so ist, wenn man mitten im Geschehen dabei ist: Wenn die sponatnen Kommentare am Viereck sich mit den eigenen Eindrücken decken, dann bekommt man das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht... Leichtfüssig, dynamisch und Blickfang wie eh und je und ich konnte mich nicht losreissen von diesem Bild auf dem Abreiteplatz und in der Prüfung, das war einfach schön!

                                                      

Auf dem Weg zurück zum Anhänger leistet eine knackige Bunny sich dann gern einen beeindruckenden Luftprung, den Marina mit einem breiten Grinsen quittiert. Bocksprung ausdrücklich erlaubt, Honey-Bunny kann das wirklich gut und weiss, wann die rechte Zeit dafür ist - so macht Dressurreiten Spass!
Danke, Marina, wieder einmal!
                                                       

                                                


9.4.2016

Bunny ist wieder in Münster!

Deauville hat Bunny's Box auf dem Krüsterhof bezogen und Bunny wird in diesem Frühling erneut gedeckt. Ich freue mich jeden Tag darüber, dieses herrliche Pferd neben Silas im Stall und auf der Wiese zu sehen! Es ist nun Silas' Aufgabe Bunny eine gute Rosse zu bescheren, so lange bleibt sie hier in Münster und ich reite sie selber und habe meinen grossen Spass daran. Bunny ist und bleibt mir das liebste Fabricenkind und ich bin glücklich, sie bei mir zu wissen.    


24.4.2016

Romy zu Besuch in Münster!

Schon seit langem wollte Romy ihren "virtuellen" Liebling Carly einmal life auf dem Hof Altepost besuchen. Als Bunny dann vor ein paar Wochen den Krüsterhof verlassen hat und Romy sie sehr vermisst, hatte sie nun doppelt guten Grund für ihren Besuch in Münster - liebe Romy, ich hoffe, es bleibt nicht dein letzter Besuch! 
Wir hatten viel Spass mit Bunny und Silas im Gelände und ich war begeistert, wie lässig Bunny auf Anhieb mit Romy im Sattel die Sprünge auf dem Platz angenommen hat! Hier hat sie vor vier Jahren im zarten dreijährigen Alter ihre ersten kleinen Sprünge beim anreiten mit mir absolviert. Damals stand uns in Gerrit Nieberg ein famoser Helfer an den Stangen zur Seite. Heute haben wir die Rollen getauscht und ich habe nur zu gern die Rolle des "Kurschefs" übernommen und hatte die helle Freude an meiner Bunny unter Romy!
Danke, Dominik, für die schönen Fotos!

                                                                


                                                                 


                                                                 


15.5.2016

Favouritensterben und der ganz persönliche Züchterwahnsinn

Seit über acht Wochen ist meine Bunny nun wieder zu Hause und als ich sie im März vom Krüsterhof abholte war der Plan:
ein paar Wochen hier zu Hause in Münster reiten und mit Silas zusammen auf die Wiese, der soll sie zügig rossig machen und dann wird besamt!
Hengstideen hatte ich reichlich im Kopf und ich war sicher, bis der erste Follikel steht wusste ich auch, was ich wollte.
Der Ideentopf brodelte über, die Reihenfolge ergab sich wie folgt:

1. Fortunatus, der gefällige Schimmel aus Celle von der letzten Körung in der begehrenswerten Kombination aus Fürst Heinrich und doppeltem Sir Donnerhall, die mir aus diversen Gründen sehr zusagte. Unter dem Sattel hatte der Hengst mich dann später in Verden ebenso nachhaltig überzeugt.
2. Don Frederic, weil Bunny's erste Tochter Daktari mittlerweile dreijährig ihre überragende Klasse aus dem jungen Fohlenalter bis ins Reitpferdealter hinein zu bestätigen schien.
3. Radisson, die ideale Kombination aus Rock Forever-Springfaktor mit hohem Vollblutanteil und dem nötigen Rahmen.
4. Arango, der sporterfolgreiche Überflieger in Anlehnung an mein holländisches Experiment von vor zwei Jahren mit Inzuchtkomponente auf Fidermark.
5. Elton John, die Wiederholung meines holländischen Experimentes von vor zwei Jahren mit Inzuchtkomponente auf Fidermark.
Von Elton John hatten wir Bunny im letzten Jahr bereits einmal besamt und einen Embryo gespült, der uns aber leider nach einigen Wochen verloren ging.
6. First Selection, in Anlehnung an den Berittwechsel in Warendorf nebst Fidermark-Inzuchtkomponente, dazu über First Final (Vollbruder zu Fürst Grandios) der begehrenswerte Fürst Heinrich-Faktor.
....
Die Reihe liess sich unendlich fortsetzen.

Teil Eins hat dann auch wunderbar funktioniert, die Sache mit dem reiten und der Freude am Pferd hier zu Hause, meinem ganz besonderen Lieblingspferd aller meiner selbst gezogenen Fohlen und "das beste Pferd, das ich jemals gezogen hatte"...
Teil Zwei liess lange auf sich warten.
Von Rosse keine Spur und langsam wurde ich verrückt.
Bis mein Freund Wolfgang mich auf einen Betacarotinzusatz für Zuchtstuten brachte, der sich in seinem Stall seit langem bestens bewährte. Wieso ich darauf vorher noch nicht von allein gekommen war, ist mir ein Rätsel. Noch am selben Abend fuhr ich los und holte Betacarotin unter anderem Label in höherer Konzentration, um sofort damit loslegen zu können.
Hat auch funktioniert.

Anfang der Woche kam der prompte Anruf von meiner Stutenfee, zu der Bunny vor einer Woche umgezogen ist, mit der lang ersehnten Meldung:
Bunny rosst!
Dumm nur, dass es selten so kommt wie man denkt.
Erst kam gar nichts, jetzt schob sie gleich zwei Follikel...

Mein Hengstkarussell im Kopf drehte sich derweil heftig weiter, wenn auch auf etwas ausgedünnter Spur.
Mein Favourit Fortunatus hatte sich mittlerweile von selbst erledigt, weil er die Prüfung nicht bestanden hatte.
Nummer Zwei, Radisson, drohte sich nach Anruf bei Böckmann ebenso selbst zu erledigen, weil der Hengst stark frequentiert und nicht dem lebensfrohesten Samen ausgestattet scheint. Wenn die Station schon von sich aus sagt: "Nur an Selbstabholer und nur eine Portion pro Rosse!" dann lohnt es, zwischen den Zeilen zu lesen. Ärger vorprogrammiert.
Ärger brauchte ich nun gar nicht.
Nummer Drei katapultierte sich nach Anruf bei Schockemöhle ebenso von selbst hinaus weil nur noch per TG verfügbar. Wenn auch die Station sich sehr bemühte, mir den TG schmackhaft zu machen und ich selber wusste, dass ich noch nie eine Stute nicht-tragend bei Schockemöhle wieder abgeholt hatte. Aber wollte ich das wirklich? Bunny auf Station verbringen?

... und so ging es weiter.
Nummer Vier schied aus nachdem ich einige Fohlen gesehen hatte. In Verbindung mit Bunny drohte ein Mangel an additiver Grösse.
Nummer Fünf schied aus wegen des sicheren Fuchses. Ich muss bei vier geplanten Fohlen im nächsten Jahr auch verkaufen und ich weiss wie schwer es ist, rote Mädchen zu verkaufen. Und in Fuchs- an Fuchsanpaarung pflege ich darüberhinaus ein sicheres Abo auch auf rote Mädchen, so war das in der Vergangenheit immer. So bekannt ist Elton nunmal nicht, dass einem Fuchsmädchen aus der Hand gerissen würden.
Nummer sechs wurde rauskatapulitert weil sich der Sache mit dem erhofften Sporteinsatz nun doch ein Riegel vorzuschieben drohte. Ohne die erhofften aufsehenserregenden Sporterfolge war zumindest bei diesem Hengst nur eingeschränktes Fohleninteresse zu erwarten.
Und so ging es weiter.
Ich weiss nicht mehr, was es bei Nummer Sieben, Acht und Neun war, Fakt ist, alle meine Favouriten starben ihren individuellen Tot auf meiner Liste und ich drehte langsam aber sicher am Kabel.

Zwei Tage später der erneute Anruf meiner Stutenfee und eine besorgte Tierärztin dazu, weil die Follikel zwar sichtbar weiterkamen, aber nach wie vor im Duett unterwegs waren. Was wir tun sollten? Ob ich beide Follikel abspritzen und auf eine neue Rosse warten wollte?
Auf gar keinen Fall!
Die strikte Order an meine Stutenfee lautete:
Beide Follikel mit Liebe hegen und pflegen und konsequente Weitergabe von Betacarotin. Ich habe lang genug darauf gewartet, auf gar keinen Fall würden die Follikel nun weggespritzt, nur weil sie zu zweit daherkamen!

Zwei Tage Zeit hatte ich nun noch bis zur erwarteten Follikelreife, heute sollte ich nach der dritten Untersuchung mehr erfahren.
Zwei kostbare Tage Zeit kaufen und Meinungsbildung in Sachen Hengstwahl, nachdem ich schon in acht Wochen nicht weiter gekommen war...

Mittwoch abend besuchte ich dann Bunny's Tochter, die dreijährige Daktari von Don Frederic. Es war das erste Mal, dass ich sie wieder sah, seit sie vor drei Monaten den Hof verlassen hatte, und sie sollte meine hohen Erwartungen nun auch unter dem Sattel nicht enttäuschen:
Ein Granatenpferd, Mutter's Clon in einer handbreit grösser in dem Alter und mit allen begehrlichen Attributen ausgezeichnet, die auch Bunny im selben Alter ausgezeichnet hatten.
Bei einer solchen Tochter musste man die Anpaarung eigentlich wiederholen, ... wenn, ja wenn da nicht der TG-Makel vorgestanden hätte ...

Die klare Order meiner Stutenfee lautete:
"Egal wie du dich entscheidest, mach es bloss nicht komplizierter als es ist!
Bitte einen Hengst mit gutem Samen und einfacher Verfügbarkeit...!"
TG zu Hause (was man mir bei Schockemöhle auch angeboten hatte) fiel nicht wirklich in die Kategorie einfach und unkompliziert.
Und ich wollte weder meine Stutenfee, noch die Nerven meiner braven Tierärztin unnötig strapazieren. Letzterer hatte ich bereits im vergangenen Sommer ein ausgemachtes Follikeltrauma mit meinen Embryotransfer-Eskapaden beschert, von dem sie sich nur langsam wieder erholte.
 
Es folgte ein weiterer Anruf bei Böckmann und die Bestätigung des zuvor gehörten:
Radisson weiterhin nur eine Portion pro Rosse und nur an Selbstabholer. Abholen könne ich allerdings sofort.
Das brachte mich nicht wirklich weiter. Der Ärger blieb vorprogrammiert.

Gestern fuhr ich dann zu meinem wochenendlichen Besuch auf den Krüsterhof, das erste Turnier für Deauville stand auf dem Programm und sie war gleich in der ersten Abteilung dran, gemeinsam mit dem bislang wenig beachteten jungen Rappen der Station, Dark Sensation von Destano x Weltmeyer, den ich bereits seit seiner Körung in Vechta positiv auf dem Schirm hatte. Der Schwarze gewann die Prüfung auch souverän, es war sein zweiter Sieg in einer Dressurpferde A in Folge und es war ein verdienter Sieg für ein reelles und vor allem komplettes Pferd. Eigentlich genau das, was ich suchte.
Als ich meine Gedanken laut aussprach stiess das beim ganzen Team inclusive dem Chef auf grosse Zustimmung und Freude. Die kapriziöse Bunny konnten sie alle gut einschätzen, ihre Mutter kennen sie auch und eine Anpaarung an den grundsoliden Dark Sensation erschien allen ideal.
Mir auch.
Bis ich zu Hause auf der Tenne vor der grossen Stalltafel mit den Pferdenamen stand, auf der alltäglich penibel ausgehakt wird, wer schon geritten war.
Und da stand ganz oben Adorator.
Und der hatte es mir eigentlich schon immer angetan. Seit der sehr aussagekräftigen Fotosession kürzlich unterm Reiter war der Hengst als ebenso komplettes Pferd mit reichlich begehrlichen Bewegungsattributen nebst potentieller Doppelveranlagung und interessantem Outcross nochmal ganz erheblich bei mir im Ansehen nach oben geklettert. Seit der Besitzer dann kürzlich ein Springvideo unter Amateurberitt gepostet hatte, war meine Begeisterung für diesen Hengst im Idealtyp kaum noch zu bremsen.
Beim Team stiess mein erneuter Meinungsumschwung auf grosses Erstaunen:
ein Schimmel?
ein Trakehner?

Bedenken zu Punkt Eins konnte ich schnell ausräumen. Mein Favourit Fortunatus wäre auch Schimmel gewesen, diese Kröte wäre ich bereit gewesen zu schlucken. (Fuchs nicht? Meine eigene Inkonsequenz machte mich selber staunen. Wieder einmal.)
Punkt Zwei war nicht so einfach. Bislang hatte der Besitzer noch keine weitere Anerkennung vorangetrieben und eine Einzeldeckgenehmigung in Hannover und zusätzliches formales Theater brauchte ich eigentlich gar nicht...

Also doch Dark Sensation?
Der geniesst inzwischen den Beinamen "Dark Terminator" wegen der unbeschreiblichen Durchsetzungskraft seines Samens. Den kann man der Stute auch ins Futter geben, die werden alle auf Anhieb tragend. Das würde meiner Stutenfee sicher gefallen.

SMS an meine Stutenfee, sie möge bitte Nachricht geben bzgl Follikelreife, noch wäre ich bei Hinnemann vor Ort und könnte reichlich frischen Samen mitbringen, ganz egal ob Adorator, Arango, Dark Sensation oder Elton John. Wenn Bunny rief würde man ihr dort jeden Hengst sofort absamen.
Es geht doch nichts über ein wunderbares entgegenkommendes Team!
Die Antwort meiner Stutenfee erfolgte prompt. Versehen mit dem dezenten Hinweis, wir würden erst heute morgen, am Sonntag, wieder untersuchen, das wüsste ich doch?
Ach ja.
Leichtes Grollen in meiner Brust, sie hatte ja recht.

Unverrichteter Dinge fuhr ich gestern nach Hause und hoffte auf eine sinnvolle Eingebung heute nacht im Schlaf.

Früh heute morgen schellte mein Telefon und holte mich aus dem Schlaf.
Stutenfee Ingrid und der Cheftierarzt persönlich, Dr. Uwe Pape.
Auf die Herrschaften ist Verlass, das muss man sagen. Wenn Follikelreife droht, stehen sie auch am Sonntagmorgen noch vor Tagesanbruch parat...
Wer es denn nun sein sollte, bitte, wir bräuchten heute noch Samen?
Mit lauter Betonung auf "heute" und nicht erst morgen früh...

Ach du Scheisse ...
Da lag ich nun in meinem Bett und hatte offensichtlich gut geschlafen, nur die ersehnte Eingebung war ausgeblieben.
Ich konnte Stutenfee Ingrid durchs Telefon biestig grinsen hören. Lautes Lachen, sie lachte mich doch tatsächlich aus!
Tiefes Grollen in meiner Brust und Ingrid hatte ihren Spass an meiner Ratlosigkeit.
Um überhaupt mal etwas professionelle Sachlichkeit vorzutäuschen und Zeit zu gewinnen fragte ich, wieviele Follikel es denn nun seien?
Einer oder zwei?
Guck an, die Idealkonstellation hatte sich hervorgetan:
ein einziger satter reifer Follikel, der nur darauf wartete, endlich besamt zu werden!
Immerhin.
Das war doch mal schön.

Dumm nur, dass mich auch das nicht weiter brachte.
Noch immer giggelnd und lachend prustete Ingrid ins Telefon:
"... und ich soll dir von Uwe sagen, er habe frischen Libertad im Auto!"
Den sichtbar amüsierten Chef Uwe konnte ich im Hintergrund ebenso lachen hören.
Die beiden hatte hörbar Spass an meiner Ratlosigkeit und weideten sich sichtlich daran.

Libertad?
Hmm.
"Ist der denn gross genug?"
Ingrid lachte laut auf und meinte:
"Ich geb dir mal den Chef!"
Der nahm den Hörer zur Hand und fragte frech:
"Ja was denn nun? Kannste dich nicht entscheiden?" (ausserordentlich freches Lachen!)
Lump!
Ich fragte (noch hörbar verschlafen) "Uwe, wie gross ist der denn?"
Antwort: "Der ist gross...!"
boah...
Frech!
Ich sag "Uwe, ich mag ja blond sein, aber blöd bin ich nicht. Kannst du das vielleicht mal konkretisieren?"
Er lacht ins Telefon und meint: "Einssiebzig sicher."
Aha.
"Und ist der reinerbig?" (ich konnte es selber nicht fassen, mich diese Frage stellen zu hören.)
Er offensichtlich auch nicht. (Zeit gewinnen! Bloss Zeit gewinnen!)
Schallendes Lachen dröhnte an mein Ohr und der weise Stutendoktor sprach:
"Dir muss ich das mit der Reinerbigkeit doch nicht erklären, oder? Der Hengst hat einen Fuchs-Muttervater, natürlich trägt der ein Fuchsgen!" (ach ja...)
"Du hast 50:50 Chance auf ein dunkles Fohlen."
Und er konnte sich nicht mehr beruhigen und lachte und lachte.
Im Hintergrund giggelte noch immer Stutenfee Ingrid, das war nicht zu überhören.
Die beiden amüsierten sich köstlich.
Meine Stimmung sank erheblich, dazu ein tiefes verärgertes Grollen in meiner Brust.

Die beiden machten sich über mich lustig und ich kochte noch immer verschlafen in schwerwiegender Entscheidung!
Einfach frech!
Immerhin, einen Köcher hatte ich noch im Korb.
Ich sag, " Uwe, wenn der Chef persönlich besamt gibt es freie Decktaxe wenn die Stute nicht aufnimmt, nicht?"
Hah!
Das sass.
Uwe schwieg.
Dann hörte ich es grollen.
Diesmal aus seiner Brust!
Der hühnenhafte Kerl zierte sich wie ein Mädchen und meint:
"Die machen wir schon tragend, hab mal keine Sorge!"
Schwaches Argument.
Ganz schwach.
Und ganz gewiss kein monetäres.
Und monetär kann ich gut!
Selbst am Sonntagmorgen im Halbschlaf.
Ich sag, "Uwe, was kostet der denn überhaupt? Decktaxensplitting und so?"
Uwe war überfragt. Da müsse er doch mal gucken gehen, das wisse er nicht.
Ich sag, "dann tu das mal!"
Zeit gewinnen.
Zeit gewinnen.
Zeit gewinnen.
Schweigen am Telefon, der Chef rennt zum Auto.
Stutenfee Ingrid kann ich immer noch im Hintergrund giggeln hören.
Der Chef kommt zurück.
"800!"
Aha.
Und kein Splitting?
Nein, kein Splitting.
Es grollt.
Uwe lacht.
Und ich höre mich sagen:
"Uwe, mach' rein. Und sieh bloss zu, dass es auch funzt!"
...

Schallendes Lachen am anderen Ende, Stutenfee Ingrid kann sich gar nicht mehr einkriegen und der Chef ist völlig von der Rolle.
Ich auch.
Bunny ist besamt.
Von Libertad.
Ich fass es nicht.


(... und ich schreibe das hier in aller Aussführlichkeit weil ich weiss, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, da muss ich mich erklären für eine Anpaarung, die buchstäblich vom Himmel gefallen ist. Da ist es immer hilfreich, ein kopierfähiges copy-paste Dokument zur Hand zu haben...)

Und ich kann es noch immer nicht fassen.
Wehe dem Chef, wenn die Stute nicht aufnimmt!


4.6.2016

Als ich meine Geschichte vom Favouritensterben und dem ganz persönlichen Züchterwahnsinn schrieb, hatte ich noch keine Ahnung, dass dies erst der Anfang eines unterhaltsamen Dramas in mehreren Akten sein sollte.

Nachdem Bunny zuerst gar nicht rossen wollte, dann plötzlich gleich zwei satte Follikel vor sich herschob und schliesslich auch die Hengstwahl zu einem echten Kuriosum geraten war, machte es mich nicht wirklich mehr wundern, dass auch bei der erhofften Trächtigkeit nicht mit einem normalen Verlauf der Dinge zu rechnen war.
Als das Telefon schellte und ich sah, dass es Stutenfee Ingrid war die anrief, war klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Wäre Bunny unkompliziert und sicher tragend gewesen, hätte Ingrid eine SMS geschickt. Wenn sie mich aber tagsüber im Büro anrief, war eindeutig etwas im Busch.

So war es auch.
Die gute Nachricht war:
Bunny ist tragend.
Die schlechte Nachricht war:
Sie trägt Zwillinge.

Das drohte nun ein echtes Drama zu werden und ich konnte es nicht fassen. Und doch war damit zu rechnen gewesen. Wenn über mehrere Tage zwei gute Follikel um die Vorherrschaft konkurrieren und am Ende nur noch einer vorhanden zu sein scheint, heisst das nunmal nicht, dass der zweite Follikel sich einfach in Luft aufgelöst hat. Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass bei einer guten Rosse der zweite Follikel ebenso kurz vorher ausgelaufen und noch immer aufnahmebereit sein Unwesen in der Stute trieb. Sechs bis acht Stunden nach dem Auslaufen war so ein Follikel noch immer funktionaler als jede ebenso ausgelaufene Flasche Wein...    
Warum hatten wir das bloss nicht bedacht und vorsichtshalber bereits am zwölften Tag geschallt?
Im frühen Stadium von zwölf Tagen lässt sich einer von zwei Embryonen noch relativ gefahrlos abdrücken. Relativ. Wenn sie denn weit genug auseinander liegen.
Needless to say:
sie lagen nicht weit genug auseinander.

Geradezu kaltschnäutzig professionell wäre es gewesen, bei einer zu vermutenden Zwillingsträchtigkeit Bunny bereits am achten Tag zum professionellen Spezialisten meines Vertrauens zu fahren und Embryonen spülen zu lassen. In der Hoffnung auf zwei gesunde Embryonen.
Diese superschlaue Eingebung ist mir aber auch erst ein paar Tage später gekommen, nachdem ich bereits ein ausgiebiges Auf und Ab von Hoffnung und Sorgen durchschritten hatte. Schlauer ist man immer erst hinterher.
Superschlau sowieso.

Da sass ich nun und war ratlos.
Geradezu kurios liess es sich dann weiter an, als Ingrid grinsend erzählte, welchen Rat ihr unsere engagierte Tierärztin nun mit auf den Weg gegeben habe:
Von abspritzen beider Embryonen wollte sie ebensowenig reden wie Stutenfee Ingrid und ich. Jeder befruchtete Follikel ist ein kostbares Gut, das es zu bewahren gilt, darin waren wir uns alle einig. Sie würde uns daher Tina Hinnemann zur weiteren Beratung und Behandlung empfehlen ...
Ich musste laut lachen und war spontan wieder guter Dinge.
Es spricht für Tina und ihren guten Ruf, wenn sie bereits von fremden Kollegen für alle Arten equiner gynäkologischer Spezialitäten empfohlen wird.
Und es spricht für unsere engagierte Tierärztin, wenn sie von sich aus die Konkurrenz empfiehlt und nicht etwa in erster Linie rechnungsschreibend auf das eigene Buch auch die anspruchsvolleren Dinge für sich reklamiert.
Hut ab vor soviel Rückgrat!  

Ich wusste was ich an Tina hatte, seit sie mich im letzten Jahr mit Fabrice während des aufwändigen Embryonentransfers durch das gesamte Frühjahr begleitet hatte. Ich habe in dieser Zeit ein Menge von Tina gelernt und hege allergrössten Respekt vor ihrer Erfahrung in Sachen equiner Gynäkologie. Ihre Zeit als Tierärztin bei Paul Schockemöhle auf der Lewitz hat ihr Einsichten und Erfahrungen beschert, die in Deutschland nirgendwo sonst in so hoher Dichte und Häufigkeit zu erwerben sind. Dafür muss man dann heute noch immer nach Holland gehen. Nicht ohne Grund waren auch die Embryonen von Fabrice und Bunny im letzten Jahr allesamt in Holland in die Empfängerstuten gewandert ... Embryonentransfer ist eine Wissenschaft für sich und mein Vertrauen in Tina's Urteil und Fähigkeiten ist seither ziemlich grenzenlos.

Zuversichtlich stand ich daher am nächsten Morgen um sechs Uhr auf und fuhr ein weiteres Mal mit Bunny die hundert Kilometer zum Krüsterhof. Da traf es sich gut, dass es sich zufällig um einen berufstätigenfreien Samstag handelte. Weil ich ja ohnehin nicht schon genug unterwegs war. Allerdings wäre ich am Samstag sowieso zum reiten zu Hinnemann gefahren und hätte auch Deauville besucht, da konnte ich Bunny also gleich mitnehmen. Und ich fragte mich die ganze Zeit unterwegs, ob unsere Tierärztin wohl wusste, dass der Krüsterhof zwei Jahre lang auch Bunny's Heimat gewesen war? Es machte mich noch immer schmunzeln, dass sie aus allen verfügbaren equinen Gynäkologen in diesem Lande ausgerechnet Tina empfohlen hatte...

Auf dem Krüsterhof angekommen erwartete Tina uns bereits lachend und Bunny stand zügig im Untersuchungsstand. Die verdiente Schelte, eine potentielle Zwillingsträchtigkeit erst so spät zu schallen, nahm ich gern hin. Sie hatte ja recht. Und ich lernte wieder dazu.
Abdrücken kam selbst am 18. Tag ohnehin nicht mehr in Frage, ganz egal wie dicht oder weit die Embryonen auseinanderliegen. Das Risiko, zu diesem Zeitpunkt den zweiten Embryo erheblich zu gefährden, ist viel zu gross. Die Frage war, ob die Embryonen bereits in unterschiedlicher Grösse zueinander auszumachen waren.
Ist das der Fall, liegt die Wahrscheinlichkeit nah, dass der kleinere von beiden bereits auf dem Weg ist, sich von allein zurück zu bilden.
Bei gleich grossen Embryonen zu diesem Zeitpunkt jedoch besteht noch immer die Möglichkeit, einen von beiden abzusaugen. Das Verfahren ist relativ aufwändig und - man ahnt es - in Deutschland nicht wirklich weit verbreitet. In dem Fall müsste ich dann wieder nach Holland fahren zu der uns inzwischen so gut bekannten Embryonenfarm ... und natürlich gibt es auch hierfür ein eng gestecktes Zeitfenster, das liegt bei 30 Tagen.

So weit war Tina mit ihren Erklärungen gekommen, als das Ultraschallbild auch schon ein aufschlussreiches Bild zeigte, das selbst mir als Laien verständlich war.
Ein grosser dunkler Fleck und dahinter quasi als Rand einer Scheibe sichtbar ein weiterer dunkler Schattenriss. Der zweite Embryo dicht hinter dem ersten. Na super...
Während meine Stimmung schlagartig sank und ich bereits in Gedanken überschlug, ob die Möglichkeit eines Urlaubstages in der nächsten Woche zur Fahrt nach Holland bestand, entwickelte Tina eine rege Geschäftigkeit an ihrem Ultraschallgerät. Ihre Gesichtszüge hellten sich umgekehrt proportional zu den meinigen auf.
"Der zweite Embryo ist bereits jetzt deutlich kleiner als der erste!" tat sie kund. "Wir haben eine gute Chance, dass der kleinere sich von selber auflöst!" Um das aber wirklich sicher sagen zu können sollte ich Bunny in ein paar Tagen nochmal bringen, damit sie die relative Grössenentwicklung beider Embryonen zueinander sicher einschätzen konnte.
Sollte sich dann bei der zweiten Untersuchung herausstellen, dass auch der zweite Embryo sich noch immer relativ konstant (wenn auch kleiner) zum ersten entwickelt, bliebe noch immer Zeit innerhalb der 30-Tage Frist zum absaugen nach Holland zu fahren.

Mit verhaltener Zuversicht fuhr ich meine Bunny an diesem Tag also wieder nach Hause zurück. Berufstätigenfreundlich hatte Tina überschlagen, dass es wohl ausreichend sei, wenn ich Bunny am nächsten Samstag wieder bringen würde. Ich rechnete kurz nach und kam auf 28 Tage. Dann blieben uns noch genau zwei Tage, um sie nach Holland zu bringen und danach stand mir der Sinn überhaupt nicht.
Eine Woche Bangen und Hoffen.

11.6.2016

Mittlerweile fühlte es sich fast normal an, auch am Samstagmorgen um sechs Uhr aufzustehen...
Nur die Sache mit dem Anhänger und er langen Fahrerei war etwas lästig. Aber was tut man nicht alles als engagierter Züchter?
Stutenfee Ingrid hatte Bunny bereits wieder am Abend zuvor aus der Stutenherde gefischt und aufgestallt, so dass wir zügig verladen und losfahren konnten. 
Als ich mit Bunny bei Tina ankam erwartete sie uns diesmal bereits zu zweit. Sergio war da, Tina's Kollege aus ihrer Zeit bei Schockemöhle in Mühlen. Sergio hatte Bunny damals von Don Frederic besamt und zeichnete verantwortlich für ihre Tochter Daktari. Ich freute mich aufrichtig, ihn wieder zu sehen.
So viel equine Kompetenz hat man selten um sich herum, wenn ein Ultraschallgerät im Mittelpunkt steht und ich hatte Spass daran, den beiden beim Fachsimpeln zuzuhören. Ängstlich schielte ich um Bunny herum auf das Ultraschallgerät und erwartete nun, zwei miteinander konkurrierende schwarze Wolken zu sehen. Den darauffolgenden Sonntag hatte ich gedanklich bereits eingeplant für die unausweichliche Fahrt nach Holland.  

Geradezu beängstigend jedoch war die plötzliche Ruhe und das Schweigen, das von Tina und Sergio ausging. Die beiden fuhrwerkten am Ultraschallgerät herum und produzierten diverse für den Laien unverständliche Darstellungen in bunten Farben auf dem Bildschirm. Dann sprachen sie plötzlich beide gleichzeitig und erst nach einer Weile begriff ich, dass sie sich einig waren:
Ein einziger Embryo nur noch, und der war offensichtlich so guter Dinge, dass er Nummer zwei bereits erfolgreich und komplett aus dem Feld geschlagen hatte!

Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Beseelt und allerbester Dinge verabschiedete ich mich an diesem Tag vom Krüsterhof.  
Am Ende hatte Tina also nicht wirklich etwas zu unternehmen gehabt. Aber sie hatte Entscheidungen treffen müssen und diese in wechselseitiger Abhängigkeit von Risiko und Wahrscheinlichkeit zu stellen. Die passive Entscheidung nichts zu tun und erstmal im Rahmen der 30-Tage Frist abzuwarten, war die richtige gewesen. Wieviel Tierärzte hätten die Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Abgangs zum Zeitpunkt des ersten Ultraschalls bereits höher bemessen als das Risiko eines manuellen Eingriffs?  
Als ich meine Bunny am Nachmittag guter Dinge in ihre Stutenherde entliess war ich zu dem Schluss gekommen, dass die zwei Mal hundert Kilometer Fahrerei hin und zurück die Sache auf jeden Fall wert gewesen sind. Tina hatte uns einen Embryo unangestastet und sicher erhalten und wir konnten nun nur noch hoffen, dass Bunny den verbliebenen Embryo auch weiterhin gesund und sicher ausbrütet.

Wie immer diese Trächtigkeit nun ausgehen mag, eine erneute Besamung zu dieser Jahreszeit wäre mir ohnehin zu spät gewesen und ich hoffe nun zuversichtlich auf ein Happy End für ein beispielloses Drama aus mehreren Akten. Es wäre doch wirklich schön, wenn Bunny den Rest nun einfach ganz unspektakulär allein zu einem glücklichen Ende führt. Ein einziger gesunder Libertad nur im nächsten Frühjahr, und schwarz muss er auch gar nicht sein.


 
 




                                                    

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