Deauville * 12.4.2011
                                                                                            Zuchtstutbuch "Fannie Bell"    


                                                            

                          
                                                                                                    Donnerwetter Oldbg.*1977
                                                            Donnerhall Oldbg.*1981
                                                                                                    Ninette
Oldbg. *1976
                    Don Schufro Oldbg. *1993
                                                                                                    Pik Bube Oldbg. * 1973
                                                            Fiesta Oldbg.* 1976
                                                                                                    Fabia Oldbg.* 1974

                                                                                                    Florestan Rheinl. *86
                                                            FidermarkWestf. *92
                                                                                                    Watonga Hann. *85
                    Fannie Mae Rheinl. *03
                                                                                                    Frühlingsball Westf. *70
                                                            Feodora Rheinl. *91
                                                                                                    Rebecca Rheinl. *80
                                                                                                    Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde

 

Verbleib:
eigene Aufzucht
sportliche Förderung auf dem Krüsterhof bei Johann Hinnemann

Werdegang/Eigenleistung:
März 2014 tragend von Zhivago
Sommer 2014 dreijährig selbst angeritten
Fohlenpause 2015 Zampano
August 2016 Dressurpferde A gewonnen 8,3
Dressurpferde L platziert

Nachzucht:
2.3.2015 Hengstfohlen von Zhivago, der kleine Zampano

Mutterstamm:
Deauville ist Halbschwester zu dem gekörten Sansibar, 8-jährig mehrfach siegreich in St.Georg > 70 Prozent, aktuell in Besitz von Andreas Helgstrand, Dänemark. 
die Mutter Fannie Mae war Prämienfohlen a.d. Fohlenschau Heinsberg, Juli 2003 - Silbermedaille
SLP Telgte, 13. Juni 2006 - Platz 2/21, Wertnote 7,97
Einzelnoten: Trab 8,0  Galopp 8,5  Schritt 7,5  Rittigkeit Richter 8,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 7,5

zum Ursprung des Stutenstammes der Fannie Mae
Fannie Mae ist die fünfte von 5 Vollgeschwistern von Fidermark, die alle mit der Fohlenprämie ausgezeichnet wurden, darunter Auktionsfohlen
Vollbruder Fair Play*2002 war Rheinischer Reitpferdechampion 2005
Vollschwester Fabrice*1998 SLP Telgte Platz 1, Wertnote 8,39
Einzelnoten: Trab 8,5  Galopp 8,5  Schritt 8,0  Rittigkeit Richter 9,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 8,0
Nachzucht Fannie Mae (Hengstmutter):
Sansibar *2007 - gekörter Hengst von Sir Donnerhall (Hengsthaltung Schockemöhle, stationiert in Ndl.)
Sawadee *2008 SF von Sir Donnerhall (Oldbg. Prämienfohlen/Ndl.)
Rarität *2009 SF von Rohdiamant (eigene Aufzucht)
Rialto Venice *2010 HF von Real Diamond  (vkft. in Hengstaufzucht)


Gedanken zur Hengstwahl: warum Don Schufro?


Drei Tage vor der Zeit brachte Fannie spät am Dienstagabend ihr fünftes Fohlen zur Welt, und wie das bei Fannie so ist:
mit einem neugeborenen Fohlen an ihrer Seite lässt sie nichts und niemanden an sich heran.
Wir haben also vom Video aus zugesehen wie die offensichtlich recht wüchsige Tochter recht zügig auf den Beinen stand und sich sogleich agil auf Eutersuche machte.
Und Fannie war wahrlich mit einem Prachtexemplar von Euter gesegnet:
wie eine Milchkuh! meinte Stutenfee Ingrid, und da hatte sie wirklich recht.
Und wie das so ist, wenn das Offensichtliche mitunter vor einem liegt - man erkennt es nicht.
Deauville suchte und saugte an der ganzen Fannie, nur eben nicht an den beiden Zitzen, die wie Duplosteine aus dem Euter hervorragten.
Merke:
auf Duplosteine sind Fohlen nicht ab Werk geprägt...
Und je länger die Suche dauerte, desto unruhiger wurde Fannie.
Wenig entspannend für alle Beteiligten, weshalb wir dann irgendwann eingegriffen haben, Muttern ruhigstellten und die Tochter mit Ruhe den Weg ans Euter finden liessen.
Alles gut.

Am nächsten Morgen sah die Welt dann schon ganz anders aus!
Deauville tanzte selbstbewusst um Muttern herum und das Euter war ihr bester Freund geworden. Fannie war zufrieden, wenn auch noch etwas wuschig besorgt.
Und wenn die Milch nicht schnell genug  floss - peng!- feuerte das Dämchen wütend nach hinten aus.
Peng, peng! - wenn es auch an der anderen Zitze mal nicht so laufen wollte wie sie das nun gern gehabt hätte!
Fannie trugs mit Fassung.
Eine sanfte Berührung oder auch nur eine gewöhnliche Stubenfliege, die um das Näschen kreiste?
Peng!
Ich musste laut lachen ob dieser kleinen Wutausbrüche aus nobelstem Geblüt und schon hatte sie ihren Rufnamen weg:
"Madam Deauville" oder auch "Der kleine Zorn"... 
                                                                                                                                       

                           
    
Der erste Ausflug zur grossen Wiese gestaltete sich dann geradezu entspannt:
Fannie schob den Kopf ins Gras und ich staunte mit ihrer Tochter um die Wette...
Während Deauville die ersten Eindrücke ihrer neuen Welt wahrnahm konnte ich mir nun erstmals dieses wirklich beeindruckende Fohlen so richtig ansehen - was für ein Pferd!
Farblich, in der Zeichnung und ganz besonders auch im Habitus sehr an ihre Schwester Sawadee erinnernd, "ein Dämchen" wie Stutenfee Ingrid zu sagen pflegte, wenn auch der Diminutiv bei Deauville nicht ganz so angebracht ist - eine "Madam" Deauville trifft es da in der Tat schon eher - der etwas hochtrabende Name kleidet sie perfekt.
Madam "trabt" auch nicht, sie "tanzt". Und das Näschen trägt sie dabei ganz hoch oben.
Nun bin ich es gewohnt (man könnte auch sagen "verwöhnt"...), dass meine Fidermarktöchter mir Jahr für Jahr recht komplette Fohlen bescheren, die stets sehr fertig in Konstrukt und Partien daherkommen. Deauville macht da keine Ausnahme, auch wenn sie sich bei ihrem Wuchs und Reck noch reichlich zu strecken und entfalten hat.
Dennoch ist sie vom ersten Tag an mit einem derart bergauf ausgerichteten Konstrukt gesegnet, das ist schon verblüffend. Daher auch der Eindruck des Tanzes wenn sie trabt. Wenn hinten das kleine Katapult zündet reckt sich vorn das Näschen in die Höh' - und mit ihm das gesamte Pferdchen.
Einfach beeindruckend.

Und natürlich kam Pferdeflüsterer Tönne sogleich zu Besuch - oder soll ich sagen:
er machte der kleinen Dame seine Aufwartung?
Tönne und Deauville waren ein Bild für die Götter.
Irgendwann hatte er sie entspannt locker in den Armen und begann, ihr leise Singsang vortragend ein Halfter aufzuziehen.
Madamchen platzte vor Wut (der kleine Zorn, sagte ich das schon?).
Aber statt zu schlagen oder bocken tanzte sie in seinen Armen zornig auf der Stelle - Ich traute meinen Augen nicht:
Deauville piaffierte dass es eine Freude war - und Tönne hielt sie dabei nichteinmal fest!
Wir mussten uns sehr beherrschen um nicht laut los zu lachen - diese Darbietung wollten wir doch um nichts in der Welt stören...
Tönne nahm das Halfter dann wieder ab, das Fohlen blieb bei ihm. Bis sie dann von einem auf den anderen Moment empört davon stob.
Mit hoch erhobenem Näschen, versteht sich.
Was für eine Dame...   
 

21. August 2011

                                                         

18. September 2011

                                                                           



25. März 2012

Frühling, Sonne und die Jährlinge beim toben - aus "Madame" Deauville ist eine herzerfrischende junge Dame im Flegelalter geworden, mein "kleiner Zorn" entpuppt sich - einfach schön!

                                   


30. September 2012

     



3. Mai 2014

                      
                               Deauville bei ihrem Einzug in Münster: Ein Mordspferd ist aus Fannie's dreijähriger Tochter geworden und ich kann mich gar nicht an ihr sattsehen!

Deauville ist heute in Münster eingezogen und Silas gibt wie immer sein Bestes, dem jungen Pferdchen das neue zu Hause so willkommen und stressfrei wie möglich zu gestalten! Erstmals hat Deauville in ihrem dreijährigen Leben nun den Hof Altepost verlassen und ist natürlich sichtlich beeindruckt von allem Neuen.
Das Verladen gestaltete sich geradezu harmonisch gelassen, es geht doch einfach nichts über ein zuverlässig eingespieltes und routiniertes Team!
Mit Hilfe von Stutenfee Ingrid und Gregor stand das junge Pferdchen recht bald ruhig auf dem Hänger und bei der Ankunft in Münster stand Silas bereits zum abladen dabei. Sehr verständlich war Deauville zunächst verstört und liess sich mit sanfter Mühe vom Anhänger schieben. Unten angekommen nahm Silas sie sogleich in Empfang und dann gab es nur noch eine Richtung:
hinter dem vertrauensvollen dunkelbraunen Pferdehintern her auf die grüne Wiese!

Und es erstaunt mich immer wieder wie sehr Silas die verschiedenen Feinheiten der jungen Pferdedamen doch wahrnimmt, die ich ihm in all den Jahren nun anvertraut habe.
Bekommt er eine güste Stute an seine Seite gibt er vom Fleck weg den Clown, tanzt um sie herum und bezirzt sie herzerwärmend. Meist dauert es keine zehn Minuten bis so eine Stute dann bächerossend vor ihm steht.
Bekommt er eine tragende Stute, geht er von Anfang an ruhig und gelassen seiner Wege und ignoriert sie zunächst. So geschehen bei Bunny, als sie dreijährig hier einzog und bereits tragend war, und so war es auch heute mit Deauville. Tragende Stuten sind ganz sicher ebenso auf den neuen Partner fixiert wie jedes andere Pferd, suchen aber nicht sofort seine Nähe. Silas akzeptiert das. Und das schönste daran:
er tobt nicht einmal herum!

                                          

Weshalb die Ankunft einer aufgeregten tragenden jungen Stute sich geradezu vorbildlich gelassen gestaltet:
normalerweise jagen junge Pferde in der neuen Umgebung kopflos hin und her, tigern unruhig durch die Box und brauchen zwei, drei Tage um mental anzukommen. Pures Gift für ein tragendes Pferd und auch für jedes andere junge Pferd nicht schön. Der Grund, weshalb ich junge Pferde gar nicht erst in den Stall sondern gleich mit ihm auf die Weide bringe. Sie sollen den Stress austoben können wenn ihnen danach ist und sofort einen Sozialpartner zum mentalen andocken zur Seite haben. Aufgeregt huschen sie dann ein paar Mal auf der Wiese auf und ab, aber mit einem gelassenen Partner an der Seite sind sie ruck zuck ruhig. Und es ist ein Vergnügen zu sehen wie Silas gelassen grasend und völlig ungerührt den "ich bin gar nicht da!" Part gibt, aber dennoch immer wieder zur Seite äugt und das junge Pferd genau beobachtet. Bewusst scheint er dann langsam in eine andere Richtung zu marschieren und richtig genug:

kaum setzt er sich in Bewegung, schon marschiert die junge Stute hinterher.
Das war bei Bunny damals so und das ist bei Deauville heute ganz genau so gewesen.
Als wir die beiden dann nach zwei Stunden in den Stall geholt haben war Deauville bereits sichtbar auf Silas fixiert und genau so soll das sein. Ich hätte sie sonst wohl gar nicht halten können in ihrer verständlichen Aufregung und sie wäre auch nicht das erste junge Pferd gewesen, das ohne pferdischen Beistand den neuen Stall gar nicht betreten hätte. Mit Silas Hilfe war das alles kein Problem. Im Stall war sie dann zunächst wieder aufgeregt, aber sie steht ihm gegenüber in der Box, sieht ihn und nach einer Weile war sie auch hier merklich runtergekühlt und frass zufrieden vor sich hin.
So soll das sein!

                                                   


                                                         

31.5.2014

Aufgrund einer Weideverletzung verliefen Deauville's erste Wochen in Münster zunächst anders als gedacht. "Absolute Boxenruhe" verordnete der Tierarzt dem Pferdchen und ich war kreuzunglücklich darüber. Aber auch diese Zeit geht vorbei und mittlerweile trabt Deauville quietschfidel und aufgeweckt neben Silas als Handpferd auf unserer Rennbahn daher und hat all das nachgeholt, was ein junges Pferd üblicherweise bereits in den ersten Tagen an Silas' Seite lernt. Sie ist vollständig aufgegangen in ihrem abwechslungsreichen Umfeld hier in Münster und lernt jeden Tag dazu.                    
Heute habe ich dann auf der Stallgasse das erste Mal auf dem Pferdchen gesessen und wieder war es das schönste Erlebnis vom eigenen Fohlen bis in den Sattel dazu.
Ein winziger Schritt nur für die Menschheit, ein ganz grosser Schritt für den Züchter - Deauville wird Reitpferd!
Mein Dank gebührt Carmen Thiemann, beherzte Stallmanagerin bei Ingrid Klimke, die es sich trotz ihres zeitintensiven Berufes nicht nehmen lässt dieser Tage täglich nach nebenan zu kommen und die wertvolle Hilfe beim aufsteigen und führen zu leisten - einfach deshalb, weil ihr das Pferdchen so sehr gefällt.
Liebe Carmen, ich weiss dein Herzblut und Engagement sehr zu schätzen! Die ersten Male auf dem eigenen selbstgezogenen Pferd, das ist einfach das schönste Züchtererlebnis und man trägt dieses Highlight den ganzen Tag mit sich herum - Danke dafür!


13.7.2014

Rein sportlich stehen dieses Frühjahr und der Sommer ganz im Zeichen von Bunny und La Jeanne. Die konstanten Erfolge dieser beiden Fabricenkinder sind einfach die schönste Bestätigung für den Züchter!
Und doch ist es Deauville, die mir Tag für Tag in ihrer ebenso konstanten Entwicklung unter dem Sattel immer wieder ein ganz persönliches Highlight hier zu Hause in Münster beschert. Und das ist ganz sicher mehr als nur eine Zeile wert.

Zeit für ein Update und mein ganz persönliches Sommermärchen:

Tatsächlich ist es in diesem Jahr beim Anreiten meines selbstgezogenen jungen Pferdes der Stall Klimke mit seiner brillianten Bestückung von tatkräftigen Helfern, denen ich Deauville's Entwicklung verdanke. War es in den ersten Tagen Carmen Thiemann, die mir selbst im Sattel beim Führen an der Hand wertvolle Hilfe leistete, so war es in den Wochen darauf Sophie Leube, die Deauville zunächst an der Longe und später bei den ersten freien Ritten ein ganz grosses Stück nach vorn brachte. Sophie gebührt mein grosser Dank für ihre feinfühlige und geduldige Arbeit, die dem Pferdchen die ersten strahlenden Momente unter dem Sattel bescherte. Ende Juni hat Sophie dann unseren Stall verlassen um sich selbständig zu machen. Einer spontanen Eingebung folgend fragte ich Pia Rumpel, die derzeit ihre Ausbildung im Stall Klimke absolviert und mir vom ersten Tag an als aussergewöhnliches Satteltalent aufgefallen war, ob sie Lust habe mich in der weiteren Arbeit mit Deauville zu unterstützen. Pia ist ein Geschenk des Himmels.
Bevor sie ihre Ausbildung bei Ingrid Klimke begann, war sie bereits ein Jahr bei Peter Thomsen und Andreas Dibowski im Sattel unterwegs und bekanntlicherweise ist eine "vielseitige" Ausbildung die wertvollste Empfehlung für die Arbeit gerade mit jungen unerfahrenen Pferden. Dreifach olympisch geadelt dazu macht die Sache nicht schlechter :-)
Pia hat das Herz am rechten Fleck und verfügt über die perfekte Mischung aus engagiertem vorwärts bei dem notwendige Feingefühl für ein sensibles junges Pferd. All das verkörpert sie patent in charmanten hundertpaarundsechzig Zentimetern physischer Sattelperfektion - ich will sie nicht kleiner machen als sie ist und es mögen durchaus ein paar mehr Zentimeter sein. Es ist wie im richtigen Leben:
Wahre Grösse misst man eben nicht in Zentimetern und Pia passt perfekt auf und zu Deauville!

Deauville ist das erste meiner selbstgezogenen und selbst angerittenen Pferde, das den konventionellen Weg des Anreitens mittels Longe in der Halle beschreitet. Wenn ich sie auch regelmässig als Handpferd neben Silas im Gelände und auf der Rennbahn dabei habe und sie sich dabei mittlerweile als das unkomplizierteste aller meiner jungen Handpferde überhaupt entpuppt, war diese Entwicklung so ganz sicher zunächst nicht absehbar. Ich habe schnell verstanden wieso meine Stutenfee Ingrid durchaus dankbar war, Deauville aus dem Stall zu haben. Ähnlich wie ihre Schwester Luzifee schien sie in der Herde und im Laufstall dominant und legte mitunter ein Verhalten an den Tag, das - ähnlich wie bei der kleinen Luzifee - in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer Grösse stand. Schnell schliesst man daraus auf einen dominanten Charakter im Umgang und ein ähnlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Unterstützt wurden diese Eindrücke durch die Erfahrungen der ersten Tage, als eine wuschige Deauville mich schlicht von den Füssen zog, wenn ich sie nur mit Silas auf die Weide oder zurück in den Stall führen wollte. An Aufhalftern, putzen oder gar Hufe geben im Stall war gar nicht zu denken, das erste Anbinden auf der Stallgasse endete in kopflosem losreissen und davonstürmen (in weiser Voraussicht hatte ich die Stalltüren zuvor geschlossen, so dass das Pferdchen seinen Weg zurück in die Box recht unspektakulär und allein fand). Weshalb ich mir sicher war:
Da sitzen wir frühestens im Herbst darauf .... und das Herz war mir schwer.
Ich wollte das Beste daraus machen und gab ihr alle Zeit der Welt, wir hatten ja den ganzen Sommer Zeit.

Die Zwangspause aufgrund der Weideverletzung am dritten Tag war daher nicht eben dazu angetan, meine Zuversicht zu steigern. Und doch waren diese zwei Wochen Zwangspause rückblickend wohl das Beste, was uns beiden passieren konnte. Schlauer ist man eben immer erst hinterher.
Jeden Tag habe ich sehr viel Zeit in ihrer Box verbracht und mich in Ruhe mit ihr beschäftigt. Schnell hatte ich ihre Lieblingsstellen zum krabbeln und kratzen  herausgefunden und das liess sie sich dankbar gefallen und brachte ihr Vergnügen darüber sehr deutlich zum Ausdruck. Vergnügen!
Das Pferdchen verzog die Nase zu einem Rüsselchen und konnte gar nicht genug bekommen von dem festen Striegel an der Schulter. Wer hätte das gedacht?
Und so haben wir krabbelnd und putzend zueinandergefunden und es dauerte keine zwei Tage und Deauville stand freudig wiehernd in der Box wenn sie mich nur sah. Völlig ohne Zeitdruck (und das dürfte das Schlüsselwort in unserer Selbstfindung gewesen sein) habe ich spielerisch Tag für Tag mehr mit ihr unternommen und man staunt was man mit einem jungen Pferd in der Box so alles anfangen kann! Halfter, Hufe geben und putzen waren nach kurzer Zeit ein gelassenes Selbstverständnis, so dass ich Sattel und Trense dazu nahm und gleichermassen freudig und erstaunt erleben konnte, wie selbstverständlich Deauville auch diese Dinge annahm. Angebunden habe ich sie dabei nie. Und das dürfte das zweite wesentliche Schlüsselwort in unserer Selbstfindung gewesen sein:
Vertrauen.
Ganz selbstverständlich liess Deauville einfach alles mit sich machen und stand dabei stets entspannt frei in ihrer Box.
Pferde sind scheu.
Willst du sie halten musst du sie gehen lassen.
Oder ihnen zumindest das Gefühl geben, jederzeit gehen zu können.
Pferde sind nunmal Fluchttiere. Druck erzeugt Angst und zwangsläufig immer Gegendruck.
In unseren zwei Wochen Boxendasein habe ich eine Menge gelernt über spezifische Charaktereigenschaften junger Pferde und wie schnell man als Mensch dazu neigt, sie doch völlig falsch einzuschätzen. Ein wuschiges unnahbares junges Pferd muss weder dominant noch selbstbewusst und schon gar nicht unhandelbar sein.
Im Gegenteil.
Aber schon die gern genommene Bezeichnung im Fohlenalter spricht Bände von der völligen Fehleinschätzung dieses Pferdes meinerseits:
"Madame" Deauville oder "der kleine Zorn"?
Dieses Pferd ist weder divenhaft noch renitent und es wird mich lehren, meine Fohlen künftig aufgrund spontaner Reaktionen zu charakterisieren.
 
Deauville ist hoch sensibel und eher ängstlich, zusammen mit dem natürlich gegebenen Fluchtinstinkt wird daraus dann schnell ein Pferd "auf der Flucht". Sie schien daher als Jungpferd stets unnahbar und distanziert und im Zweifel wüst, wenn sie unkontrolliert davonstob. Der Grund, weshalb ich sie im Vergleich zu all meinen anderen Jungpferden auf dem Hof Altepost in den ersten drei Jahren wenig bis gar nicht in der Hand hatte, was ihr unnahbares Dasein entsprechend kontraproduktiv unterstützt hat. Tatsächlich ist sie das komplette Gegenteil der Einschätzung, die wir als Jungpferd und in der Herde von ihr gewonnen hatten. Eine späte Einsicht, der man allerdings rückblickend auch wenig Gelgenheit hatte, in der Jungpferdeherde oder im Laufstall Abhilfe zu verschaffen. Zwei Wochen Stallzeit jedoch und erstmals stundenlanger individueller Umgang mit einer Bezugsperson haben das Pferdchen komplett auf den Kopf gestellt und verwandelt. Deauville ist nicht wiederzuerkennen.
Keines meiner Jungpferde zuvor war derart personenbezogen und auf mich fixiert wie Deauville das heute ist.
Ein Umstand, den zunächst Sophie und heute auch Pia noch immer wieder erfährt und mit einem verständisvollen Lächeln quittiert. Steh ich in der Mitte der Halle und sprech sie in einem bestimmten Ton an oder bewege mich von ihr weg, passiert es heute noch, dass sie mit ihrem Reiter im Sattel vom Hufschlag abweicht und zu mir in die Mitte kommt. Es reicht dann eine eindeutige Geste mit dem Arm oder ein klares Wort in auffordernder Tonlage, und sie zieht anstandslos weiter ihres Weges, brav auf ihren Reiter konzentriert.

Bis dahin jedoch war es durchaus ein langer Weg.
Schlau geworden durch unsere gemeinsamen Erfahrungen in der Box habe ich Deauville die ersten Wochen daher auch ausschliesslich in der Box gesattelt und nehme mir auch heute noch sehr viel Zeit dafür. Hektik ist ein No-Go im Umgang mit dem sensiblen Pferdchen, das jede Unruhe und Abweichung vom gewohnten Ablauf mit Unsicherheit und sichtbarer Unruhe quittiert. Ein Umstand, der bei manch einem Stallkollegen mitunter Stirnrunzel und erhobene Augenbrauen hervorruft. "Das sollte sie doch inzwischen gelernt haben?"
Ich habe meine Lektionen gelernt und quittiere diese Reaktionen ebenso wie Deauville's Verhalten:
Gelassen und mit einer freundlichen Erklärung zur Hand.
Geduld.
Mittlerweile steht Deauville auch entspannt auf dem Putzplatz zum Satteln. Und doch lasse ich sie immer wieder frei am Strick stehen, um kritische Situationen beim Satteln, Angurten, Auftrensen oder Abwaschen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zieht sie dann rückwärts gibt es keinen Druck und sie bleibt sofort stehen.
Vertrauen.
Das offensichtliche Lernverhalten dieses Pferdchens lehrt und rührt mich gleichermassen und ich hätte nie gedacht, dass diese unnahbare kleine Stute, die alles andere als unnahbar ist, mir einmal derart ans Herz wachsen würde, einfach weil wir uns gegenseitig Vertrauen lehren.
Man lernt eben nie aus.

Heute bin ich überzeugt davon, dass Deauville ihren Weg niemals gegangen wäre, wäre sie zum konventionellen Anreiten in einen professionellen Ausbildungsstall gegangen. Sie wäre eines dieser Pferd geworden, die man nach einigen Wochen mit dem Label verrückt und "unreitbar" zurückbekommt und ich hätte es ganz sicher selber auch geglaubt.

Heute sitzt Pia nach kurzem Ablongieren im Sattel und dreht ihre Runden aussen rum und Deauville lernt von Mal zu Mal in grossen, greifbaren Schritten dazu.
Dabei hat sie uns anfangs gelehrt, dass weniger oft mehr ist.
Das erste Mal eine Gerte in der Hand machte sie völlig kopflos. Nicht, dass sie je Schläge bekommen hätte, aber der Blick aus dem Augenwinkel auf ein wippendes Stöckchen in der Reiterhand (und sei es noch so kurz) machte ihr Angst. Also drei Schritt zurück im Ausbildungsplan und ganz von vorn anfangen.
Zum Handwechsel und dem nötigen Gerte umfassen stand ich dann stets bei ihr und habe sie ruhig wieder neu angeführt. Gerte "umfassen" war eine sehr notwendige Übung, der wir viel Zeit gewidmet haben. Allein das Geräusch der aussen an der Bande kratzenden Gerte hat sie das erste Mal völlig aus der Bahn geworfen.
Das erste Mal mit dem Huf versehentlich beim Traben gegen die Bande schlagen erschreckte sie nicht weniger, ebenso wie das erste Stolpern unter dem Sattel sie sichtbar aus der Bahn warf und vor sich selber flüchten liess Und jedes Mal war ich dankbar, dass Sophie und Pia diese Situationen stets mit einem Lächeln einfach ausgesessen und dem Pferd das nötige Vertrauen gegeben haben.
Als ich das erste Mal unbedacht meine gewohnte Position auf der Mittellinie verliess, um hinter ihr auf dem Hufschlag abzumisten, geriet sie völlig aus dem Häusschen. Konstanter Sichtkontankt zur Bezugsperson in der Bahnmitte war das absolute Muss. 
Deauville hat uns auf ihre Art eine Menge sensibles Jungpferdeverständnis gelehrt und unser "angemessens" Verhalten im Gegenzug stets mit einem sofortigen Erfolgserlebnis belohnt.

Mittlerweile fordert Pia ihr im Sattel sehr konsequent Bahndisziplin ab. Handwechsel im Trabe über die Diagonale und Zirkel funktionieren fliessend und besser, als ich es je bei einem jungen Pferd in diesem frühen Stadium beobachtet oder selber umgesetzt habe. Es hilft allerdings, wenn ich selber dabei dann in und nicht ausserhalb des Zirkels stehe. Anders als andere Pferde, die zur geschlossenen Zirkelseite nach aussen ausweichen, trabt Deauville dann durchaus schonmal zu mir. Was Pia und mich dann jedes Mal herzlich schmunzeln lässt. Eine deutliche Geste mit dem Arm genügt und sie folgt Pia's Hilfen zurück auf den rechten Weg.
Galopp aussen rum beinhaltet Ecken und das muss auch Deauville akzeptieren lernen. Und ich war durchaus verblüfft als Pia darum bat, ich möge doch die wassertonnenblauen (!) Cavalettiträger vor dem Hufschlag in die Ecken stellen, damit sie diese wie Kegel aussen zu umreiten habe und Deauville lernt, durch die Ecken zu laufen. Ich war mir sicher, dass das Pferdchen zunächst schon allein angesichts der wassertonnenblauen Klötze in Aufruhr geriete... Das Gegenteil war der Fall. Neugierig sah sie zu, wie ich mit den blauen Klötzen in die Bahn kam und liess sich nichts von dem entgehen, was ich da trieb. Dabei schritt sie brav und entspannt weiterhin unter Pia daher, verrenkte allerdings ihr Köpfchen stets in meine Richtung. Ebenso neugierig und sehr aufgeschlossen sah sie sich die Klötze dann aus der Nähe an und blieb völlig ruhig dabei. Engagiert ritt Pia los, erst im Trabe und dann - ich konnte es nicht glauben - auch im Galopp. Auf Anhieb akzeptierte das Pferdchen die Klötze in den Ecken und trabte und galoppierte sicher durch die Ecken als habe sie nie etweas anderes getan. Unglaublich!
"Ecken ausreiten" ist für jedes konventionell angerittene junge Pferde ein echter Anspruch aus Gründen der Balance und des noch sehr rohen Gerittensens. An den Hilfen stehen erfordert Erfahrung und Konsequenz. Einen Mangel an Konsequenz und nachhaltigem Umsetzen dessen, was sie gelernt hat, kann man Deauville ganz sicher nicht attestieren...
Seit diesem Tag marschiert sie in allen drei Gangarten durch die Ecken wie ein Uhrwerk und Pia strahlt!

Auf Pia's Wunsch sind wir dann gestern umgezogen aus der kleinen 40-er Halle in die grosse 60-er Halle mit Spiegeln und anspruchsvollerer Kulisse.
Nach kurzem Reiten an der Longe ritt Pia sie zügig aussenrum und Deauville trabte kugelrund und unbeeindruckt unter ihr daher. Ein Traum allein beim Zusehen weil dieses Pferdchen unter dem Sattel in seiner abgedrehten agilen Kompaktheit mich immer wieder so sehr an einen Fidermark erinnert - die helle Freude!
Schnell haben wir begriffen, dass die grosse Halle mit ihren zwanzig Metern mehr an Platz dem Pferdchen unter dem Sattel vieles einfacher macht. Sie zieht sich von selbst flüssig "gerade", Balance ist auf sechzig Metern sehr viel einfacher zu finden und halten. Der Grund, weshalb ich junge Pferde eben am liebsten draussen unter freiem Himmel auf der Rennbahn reite und diesen Tag kann ich kaum erwarten... 
Pia trabte und galoppierte Deauville engagiert und entspannt durch die Halle und konstatierte spontan und nicht zum ersten Mal:
"Je mehr die lernt, desto selbstbewusster wird sie!"
Recht hat sie und man sieht es ihr an.
Den Wandel vom ängstlichen Sensibelchen hin zu einem selbstbewussten Pferd habe ich nie bewusster wahrgenommen als in diesen Wochen an Deauville und es ist die schönste Erkenntnis dieses Sommers! Acht Wochen hat diese Entwicklung gedauert und diese Zeit war es wert. Ein Pferd, von dem ich selber noch im Mai dachte, "da sitzen wir frühestens im Herbst überhaupt mal drauf...", und heute präsentiert es sich souverän und als echte Augenweide unter dem Sattel ...
Man lernt eben nie aus.

Zum Abschluss bat Pia darum, zum Schrittreiten nach draussen auf den Dressurplatz zu gehen. Es werde langsam Zeit, dass das junge Pferd auch unterm Sattel etwas anderes sieht. Ein Wunsch, der bei mir natürlich auf offene Ohren stiess (Buschreiter im Herzen sind Pia und ich sehr ähnlich gestrickt...) und Seite an Seite marschierten wir los, meine Hand immer auf Deauville's Mähnenkamm (die Stelle, die wir schon früh als bevorzugte Krabbelstelle identifiziert hatten).
"Solange du dabei bist, geht die sowieso überall hin!", meinte Pia lachend und natürlich hat mich das gefreut. Tatsächlich ist es aber auch ganz genau so.
Deauville hat mich als "Führpferd" vollständig akzeptiert und so schmeichelhaft das sein mag, so verantwortungsvoll ist es auch. Selbstdisziplin bestehend aus eindeutiger und gewohnter Gestik, eindeutigem Tonfall und Positionierung im Sichtfeld des jungen Pferdes sind ganz sicher wesentlicher Bestandteil unseres gemeinsamen Erfolgskonzeptes und ich bin nach jeder Trainigseinheit nicht weniger verschwitzt als die beiden Protagonisten im Sattel und darunter. "Führpferd geben" fordert zu jedem Zeitpunkt volle Konzentration, gerade bei einem Sensibelchen, das jedes Abweichen von der Norm mit Unsicherheit quittiert.
Auf dem Dressurplatz marschierten die beiden auf Anhieb gelassen aussen rum und die bunten Cavalettis Klimkescher Eigenmarke, die überall herumstanden, inspirierten uns. Unter Deauville's erneut aufmerksamer Beobachtung legte ich in Ruhe eines der bunten Cavaltteis auf die Diagonale. Pia wendete ab und gemeinsam marschierten wir gelassen über das bunte Cavaletti hin und her. Kein grosses Ding für ein Pferd, sicher nicht. Aber eine rundum schöne Bestätigung dafür, wie vertrauensvoll man ein junges Pferd an alles Neue heranführen kann, wenn man ihm nur die nötige Zeit zur Selbstfindung gibt.
Vertrauen eben.

Und wie immer es nun weitergeht mit Deauville und Pia im Sattel, der Sommer ist noch lang bevor das junge Pferdchen zurückkehrt in die Stutenherde auf den Hof Altepost. Aber schon jetzt wird die Geschichte von Deauville in diesem Sommer für mich stets etwas ganz besonderes sein. Eine Geschichte von Extremen, die beginnt mit der völligen Fehleinschätzung eines sensiblen jungen Pferdes und mit dem grossen Glauben an eben dieses Pferd jeden Tag mit den schönsten grossen kleinen Erfolgserlebnissen endet.

Danke, Pia, für mein ganz persönliches Sommermärchen 2014!



18.7.2014

Freispringen einmal anders - und absolut sehenswert!
... und natürlich gibt es auch eine Geschichte dazu.... (nach unten scrollen)          

Ob Deauville denn wohl auch springen kann und ob wir sie nichtmal freispringen lassen wollten, fragte Pia dieser Tage und natürlich traf sie mit dieser Idee sogleich auf offene Ohren bei mir.
Am Samstag war es soweit.
Ein paar fleissige Helfer, darunter Pia's charmanter Freund, und los ging's.
Ich kam mit dem Pferdchen in die Halle und wir waren darauf eingestellt, dass unser Sensibelchen zunächst grosse Kulleraugen bekommen würde ob der ungewohnten Freispringreihe.
Das Gegenteil war der Fall.
Geradezu neugierig marschierte Deauville geradewegs auf die Sprünge zu und setzte sich aufgeschlossen mit allem auseinander, was da stand und sass.
Das waren u.a. Pia und ihr charmanter Freund Jan und letzteren schien sie sogleich in ihr Herz geschlossen zu haben. Sie liess gar nicht wieder von ihm ab. (Nachdem ich dann selber auch einmal einen Blick auf unseren netten Helfer werfen konnte, hatte ich vollstes Verständnis für mein junges Pferd. Geschmack hat sie! In der Tat waren Pia und ich ein kleines bisschen eifersüchtig auf das Pferdchen, das so völlig unbelastet und geradezu fasziniert an dem jungen Mann knabberte und klebte... )
Nun sollte sie aber nicht flirten sondern springen und während wir uns noch überlegten, wie wir das Pferdchen nun am besten sinnvoll auf den Weg bringen könnten, ergab die Sache sich ganz von selbst.
Deauville war von Jan gar nicht mehr zu trennen, da konnten wir machen was wir wollten, sie folgte ihm auf Schritt und Tritt.
Weshalb wir den Bub spontan baten, doch mal im "Trabe" vorweg durch die Reihe zu laufen.
Was dann passierte hat uns allesamt sprachlos gemacht.
Deauville trabte und sprang hinter Jan her durch die Reihe, als habe sie nie etwas anderes getan. Völlig unbeeindruckt sprang sie ihre ersten kleinen Hindernisse, stets darauf bedacht immer schön bei ihrem zweibeinigen Führpferd zu bleiben!
Wir standen in der Mitte und gaben Jan Regieanweisungen, er möge doch bitte tiefer durch die Ecken und dichter an der Bande "traben", damit das junge Pferd mehr Platz und vor allem bessere Übersicht auf die Sprünge bekäme... und überhaupt möge er doch bitte etwas mehr vorwärts traben, das Tempo sei zu untertourig...
Und Jan trabte!
Und wie er trabte und sprang!
Und Deauville immer hinterher, Runde um Runde...
Ein Bild für die Götter!
... und ganz sicher die schönste und bemerkenswerteste Freispringerfahrung, die ich je in meinem Leben gemacht habe....
Man lernt eben nie aus.

Danke, Jan!
Das war ein Debut, wie kein Drehbuch es besser schreiben könnte.
Ob dies nun eines dieser Videos von hunderttausend Klicks in 24 Stunden wird, lassen wir mal dahingestellt. Teilenswert ist es allemal. Und verdient haben die Darsteller es ganz sicher!


1.8.2014

Von kalten Nudeln, umgekrempelten Persönlichkeiten und Jahrhundertregen...

Nachdem Deauville uns bereits anlässlich ihres einzigartigen Freispringbenehmens eindrücklich klar gemacht hatte, dass auch Pferde eine vielschichtige Persönlichkeit besitzen und neben dem schüchternen Sensibelchen auch ein bemerkenswert eigenwilliges Pferd von ausgesprochener Selbstdarstellung in ein und der selben Seele Platz findet, kramte sie den wohlgehüteten Eigenwillen beim nächsten Mal auch unter dem Sattel raus.
Zuckersüss und völlig unbeeindruckt trabte sie beim nächsten Reiten an der Longe wie üblich daher und konnte kein Wässerchen trüben. Wie immer eigentlich, weshalb wir die anfänglichen Longenrunden bereits auf einige wenige handgezählte Runden beschränkt hatten und nun eigentlich gänzlich davon abkommen wollten.
Das Pferdchen funktionierte wie ein Uhrwerk, weshalb also überhaupt noch longieren?
Doch meistens kommt es anders als man denkt und ein junges Pferd ist eben ein junges Pferd.
Pia sass entspannt im Sattel, bereit anzutraben. Deauville jedoch entschied spontan: "Ohne mich!" Sie klemmte, nahm das kleine Köpfchen zwischen die Beine und gab uns eine Vorstellung der ganz anderen Art. Starrsinn pur und das Pferdchen bockte, und wie es bockte!
Mir rutschte das Herz in die Hose, ich hatte Angst um Pia und stand fassungslos und völlig hilflos daneben, zum blossen zusehen verdammt. Pia jedoch sass lässig im Sattel und stahl jedem Cowboy die Show. Show war das Stichwort für Deauville: je beherzter Pia dransass, desto bockiger wurde das Pferdchen.
Ich wollte vor Scham im Boden versinken und konnte nicht glauben, dass dies nun unser viel gelobter Sonnenschein auf der Überholspur war!
Ein paar Mal zu viel gelobt, ganz offensichtlich, denn hier testete der kleine Eigensinn die Grenzen des Möglichen aus.
Ich hätte vollstes Verständnis für Pia gehabt, ware sie nun besorgt vom Pferd gestiegen und hätte aufgegeben. Doch wieder einmal hatte ich die Rechnung ohne Pia gemacht, die mittlerweile ein Stöckchen in der Hand hatte und dem kleinen Eigensinn beherzt auf den Hintern klopfte.
Das Ganze während einer schaureifen Rodeoeinlage, die jedem Cowboy zur Ehre gereicht hätte.
Und sie grinste amüsiert dabei und ich konnte es nicht fassen.
Ein Wechselbad der Gefühle, wahrlich, ich wollte mich in Grund und Boden schämen für diesen kleinen Rotzlöffel unter dem Sattel, gleichzeitig gewann die Hochachtung vor der beherzten Person im Sattel rasant an Überhand - was für ein Reitermädel!
Keine Frage, diese Bockerei hätte ich selber nie und nimmer ausgesessen, noch viel weniger hätte ich den Mut zum beherzten Eingreifen gehabt.
In der Tat, es dauerte nicht lange und Pia hatte den kleinen Eigensinn davon überzeugt, wer hier der Herr im Ring war. Deauville besann sich zügig eines Besseren, trabte ihre Runden mit einer etwas verzogenen Schnute (dieses Rennen hatte sie klar verloren...) und konnte kein Wässerchen mehr trüben.
Das Grösste jedoch war Pia's Reaktion. Mit ihrem unerschütterlichen Lächeln auf den Lippen kommentierte sie sachlich vergnügt:
"Was für eine coole Nudel! Wenn man bedenkt, dass die bis vor kurzem noch richtig Angst vor der Gerte in der Hand hatte... Da kann man nur staunen, wie cool sie jetzt wegsteckt, mal wirklich was auf den kleinen Hintern zu bekommen. Das interessiert sie ja gar nicht!"  
Coole Nudel... mir wären Tausendundein andere Umschreibungen eingefallen, diesen sichtbaren kleinen Eigensinn angemessen harsch zu beschreiben, an "kalte Nudeln" oder ähnliche Speisen hätte ich dabei ganz sicher nicht gedacht. Erleichtertes Lachen und noch grössere Anerkennung für eine Pia, die nicht nur reiterlich sondern ganz sicher mit ihrer Einstellung zum Pferd einfach eine Klasse für sich ist und wieder einmal beweist, das man wahre Grösse nicht in Zentimertern misst.
Danke, Pia!

Aus Erfahrung klug geworden gingen wir die nächsten Male mit verhaltener Vorsicht zur Sache. Ganz offensichtlich hatte Deauville in den letzten Wochen eine Menge an Selbstfindung dazugewonnen und ihre facettenreiche Persönlichkeit ausgekramt und umgekrempelt. Dazu gelernt hatte sie seit dem Rodeo allerdings auch.
Fortan gab sie das vorbildliche Mustermädchen unter dem Sattel und Pia und ich kamen aus dem Staunen nicht raus.
Das erste Mal auf dem grossen Springplatz direkt nach dem Rodeo (O-Ton Pia: "Es wird Zeit, dass wir endlich aus der Halle rauskommen!") und sie trabte und galoppierte mit Pia um die Sprünge herum, als habe sie nie etwas anderes getan. Mir ging jedes mal erneut das Herz dabei auf, dieses hinreissende Paar im frischen Trabe und Galopp seine Runden ziehen zu sehen!
Seither führte uns der Weg geradewegs nach dem Aufsitzen und ein paar Runden in der Halle direkt auf den grossen offenen Platz.
Gleich beim ersten Mal auch allein die grosse Runde mit Deauville zum trockenreiten um die Wiesen zu reiten, war ein Selbstverständnis für Pia - ich stand ein wenig besorgt vor dem Stall und konnte es nicht erwarten, die beiden wieder im Blickfeld zu haben. Eine enstpannt am langen Zügel bummelnde Deauville und im Sattel eine strahlende Pia, lässig die Hände in die Luft gestreckt, und was ruft sie mir zu mit einem breiten Grinsen im Gesicht?
"Was ist das doch für eine coole Nudel! Die hat ja vor gar nichts mehr Angst und ist sooo entspannt!"
Ich war einfach nur begeistert!


                                                             
                                                                    Knaller! "Coole Nudel" unterm Sattel und eine strahlende Pia obendrauf ... Mein absolutes Lieblingsbild.

Es kam der 28. Juli und mit ihm der Jahrhundertregen in Münster.
Stellenweise 200 Millimeter Niederschlag, mehr als sonst in einem halben Jahr gemessen, landunter in Münster. Wiesen, Plätze und Reithalle unter Wasser.
Pia hatte den fünfjährigen Königsee aus dem Stall Klimke ein paar Tage zuvor auf dem Trakehner Landeschampionat in Hannover mit der Traumnote 9,2 zum Titel des "Trakehner Geländechampions" geritten und das machte sie zurecht ein kleines bisschen berühmt.
Am Tag nach dem Unwetter ritt sie Königsee zu Hause spazieren und schoss ein paar Fotos aus dem Sattel, die auf der Klimkeschen Facebookseite um die Welt gingen. Ahnungslose Trakehner Enthusiasten kommentierten das Ganze berauscht ob des schönen Pferdekopfes - Münsteraner Ureinwohner wussten, was sie da tatsächlich im Bild eingefangen hatte:
unsere Heuwiesen landunter...      

                               

Doch jedem Übel kann man auch ein Gutes abgewinnen und so nahm ich Deauville am Tag danach als Handpferd mit auf den Dressurplatz, der ebenso flächendeckend unter Wasser stand. Aquatraining pur, besser kann man Pferde nicht im lockeren Trabe arbeiten und natürlichen Muskelaufbau fördern!
Tatsächlich war es Silas, der zunächst vor dem ungewohnten Wassereinritt zum Dressurplatz zickte und nicht zu überreden war, ins Wasser zu marschieren. Gut, wenn man stets liebe Freunde zur Hand hat! Corina in Gummistiefeln nahm mir Deauville ab und marschierte mit dem jungen Pferd vorweg ins Wasser - nicht zu fassen... Die coole Nudel gibt das Führpferd!
Endlich tat Silas unerwartet einen beherzten Sprung hinterher, was recht spektakulär ausgesehen haben muss. Corina kommentierte trocken mit den Worten: "Da hättest du aber auch runterfallen und schön nass sein können...!"
Wo sie recht hat, hat sie recht.
Im Wasser angekommen war Silas beruhigt, Handpferd und Führpferd konnten nun endlich angemessen und neu sortiert werden und los ging's im flotten Trab.
Die bunten Klimkeschen Cavalettis standen noch immer auf dem Dressurplatz und versuchsweise nahmen wir die zunächst im Schritt, später auch im Trabe. Silas jedoch machte bereits aus dem Trabe einen höchstvergnügten Sprung daraus und Deauville tat es ihm an der langen Leine ganz selbstverständlich nach. Beide Pferde sprangen die Cavalettis im Wasser und ich habe selten ein solches Vergnügen mit Handpferd im Sattel erlebt - das grösste Selbstverständnis mit zwei Pferden zugleich und einfach nur schön!

                                                        

Natürlich fand Pia Gefallen an unserer Geschichte und nachdem die grosse Halle noch immer unter Wasser steht war klar, dass wir heute nach ein paar Runden in der kleinen Halle sogleich auf den Springplatz zogen. Und was schlug Pia vor, kaum dass wir dort angekommen waren?
"Stell uns doch mal ein Cavaletti auf!"
Ich musste so lachen, das war Pia wie sie leibt und lebt. Gas und Bremse im Sattel eines rohen dreijährigen Pferdes gerade einmal mit Vorbehalt installiert, andere wären froh wenn sie überhaupt aussen rum kommen. Natürlich habe ich den beiden gern einen kleinen Sprung aufgebaut und ein wassertonnenblaues Kreuzchen mit reichlich Fang dazu und Deauville übte sich in den ersten kleinen Hüpfern unterm Sattel  Das anfängliche Führpferd, quasi den "Jan" dazu, gab ich selbst auf zwei Beinen und Deauville marschierte brav hinterher. 

                                                         

Viel Wert legt Pia auf reelles vorwärts abwärts reiten. Eine nicht ganz einfacher Anspruch an ein junges Pferd, das mit einem leichten Genick ausgestattet ist. Die Sorte Pferd eben, die bei zu frühem rangeritten sein stets dazu neigt, sich aufzurollen.
Um so mehr schätze ich Pia's Anspruch, das junge Pferd konsequent aus einem gesunden vorwärts in die nötige Dehnung zu bekommen. Und wie man sieht:
die beiden praktizieren das bereits aus dem Eff-Eff!
Taktvoll locker schwingend bei grossem Raumgriff, einem engagierten Hinterbein und natürlicher Balance. Im Verlauf der Arbeit kann Pia sie dann bei leichter Anlehnung nach und nach ein wenig höher einstellen, von unten nach oben eben, so wie es sein soll. Besser kann man ein junges Pferd meines Erachtens nicht in Szene setzen. Weshalb ich meinem patenten Traumpaar jeden Tag auf's Neue immer wieder gern die Zehn für den Punkt "Ausbildungsskala und Gerittensein" attestiere.


                                            


                                         
                                                         Im Vorderpferd sichtbar Muttervater geprägt, Fidermark lebt!
                                                         Dazu eine gut durchgesprungene Galoppade mit einem Hinterbein, das weit unter den dicken Bauch fusst...
 

24.8.2014

Von Glöckchen und Paukenschlägen und einem Jungpferd, das die Namensgebung seiner Vorfahren neu erfindet...

Unter Pia's Sattel macht Deauville weiterhin rasante Fortschritte und nach wie vor bin ich jedes Mal begeistert, wenn ich den beiden im Viereck, auf dem Springplatz oder entspannt im Gelände beim Bummeln oder flotten Traben und Galoppieren um die Wiesen herum zusehe. Mittlerweile gibt Deauville hier sogar das Führpferd, immer dann nämlich, wenn Sabrina auf Silbermond mit dabei ist und der stattliche Hengst, der mittlerweile seine erste S gewonnen hat, im Gelände am besten in vierbeiniger Gesellschaft funktioniert. Als Sabrina das erste Mal fragte, ob Pia und Deauville sie auf Silbermond begleiten würden, dachte ich erst ich habe mich verhört... Um dann in ein breites Grinsen zu verfallen als ich sah, wie vertrauensvoll der schwarze Hengst neben Deauville um die Wiesen marschiert. Pat und Pattachon in "Rouge et Noir" geben die beiden, wenn sie so zufrieden nebeneinander her marschieren und es spricht sehr für den Hengst und erst recht für das junge dreijährige Pferd, wenn hier Vertrauen geben und nehmen der equinen Spezies so herrlich offensichtlich wird - ein Bild für die Götter!

Und doch kann Deauville auch mit Paukenschlägen aufwarten, die jede Dimension sprengen. Ganze fünf Tage Urlaub hatte ich mir genommen um Anfang August zur WM nach Verden zu fahren und das bedeutete eine Woche reitfreie Zeit für Deauville. Reitfrei wohlgemerkt, dennoch hatte das junge Pferd seinen ergiebigen Ausgang und ging jede Nacht zwölf Stunden mit Silas auf die Wiese um tagsüber im Stall zu schlafen. Ein Ausgangs- und Bewegungsdefizit gab es daher ganz sicher nicht zu beklagen. Dennoch gingen Pia und ich beim ersten gemeinsamen Reiten nach dieser Woche mit Bedacht zur Sache, immer darauf vorbereitet, dass unser kleiner Sonnenschein womöglich nach einer Woche arbeitsfreier Zeit den Übermut auskehrt.
Auf das Rodeo, das Deauville dann tatsächlich an diesem ersten Tag veranstaltete, waren wir beide allerdings nicht im geringsten vorbereitet. Eigentlich waren wir inzwischen so weit, ganz auf die Longe zu verzichten und direkt loszureiten. Deauville hatte in den letzten Wochen das Glöckchen gegeben und uns beiden Tag für Tag die helle Freude beschert. Dieses Glöckchen konnte einfach kein Wässerchen trüben. Und doch schien es eine gute Idee, wenn Pia sich an diesem Tag zunächst an der Longe auf's Pferd setzte... Mit der Explosion, die dann folgte, hatten wir jedoch beide nicht gerechnet. Nicht, dass ich wirklich viel ausrichten konnte an der Longe, die Bocksprünge sprengten jedes Mass und ich hatte echte Angst um Pia und versuchte das Möglichste, den irren roten Feger aus der Luft zurück auf den Boden zu holen - wohl dem, der Reithandschuhe immer auch beim Longieren trägt... Einfach war das nicht und ich hatte alle Hände voll zu tun, mich irgendwie vor dem Pferd zu positionieren statt nur hilflos hinterher zu laufen. Irgendwann stand Deauville dann tatsächlich bebend und feuerspeiend vor mir, ich dachte kurz an Frau Mahlzahn, den Drachen, und war äusserst besorgt um Pia, die wie ein Jim Knopf auf dem Pferd klebte. Wie Pia es fertigbekommen hatte hierbei im Sattel zu bleiben, wird mir auf alle Zeit ein völliges Rätsel bleiben. Meine Hochachtung vor diesem patenten Reitermädel war zuvor schon enorm, seit diesem Tag ist sie grenzenlos. Der Sattel und mit ihm Pia klebten Deauville auf dem Hals, atemlos rutschte Pia nun vom Pferd. Ich war erleichtert und entsetzt zugleich und hätte vollstes Verständnis dafür gehabt, wenn Pia nie wieder aufgesessen wäre. Statt dessen meinte sie nur trocken und leise:
"Ich glaub ich hol mir mal besser den Halsriemen und die Gerte..."
Was für eine Courage!

Ich war beschämt, schockiert und entsetzt und erwog durchaus, den roten Teufel schlicht zu entsorgen, auf dem schnellsten Wege.. allein der Gedanke an das Fohlen im Bauch hielt mich davon ab. Da drängt sich dann spontan die Frage auf:
Können Teufel überhaupt Fohlen austragen und wie vermehrt sich diese Spezies überhaupt?
Bei dem Gedanken an die Vermehrung teuflischer Saat wurde mir kurzfristig etwas anders, hege ich doch ernsthafte Sport- und Leistungspferdezucht und dies entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen davon... Gleichwohl war der rote Teufel inzwischen zum entpannten Glöckchen mutiert. Anders als beim ersten Mal vor einigen Wochen, als man ihr nach dem Rodeo ansah, wie sie merklich verstimmt die Schnute verzog und sich wohl oder übel des Rechten besann, trabte und galoppierte Deauville nun locker und entspannt unter Pia daher als habe es nie den roten Teufel gegeben - frei und ohne Longe.

Pia und ich waren auf's schwerste beeindruckt, in jeder Hinsicht. Es sollte das letzte Mal sein, dass Deauville ganz bewusst ihre Grenzen antestete, wir hatten unsere Lektion gelernt. Kein Zufall, dass auch das erste Rodeo seinerzeit nach einigen Tagen Müssiggang stattgefunden hatte. Wir hatten realisiert, dass unser Glöckchen sehr berechnend die Tage mitgezählt und ganz bewusst den Donner zur Erde geschickt hatte um die arbeitsfreie Athmosphäre anzutesten. Arbeitsfreie Zeit wird es fortan nicht mehr geben. Jeden Tag, den Pia sie nicht reitet, geht sie nun konsequent als Handpferd an Silas Seite mit auf die Rennbahn, egal bei welchem Wetter. Lässt der Boden es im Gelände nicht zu drehen wir unsere Runden auf dem weiten Springplatz, der auch bei Wasserstand optimal trägt. Unsere Handpferdetouren habe ich mittlerweile um ein ausgiebiges Galoppierpensum erweitert und es ist in der Tat eine Freude zu erleben, wie unkompliziert Deauville, die ein gutes Stück kleiner ist als Silas und reichlich mehr Raum bewältigen muss, in einem forschem Galopp an unserer Seite nebenher läuft. Auf der Rennbahn macht sie so durchaus gewaltige Meter und wenn wir nach einer knappen Stunden zu dritt in den Stall zurückkommen sind wir alle drei stets gut gefordert und bewegt.

Tatsächlich hatten Pia und ich in den Tagen vor "Rodeo.2" ernsthaft über eine Namensänderung für Deauville nachgedacht. Der Name "Deauville" war einfach nicht passend für unser Glöckchen und "Glöckchen" schien uns zumindest als Rufname sehr viel angemessener. Seit dem Paukenschlag jedoch war das Glockengeläut ersteinmal in weite Ferne gerückt, Donnerhall oder Donnerschlag erschienen sehr viel angemessener und die Ironie dieser Geschichte macht mich nun doch schon wieder schmunzeln. Als Tochter des Don Schufro sind Donnerhall und Donnerschlag naheliegende Bezeichnungen für legendäre verwandtschaftliche Grössen und doch möchte ich behaupten, dass keiner dieser blutverwandten Granden seiner treffend beschreibenden Namensgebung jemals so nahe gekommen ist, wie unser Glöckchen Deauville das dieser Tage zelebriert hat. Wir werden sehen, inwieweit sie ihren namensverwandtschaftlichen Grössen auch künftig das Wasser abgräbt. Das Zeug dazu hat sie ganz sicher. In diesen 162 Zentimetern kleinen Pferd wohnt gewaltige Grösse, und das nicht nur zwischen den Ohren.

Mittlerweile gibt sie also Tag für Tag beständig wieder das Glöckchen und wir wollen hoffen, dass es dabei bleibt. Heute ist Pia dann erstmals longenfrei in den Sattel geklettert und es war so ein Tag, an dem man einfach nur Freude hat an dem roten Feger. Pia bat darum, die bunten Cavalettis zum traben aufzustellen und unser Glöckchen tat zunächst einen beherzten Sprung darüber. Springen hatte sie ja nun bereits gelernt, ihre Verwirrung war verständlich. Wir mussten ihr also beibringen, dass man über Cavalettis auch traben kann und soll und wie stellt man das am besten an bei einem Pferd, das gelernt hat auch einem zweibeinigen Führpferd überall hin und drüber zu folgen?
Richtig.

Ich lief nebenher und gab das Führpferd im Trabe über die Stangen und siehe da, das Glöckchen behielt seinen Takt an meiner Seite bei und trabte gekonnt mit Pia über die Cavalettis!
Takt ist das Stichwort in diesem Zusammenhang und ich konnte nicht genug davon bekommen, den beiden zuzusehen:
sichtbar ausdrucksvollen Takt entwickelt das Glöckchen mit zunehmender Kraft und entsprechendem abfussen! Eine agile Beweglichkeit und Bewegungsfluss durch den Körper hat sie immer ausgezeichnet, jetzt fusst sie darüberhinaus deutlich akzentuierter ab und gibt den Taktometer, ähnlich wie Bunny das in ihrer Bewegung auszeichnet. Pia war sichtlich angetan von dem Reitgefühl, und zurecht. Einen gelungeneren Beweis für gutes Gerittensein eines jungen Pferdes gibt es nunmal nicht als das spürbare Takt entwickeln und empfinden im Sattel und das Cavalettitraben trägt offensichtlich das seine dazu bei. Die Cavalettis haben wir heute ganz sicher nicht zum letzten Mal genutzt!

Nach einer entspannten Runde um die Wiesen nahm ich Pia unser "Glöckchen" ab und war gespannt auf Teil zwei, das verladen üben. Den Anhänger hatte ich mittlerweile vorgefahren und Silas stand bereits als Verladehilfe darin. Eine Schüssel Hafer hatte ich ebenfalls in der Hand und eine ganz und gar aufgeregte Deauville in der anderen - die sah nur die Schüssel Hafer und hatte grösste Sorge, die könne an ihr vorbeigehen... Ich hatte mich darauf eingestellt, Schritt für Schritt in den Anhänger zu gehen und dem jungen Pferd alle Zeit der Welt zu geben, in Ruhe hinter mir her in den Hänger zu steigen. Seit ihrem Einzug in Münster hat Deauville nicht mehr in einem Hänger gestanden und ich hatte keine Ahnung, wie stark ihre Skepsis demgegenüber ausgeprägt war. Doch meistens kommt es eben anders als man denkt, ganz besonders mit Deauville, denn die ist immer gut für Überraschungen ...
Und so kam es, dass am Ende ich die Gejagte war und gar nicht schnell genug in den Hänger kam mit einer Deauville am Strick, die einfach nichts anbrennen liess und es geradezu eilig hatte und ruck zuck hinter mir herkam und neben Silas stand, so schnell konnte ich die Haferschüssel gar nicht im Trog leeren... Da stand sie nun, mein Glöckchen, entspannt neben Silas im Hänger und frass ihren Hafer, als habe sie nie etwas anderes getan als in Anhänger zu steigen. Einmal schob ich sie noch von der Rampe um den Einstieg ein zweites Mal und etwas kultivierter zu gestalten und auch das war kein Problem. Ein vertrauensvolles Jungpferd nennt man das wohl und wieder einmal kann ich nur schmunzeln angesichts dieses kleinen roten Fegers. 
"Verladetraining.1" erfolgreich abgeschlossen und wir werden sehen wie es dieser Tage funktioniert, wenn das erste Mal eine Anhängerfahrt und ein fremder Platz für das Glöckchen auf dem Programm stehen... Die Longe werden wir wohlweislich dabei haben.


25.8.2014


        


Kein Glöckchen sondern gleich ein ganzes Schellengeläut gab Deauville heute bei unserem ersten gemeinsamen Ausflug auf den Geländeplatz der Westfälischen Reit- und Fahrschule. Pia und ich kamen aus dem Strahlen nicht mehr raus und hatten einen riesen Spass mit den beiden Pferden. Und man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass auch die Pferde ihr Vergnügen dabei hatten. Silas wuchs über sich hinaus, kaum dass wir den Geländeplatz betreten hatten und war nur schwer davon abzuhalten, gleich engagiert loszubrausen! 

Es begann bereits zu Hause mit dem Verladen, das in Rekordzeit vonstatten ging. Pia staunte nicht schlecht als sie sah, wie selbstverständlich Deauville ganz allein auf den Hänger marschierte und ich war gewaltig stolz auf das kleine Pferd. In Handorf angekommen gaben die beiden, kaum vom Hänger runter, ein Standbild der besonderen Art. Diszipliniert, keine Unruhe, keine Aufregung. Silas erkannte vertrautes Terrain und war sichtlich zufrieden und wartete aufmerksam und ruhig ab. Deauville tat es ihm nach und Pia staunte ein zweites Mal - ich auch! Ein junges dreijähriges Pferd das erste Mal auf grosser Reise in fremder Umgebung und sie zuckte nicht dem Ohr. Anbinden und Festhalten war nicht nötig, die beiden gaben das kultiviert-routinierteste Standbild, das man sich nur vorstellen kann.
So ist das wohl wenn Hänschen von Hans abguckt und lernt. Silas in seiner Rolle als Vorbild ist einfach unbezahlbar.

                                               
                                                                                       die erste Skepsis gemeinsam überwinden

Wir waren gespannt wie es wohl auf dem Geländeplatz weitergehen sollte. Manch ein Pferd, das zum ersten Mal auf diesen Platz kommt, ist beeindruckt und dreht völlig auf. Ich hatte das oft genug erlebt und das durchaus auch bei älteren Pferden, die so einen Platz noch nie gesehen haben. Pia wusste davon auch ein Lied zu singen. Weshalb wir uns einig waren, dass ich Deauville zunächst nur als Handpferd an Silas Seite alles in Ruhe zeigen wollte. Sollte sie dann aufgeregt sein und womöglich Spannung aufbauen, konnten wir die im flotten Trabe aussen rum gleich sinnvoll abbauen, auf ein paar Bocksprünge kam es dabei dann auch nicht an.
Doch Spannung gab es nicht. Und bocken sowieso nicht. Das Glöckchen bockt nicht. Deauville war beeindruckt und aufmerksam aber zu keinem Zeitpunkt aufgeregt. Um es mit Pia's Worten zu sagen:
"Was für eine coole Nudel!"
Das erste Mal einen Wall erklettern, die erste Wellenbahn, das erste Treppchen rauf und runter - easy!
Etwas kess meinte Pia, dann könne ich ja gleich auch mal das Wasser mit ihr als Handpferd versuchen - ?
Das hatte ich uns eigentlich für bis zum Schluss unterm Sattel aufheben wollen, falls treibende Hilfen benötigt würden. Aber irgendwie hatte die Idee ihren Reiz.
Deauville stellte auch keine Fragen, kaum war Silas im Wasser marschierte sie ganz selbstverständlich mit.
Als Pia dann nach einer Weile in den Sattel stieg hatte das junge Pferd eigentlich schon alles gesehen und erkundet. Pia brachte es treffend auf den Punkt:
"Einfach ein herrlicher Spielplatz für Pferde! Und für junge Pferde ganz besonders!"

                                 

Und so machten wir uns daran, den Pferdespielplatz zu zweit im Sattel zu erobern. Pia und Deauville nebendran und gern auch vorweg, wenn das junge Pferd von sich aus zog war das genau richtig! Vertrauen mit der neuen Welt schaffen, fördern und aufbauen. Ein paar kurze Galoppintervalle aussen rum und Pia und Deauville lässig vorweg - Silas war "not amused"! Nur zu gern hätte er s e i n Tempo vorgegeben! Er beschränkte sich auf ein paar übermütige Bocksprünge (die das Glöckchen sich n i e leistet!) und wieder einmal war es die schönste Erkenntnis, dass Buschreiterei einfach für alle Beteiligten den grössten Spass bereitet - Pferdesport, wie man ihn leben sollte. Sportsgeist.

Ein paar winzige Sprünge luden dazu ein, auch ein dreijähriges Pferd seine ersten Erfahrungen machen zu lassen und Pia war begeistert, wie selbstverständlich Deauville kleine Baumstämme und Gatter nahm - ich auch! Erst hinter Silas her, dann auch allein. Am Ende ausgiebig durchs Wasser traben und dann gab Pia das sehr angemessene Schlusswort:
"Was kann man bloss mit einem dreijährigen Pferd schon alles machen! Das war einfach das grösste und schönste, aber wir müssen jetzt wirklich aufhören, die hat einfach alles gesehen und gemacht, was man in dem Alter überhaupt machen kann. So schön!"
Leuchtendes Strahlen im Gesicht, wir waren alle beide schwerst begeistert und die Pferde ganz offensichtlich auch mit sich und ihrer Welt zufrieden.
Entspannt zurück zum Auto und ein weiteres Mal bilderbuchverladen zweier Pferde, die nebeneinander vor dem Anhänger standen und sich nicht vom Fleck rührten während wir um sie herumwuselten. Strahlend zufriedene Heimfahrt. Das schönste Reiten überhaupt und was hat das dreijährige Pferdchen heute nicht alles gelernt!


                       



             
                                             ... im flotten Trabe: Silas ist gut drauf!                                                                                                       ...  geht auch unterm Sattel ganz selbstverständlich!


                                                                              

                                                          ... der erste Sprung                                                                                                             Pia strahlt!



29.8.2014

Von Vorbehalten und Überzeugungen und hell klingenden Glöckchen...

Es gibt sie, diese Vorbehalte, die trägt man einfach mit sich herum. Ein grosser Freund von Cavaletti-Traben bin ich nie gewesen. Das mag daran liegen, dass ich ohnehin kein Freund eintöniger Reiterei bin, mich meist auf dem Springplatz tummle und dort immer gern einen kleinen Sprung mit einbaue, der den Rücken los und darüberhinaus allen Beteiligten Laune macht. Die immerwährende Garantie für einen durchgeschwungenen Rücken und mit ihm das beschwingteste Traben sowieso beschert stets die Rennbahn nach einigen hundert Metern kontrollierten Galoppierens.
Wozu also Cavalettis?

Und doch bin ich Pia's Bitte gern gefolgt, als sie in der letzten Woche erstmals darum bat, die Cavalettis auf dem Dressurplatz zu nutzen. Versuch macht klug und es ist immer spannend zu erleben, was so ein dreijähriges Pferdchen wohl daraus macht. Nach wenigen Anläufen hatte Deauville verstanden, dass sie hier nicht springen sondern traben sollte und machte ihre Sache bereits am ersten Tag nur über zwei Cavalettis bereits hervorragend. Am zweiten Tag haben wir bereits auf vier Cavalettis erweitert und ich war in der Tat sprachlos. Vorbehalte hin oder her, der Ablauf im Trab veränderte sich sichtbar mit dem Training. Das hatte ich nicht  erwartet. Heute haben wir also das dritte Mal bewusst Cavaletti-Training absolviert und zügig von zwei auf vier erweitert. Der grösste Anspruch bei einem jungen Pferd, das einfach alles richtig macht, ist ganz sicher ein sicheres Gespür für das Mass der Dinge. Mit ihren drei Jahren mag Deauville reichlich Kondition haben (sie wird abwechselnd geritten oder geht als Handpferd mit ins Gelände), der Kraft, die ein solches Training gerade einem so jungen Pferd abfordert, sollte man sich allerdings sehr bewusst sein.

Weshalb wir auch heute nach ein paar Durchgängen zügig aufgehört haben. Abgesehen davon, dass Deauville einfach mit traumhafter Sicherheit und vorbildlicher Einstellung über die Cavalettis trabt, ist ihre Aktion über den Stangen einfach bemerkenswert und sichtbar. Dehnung, Rücken und Hinterbein, ich wüsste nicht wie man gezielter an einem solchen Gesamtpaket arbeiten könnte, noch dazu in diesem jungen Alter. Mit leichter Anlehnung beginnt Pia und bemüht sich im Verlauf, das Pferd mehr und mehr von der Hand zu bekommen. Fotos sind nur eine statische Momentaufnahme und doch sieht man hier bereits einen feine Veränderung vom ersten bis zum letzten Mal. Erneut attestiere ich Pia und Deauville mit Überzeugung die "Zehn" für Gerittensein und Skala der Ausbildung - besser geht es einfach nicht.  
Und ich sitze über den Bildern und staune selber am meisten was dieses junge Pferdchen uns doch lehrt. Und es lernt und lernt selber dabei in grossen Schritten dazu. Unnütz zu sagen, dass Pia und ich uns von Tag zu Tag erneut in dieses kleine Pferd verlieben - ein hell klingendes Glöckchen, und wer hätte gedacht, dass ich einmal ein echter Freund von Cavalettiarbeit werde?  


                                               


                                        


                                        


                                           
                                                                       Cavalettitraben für das Lehrbuch und stets ein lose pendelnder Schweif dazu.


16.9.2014


Pia verbringt diese Woche in Warendorf am DOKR zu einem Lehrgang und da bot es sich einfach an, sie dort zum gemeinsamen Ausritt zu besuchen.
Silas und Deauville waren ruckzuck verladen und als wir am DOKR ankamen gab die junge Deauville erneut das Glöckchen.
Cool und unbeeindruckt stand sie neben Silas am Hänger und ebenso lässig ritten wir los. Am Wasser war es erneut die dreijährige Deauville, die unbeeindruckt reinmarschierte und Silas zeigte, was ein Führpferd ist - der zierte sich nämlich gewaltig ob der Pfützen vor seiner Nase... Mitunter kann man einfach nur staunen was dieses junge Pferdchen für ein unerschrockenes Selbstbewusstsein entwickelt hat!
Unerschrocken ging es dann auch weiter:
zum klettern die Sandberge rauf und runter und durch den Wald bis an die Ems. Hauptstrasse queren und Klettereien durch den dichten Wald, das Glöckchen legt eine Routine an den Tag, die sie eigentlich noch gar nicht besitzen kann und man möchte nicht glauben, dass dieses Pferdchen erst drei Jahre alt ist!
Unkompliziert und zügig standen beide Rösser nach zwei Stunden Welterfahrung sammeln wieder auf dem Anhänger, Anhängerfahren scheint das Glöckchen mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Zum Abladen haben wir inzwischen unser ganz eigenes Konzept entwickelt. Silas hat wenig Verständnis dafür, stets als letzter auf dem Anhänger warten zu müssen und irgendwie hat er auch recht. Weshalb nun beide Pferde gleichzeitig und synchron schnurgerade die Rampe rückwärts runterkommen und mir vor der Rampe die Strickenden höflich in die Hand reichen. Es geht doch nichts über zwei guterzogene kultivierte Rösser, die mit nur einer Hand zu bedienen sind ...

                                                          


                                            


22.10.2014

                                  


Diese Woche hat Deauville den Stall in Münster verlassen und ist zurückgekehrt auf den Hof Altepost. Die Reintegration in die Stutenherde verlief zügig und problemlos, ihre neue Freundin ist eine französische Traberstute, die zumindest aus Pferdesicht ein bisschen so aussieht wie Silas:
gross und schwarzbraun. Kein Wunder, dass die junge Deauville hier sogleich vertrauensvoll angedockt hat! An der Seite ihrer ganz persönlichen Silas-Kopie geniesst sie nun den Herbst im satten Grün und hat es sich redlich verdient.

Mit Deauville's Auszug aus Münster ist der Sommer 2014 nun endgültig vorbei und ich kann es kaum glauben, dass mein fuchsbuntes junges Reitpferd bereits in vier Monaten ein Fohlen zur Welt bringt!  
Mit ihrem ausgeprägten Charakter und ihrer Menschprägung ist sie mir sehr ans Herz gewachsen und hat unseren gemeinsamen Sommer zu einer facettenreichen Erfolgsgeschichte gemacht. Das vierte selbstgezogene Stutfohlen unter dem eigenen Sattel!
In den letzten Wochen habe ich sie oft selber geritten und das durchaus mehr, als eigentlich geplant war. Das Wetter lud einfach dazu ein und Deauville und ich haben zu einer vertrauten Routine gefunden. Auf der Stallgasse ganz selbstverständlich in den Sattel klettern, sie steht wie eine Eins, die Zügel auf den Hals legen und entspannt über die Stallgasse ins Freie reiten, auf die Rennbahn und um die Koppeln herum im lockeren Trab, das Köpfchen nach vorwärts abwärts und dann nimmt sie den Reiter mit, schwingend dynamisch und taktvoll.
Bahnschienen, Eisenbahn, Trecker, Mähdrescher, Schlepper, Düngewagen und reichlich grosser Ernteverkehr auf den Feldwegen - alles kein Problem. Sie funktionert wie Silas. Wenn es eng wird oder etwas Ungewohntes am Weg steht:
langer Zügel, eine Hand auf den Hals und einfach machen lassen. Aufgeweckt und aufmerksam sucht sie sich ihren Weg und vermittelt niemals ein Gefühl von Unsicherheit. Der Spätsommer hat uns ideale Bodenverhältnisse auf den Feldern und der Rennbahn beschert, aber selbst wenn die Wege mal unter Wasser standen trabt das Pferdchen unbeeindruckt und mit noch mehr gefühlt aufgewölbtem Rücken durch die tiefen Pfützen - so muss sich das anfühlen, wenn Pia sie über Cavalettis trabt!  

Mein grosser Dank gebührt Pia, die einfach alles richtig gemacht hat im Sattel von Deauville und den grössten Anteil an unserer fuchsbunten Erfolgsgeschichte unter dem Sattel trägt. Diese Woche hat auch Pia sie dann ein letztes Mal auf dem Dressurplatz geritten und man hatte den Eindruck, das Pferdchen wollte sich bewusst nocheinmal von seiner allerbesten Seite zeigen - es war eine kleine Demonstration von Durchlässigkeit und Tempoübergängen auf den Punkt wie aus dem Lehrbuch. Pia und ich waren beide geradezu gerührt und haben diesen Abend als gebührenden Abschluss von Deauville's sommerlichen Satteldasein gefeiert. Nun wird unser Glöckchen also Mutter und nach unseren gemeinsamen sechs Monaten hier in Münster blicke ich diesem Erstling meiner ganz und gar vertrauten Fannietochter mit allergrösster Spannung und Freude entgegen.  


2.3.2015

der kleine Zampano ...

Montagabend und Deauville war bereits zehn Tage über die Zeit. Sie trug schwer an ihrem Erstling und man sah es ihr an. Fressunlust liess sie in den letzten Tagen ihrer Trächtigkeit sichtbar einfallen und wir taten alles, ihr die Lust am Futter zu erhalten. Am Ende war es das Billigmüsli aus dem Discounter, das sie immerhin zeitweise an ihren Trog zurückbrachte, während sie jede Form kostspieligen Luxusfutters verschmähte. Weshalb ich am Montagabend erneut als Futterkurier mit einem Sack Discount-Müsli im Stall erschien und wieder lange Zeit bei ihr in der Box verbrachte. Zuwendung tat ihr gut und sie nahm es gern an, liess sich sanft den dicken Bauch massieren und immer wieder spürte ich die kleinen Beben darin unter meiner flachen Hand. Es rumorte schon einige Tage gewaltig in ihrem Bauch, mitunter sah man eine dicke Beule vom Kopf oder Fuss des Fohlens in ihrer Flanke pochen und ich hätte ihr so gern geholfen, diese Last nun endlich loszuwerden.

Ich hatte mich gerade wieder auf den Heimweg gemacht, als das Telefon schellte:
Es war Stutenfee Ingrid, und ich sollte doch besser gleich wieder umkehren, Deauville stehe im Schweiss und es schiene nun endlich los zu gehen.
So war es dann auch.
Flach im Stroh liegend presste das Pferdchen was das Zeug hielt, Vorderbeine und ein Teil des Fohlenkopfes waren bereits sichtbar. Stutenfee Ingrid und Stutenvater Gregor halfen mit jeder Wehe ein Stückchen mit und endlich war das ganze grosse Fohlen da - schwarzbraun und hochweisse Beine, es leuchtete geradezu strahlend weiss aus dem tiefen Stroh und Deauville lag erschöpft davor, den Kopf noch immer im Stroh. Beklommen stand ich daneben, von Erleichterung zunächst keine Spur.
Das langbeinige nasse Bündel glänzte aus der Nachgeburt heraus und schien sich unendlich ins Stroh zu erstrecken:
Leuchtend weisse Fühler und ein dunkel glänzender Leib dazu. Reglos. Dann schüttelte sich plötzlich der nasse Kopf mit der langen Blesse und zwei lange Öhrchen wirbelten durch die Luft. Zügig zappelte sich das neugeborene Pferdekind, noch halb in der Nachgeburt verborgen, in eine aufrechte Position, die Ohren gespitzt, den Blick nach vorn zur Mutter gerichtet. Mit einem Ruck winkelte es die Vorderbeinchen an und reckte sich auf so gut es ging, den Kopf auf die angewinkelten Vorderbreine gestützt. Die Metamorphose vom einen ins andere Leben und ein Bild für die Götter dazu, den Kopf mit den gespitzen Öhrchen auf die Vorderbeine gestützt!
Plötzlich tönte ein tiefschrilles, geradezu herausforderndes Wiehern aus dem recken nassen Bündel, der Kopf noch immer hoch auf die Vorderbeinchen gestützt - ein kleiner Zampano... und dieser Ton kam offensichtlich von einem Hengst, ein richtiger kleiner Hengst, keine Frage!
So begrüsste uns der neue Erdenbürger.
Eine Szene, wie sie kein Drehbuch eindringlicher beschreiben könnte.
 
Mittlerweile hatte Deauville, noch immer flach im Stroh liegend, den Kopf erhoben und sah sich mit gespitzen Ohren nach ihrem Fohlen um. Sichtlich verwirrt und völlig erschöpft, noch immer.
Und wieder war es einer von diesen Momenten, wie sie einem immer im Gedächtnis bleiben werden:
Zwei Paar gespitzte Ohren aus einander zugewandten Pferdeköpfen und zwei eindringliche Blicke, die sich begegnen - erwartungsvoll der eine, noch gänzlich verwirrt der andere. Mutter und Sohn.
Langsam wich meine Beklommenheit. Das hier war einfach einzigartig schön. Doch es dauerte noch eine Weile, bis Deauville selber auch wieder auf die Füsse kam. Zeitgleich setzte der kleine Zampano ebenso zum ersten aufstehen an. Immer wieder flutschte ihm dabei auch seine rote Zungenspitze aus dem kleinen Mäulchen und der junge Hengst gab ein hinreissendes Bild ab. Offensichtlich übte er bereits Saugreflexe im Nichts und ich konnte mich nicht zurückhalten, ihm den Finger auf die rote Zunge zu legen. Instinktiv saugte er sich auch sogleich heftig daran fest. Heftig. Tatsächlich hatte ich bis dahin gar nicht gewusst, dass neugeborene Fohlen bereits über deutlich ausgeprägte rudimentäre Backenzähnchen verfügen ... Zeit, dass der junge Bursche ans Euter kam!
 
So schnell habe ich selten ein Hengstfohlen auf die Beine kommen sehen und es dauerte nicht lange, da hatte auch Deauville ihre Mutterrolle begriffen und ging völlig darin auf. Was für eine treusorgende junge Stute!
Still blieb sie neben uns stehen als wir Hilfestellung leisteten, das eifrig suchende Fohlen passend an ihrer Flanke zu rangieren. Ein paar Mal purzelte er uns dabei noch ins Stroh und musste sich von Anstrengungen der ersten Aufstehversuche erholen. Deauville blieb ergeben und reglos stehen um nur den wesentlichen Moment des Andockens nicht zu versäumen. Dabei hatte sie selber noch sichtbar unter Nachwehen zu leiden, scharrte und wälzte sich - doch kaum hatte das Fohlen wieder Fuss gefasst stand sie bereit. Reglos, ganz ihrer neugefundenen Mutterrolle ergeben und gar nicht wissend, was sich da eigentlich abspielte. Die junge Stute diesen sichtbar ausgeprägten Mutterinstinkt leben zu sehen rührte mich tief.

Das sind sie, diese Momente, die machen mich einfach ticken. Ein junges Pferd, das mir in unserem gemeinsamen Sommer in Münster mit all seinen ausgeprägten Eigenheiten so sehr ans Herz gewachsen war, Vertrauen miteinander und zueinander, und ich war einfach dankbar, hier als Dritte im Bunde Mutter und Sohn bei ihren ersten gemeinsamen Schritten zur Seite stehen zu können und sie liess es sich gern gefallen.
Als das Fohlenmäulchen endlich das Euter gefunden hatte und heftiges Schmatzen durch die Böx tönte, ging ein sichtbares Aufatmen durch Deauville - die erste echte Entspannung für die junge Stute nach der anstrengenden Geburt. Sie hatte es sich so sehr verdient.
Es war der schönste Moment.

Mehr konnten wir für die beiden nicht tun.
Zufrieden und erleichtert überliessen wir Mutter und Sohn sich selbst und ihrer wohlverdienten Ruhe.

Am nächsten Morgen begrüsste der kleine Zampano mich bereits erwartungsvoll und keck neben seiner Mutter stehend in der Box - und Deauville frass entspannt ihr Discount Müsli. Gott sei Dank. Einen Sack knackiger Futtermöhren für die junge Mutter hatte ich im Gepäck und auch die nahm sie gern an. Das wohlfeil untergemischte Superstutenfutter jedoch sortiert sie noch immer fein säuberlich aus. Stutenfee Ingrid ist allerdings zuversichtlich, dass wir sie alsbald davon überzeugen können auch wieder konsequent "teuer und werthaltig" zu fressen. So, wie man das von den Sprösslingen meiner Fidermarkschen Stutenfamilie gemeinhin gewohnt ist:
mit ausgeprägtem Appetit und Futterneid ...
Ich will ihre Zuversicht nur zu gern teilen.
Deauville hat eine Menge aufzuholen.

Der kleine Zampano dagegen strotzt vor Kraft und Übermut und es war an der Zeit für den ersten kurzen Hofgang. Die kurze Regenpause galt es zu nutzen!
Agil trabte er neben seiner Mutter auf dem Hof neben uns daher und es war die helle Freude, das junge Fohlen bei seinen ersten Trabtritten zu erleben.
Zurück im Stall gab es reichlich Krabbeleinheiten für Mutter und Sohn, es sind nunmal die ganz banalen Dinge im Leben, die die grösste stille Freude bereiten:
Putzen! Verzückt verzog Deauville das Schnütchen, ganz so, wie sie es zu ihrer Zeit in Münster immer tat, wenn ich ihre Lieblingsstellen fest rubbelte. Der aufgeweckte kleine Sohn stand neugierig daneben und beäugte unser Tun. Ein festes Rubbeln für die Mutter - ein leichtes erstes Rubbeln für das Fohlen. Es dauerte nicht lange und er fand echten Gefallen an dieser Beschäftigung und verzog das kleine Schnütchen ebenso verzückt wie seine Mutter.
Die ersten Tage im Leben eines jungen Fohlens - unbezahlbar!    


23.4.2015

Entspannter Hofbrenntermin mit herzerfrischendem Brennmeister aus Vechta!
Zampano und E.J.Junior tragen nun das "O" auf dem Popo und Deauville ist im Hauptstutbuch zu Oldenburg eingetragen.
Etwas verwirrt war ich, als der herzerfrischende Brennmeister seinen umfangreichen Merkmalkatalog zückte, um die junge Mutter den neuen Anforderungen entsprechend einzutragen - "lineare Beschreibung" heisst das neue Zauberwort der Zukunft und ich bin gespannt, was dabei wohl herausgekommen ist...   
Der herzerfrischende Brennmeister jedoch stürzte mich von einer Verwirrung in die nächste als er darauf beharrte, dass Deauville nach oldenburgisch gepflegtem Gusto nun aber auch einen Namen mit "F" (nach der Mutter) tragen müsse...
Wie nennt man ein Stutchen nach "F", das drei Jahre lang als Tochter des Don Schufro den Namen "Deauville" vor sich her trug und dann dreijährig im gemeinsamen Sattelsommer letztes Jahr meist als "Glöckchen" referenziert wurde?
Einer spontanen Eingebung folgend machte ich das Beste aus allen gegebenen Referenzen und so kam es, dass Deauville künftig im Stutbuch Zucht überaus kreativ als "Fannie Bell" geführt wird - der herzerfrischende Brennmeister war sehr zufrieden.
Ich auch!  


21.9.2015

Fabrice hat ihre Sommerresidenz in Münster heute verlassen und ist wieder bei Stutenfee Ingrid eingezogen. Im Gegenzug hat Deauville nun ihre Box in Münster bezogen um langsam wieder an das Reitpferdedasein gewöhnt zu werden. Auf ausdrücklichen Wunsch von Stutenfee Ingrid war Silas mit von der Partie, der inzwischen bei jedem Stutentausch eine durchaus tragende Rolle spielt. Und Stutenfee Ingrid hatte wieder einmal Recht.

Als ich auf die Tenne kam bot sich mir ein putziges Bild:
Rechts und links hatten Fannie und Deauville ihre Box bezogen, in der Mitte standen E.J.Junior und Zampano in ihrem eigenen Reich - eingerahmt von ihren Müttern, aber eben doch für sich bereits über Nacht abgesetzt. Die Fohlen waren aufmerksam, aber nicht aufgeregt.
Dieses Arrangement sorgte dafür, dass es keinerlei Stress gab, als Deauville zu Silas in den Hänger stieg. Zampano hatte seinen Kumpel E.J. an der Seite und rief nicht nach seiner Mutter, und Muttern war sofort auf Silas fixiert und rief nicht nach ihrem Fohlen.
Fannie ist es also, die von nun an zu dritt ihren Weidegang in der Stutenherde pflegt: mit E.J.Junior und Zampano an dessen Seite.
Stressfreies Absetzen von Müttern statt der Fohlen, wieder einmal.
Zampano ist mit seinen gut sechs Monaten nun das erste Fohlen in der Herde ohne Mutter und wird gut damit zurecht kommen.
In Münster angekommen ging Deauville sofort an Silas' Seite auf die Wiese und mein bewährter Frauenversteher sorgte dafür, dass ihre Aufregung sich in Grenzen hielt. Die nächsten Tage steht dann wieder Handpferdereiten auf dem Programm um Deauville einzugewöhnen. Ich bin gespannt, ob das junge Pferdchen sich noch an sein Satteldasein erinnert...
                                                                                                                                                                                                                                                 Deauville ist wieder da!



3.10.2015

Der Spätsommer meint es gut mit uns und erlaubt dem jungen Pferdchen ausgiebig entspannte Weidezeit an Silas' Seite in Münster. Ich wollte es langsam angehen lassen und ganz von vorn beginnen mit Deauville's Arbeit unter dem Sattel und das Pferdchen dankt es mit einem vorbildlichem Einstand.

Die ersten Tage entspannt und frei in der Box ohne Halfter und anbinden erneut an Sattel, Decke, Gurt und Trense gewöhnen, die ersten Male entspannt auf der Stallgasse in den Sattel klettern und sich einfach nur auf und ab führen lassen. Immer wieder schön, wenn dann Burkhard gern zur Seite steht und nach Feierabend wertvolle Helferdienste leistet. Das hat schon im letzten Jahr beim anreiten wunderbar funktioniert, das war auch in diesen Tagen nicht anders.
Danke, Burkhard!

Der nächste freiwillige Helfer war dann Daniel, der sich sofort bereit erklärte, nach Feierabend in Silas' Sattel zu steigen und als Führpferd vorweg mit uns um die Rennbahn zu reiten. 'Vorweg' waren Daniel und Silas allerdings nur zu Beginn. Meist dauert es nicht lange und Deauville übernimmt engagiert die Tete und grummelt und schnaubt dabei entspannt vor sich hin. Und ich staune jedes Mal wie das kleine Pferd es schafft im entspannten Schritt Silas' die Meter abzunehmen. Silas ist gut zehn Zentimeter grösser und verfügt über einen Schritt, den die alten Lehrbücher noch wahrhaft 'räumend' definieren. Von Raumgriff in Trab und Galopp ganz zu schweigen. Und doch gestaltet auch der lockere Trab an Daniel's Seite sich ähnlich. Nachdem Deauville zügig zurückgefunden hat zu ihrer natürlichen Balance unterm Sattel trabt sie lässig und mit lose pendelndem Schweif nebenher und fällt auch von sich aus schonmal in Galopp. So soll das sein.
Kein Druck und kein störender Einfluss von oben, ich muss nur ruhig im Sattel sitzen, lass die Hand stehen und das Pferdchen machen. Herrlich!
Danke, Daniel!  

Nun war es selbstverständlich, dass ich Deauville selber wieder in die erste Arbeit nahm. Ich wollte sicher sein, dass das Pferdchen nach einem ganzen Jahr Stutenherde und Mutterdasein wieder genau da angekommen war, wo wir im letzten Jahr mit Pia im Sattel aufgehört hatten. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass es so schnell geht.
Zeit, sich nach dem nächsten freiwilligen Helfer umzusehen, der das Pferdchen professionell fördert, so wie Pia das im letzten Sommer einfach vorbildlich getan hat.
Genau so sollte es weitergehen.

Pia hat ihre Ausbildung im Stall Klimke inzwischen mit Auszeichnung - wie nicht anders zu erwarten - abgeschlossen und es tat mir bitter leid, sie gehen zu sehen. Und doch ist es wieder Stall Klimke, der mit perfekter Hilfe zur Seite steht. Als ich Philipp fragte, ob er Lust hätte Pia's Part in Deauville's Sattel zu übernehmen, erklärte er sich gern und sofort dazu bereit. Ich war begeistert! Philipp ist ein feinfühliger Ästhet im Sattel und nicht ohne Grund aktuell auf dem Bundeschampionat als erfolgreichster Azubi für seine sportliche Leistung ausgezeichnet worden.

Als Philipp diese Woche erstmals in Deauville's Sattel stieg, war ich also sehr gespannt. Zweifelsohne war ich von uns Dreien diejenige, die am meisten aufgeregt war. Im Stall, so wie Deauville es gewohnt ist, stieg Philipp behutsam in den Sattel und gemeinsam zogen wir zunächst in die Halle. Ein paar Runden im Schritt zunächst, dann hatten die beiden sich aufeinander eingefummelt und ich liess Philipp machen, was sein Bauchgefühl ihm sagte. Gestaunt habe ich dann, als er das Pferdchen vom Fleck weg in einer konstanten runden Anlehnung unter sich hatte und die beiden dynamisch ihre Runden um mich herum zogen. Das hatte ich so ganz und gar nicht erwartet. Auf der Rennbahn mit Führpferd geradeaus natürlich schwungentfaltend Geraderichtung entwickeln ist eine Sache. Das selbe in begrenzter Umgebung auf 20 und 40 Meter im Hallenviereck ebenso abzurufen, eine ganz andere. Tatsächlich musste ich Philipp eher bremsen, nicht gleich zu viel zu machen. Es ist keine zwei Wochen her, da stand das Pferdchen noch mit Fohlen bei Fuss in der Stutenherde....

Ein vielversprechender Einstand einer neugefundenen Pferd- und Reiterpaarung und ein Philipp, der sich sichtlich wohl im Sattel fühlt:
"Die ist ja so weich zu sitzen und nimmt einen richtig schön mit!"
Ich war beseelt. Wieder einmal.


21.11.2015

Wenn es schnell geh'n soll, nimm dir Zeit...

Es gibt sie, diese alten Weisheiten, die sollte man einfach beherzigen. Vor allem wenn es um junge Pferde geht.
Als Philipp Anfang Oktober das erste Mal in Deauville's Sattel sass lief es richtig gut - viel zu gut. Und wir hätten es beide besser wissen sollen. Wir waren davon ausgegangen, dass wir ganz von vorn wieder mit dem jungen Pferd anfangen müssen, doch das Gegenteil schien der Fall. Tatsächlich konnte Philipp genau da weitermachen, wo Pia ein Jahr zuvor mit Deauville's Training aufgehört hatte. Konstante Anlehnung und vom Fleck weg schwungvolles Abfussen und ein sichtbar über den Rücken schwingendes Pferd mit locker pendelndem Schweif. Deauville hatte nichts verlernt und wir waren geradezu euphorisch! 

Mit der selben Euphorie stieg Philipp tags drauf erneut in den Sattel, zwei Tage später wieder. Es dauerte nicht lange, da wurden die "vom Fleck weg" guten Phasen immer kürzer und das Pferd baute sichtbar ab. Kurz drauf kam der Tag, als es nach dem aufsitzen "vom Fleck weg" in die Hose ging. Ungeregelt, unwillig, gegen die Hand, das ganze Pferd war ein einziges Nervenbündel und ich war schockiert. Und wie das so ist, als erstes sucht man den Fehler beim Pferd. Alle möglichen üblen Gedanken schossen mir durch den Kopf, welches Problem Deauville da wohl in ihrem Rücken haben mochte und ich war schon gedanklich auf dem Weg mit ihr zur Klinik. Röntgen, dachte ich, sei eine gute Idee.
Bis ich auf die naheliegende Erklärung kam und den Fehler bei mir suchte. Ob es wohl sein könnte, dass wir es einfach übertrieben und das junge Pferd schlicht überfordert hatten? So ein Rückenmuskel trägt nunmal nicht von Natur aus sondern benötigt seine Zeit. Ein vierjähriges Pferd, das bis vor kurzem noch ein Fohlen bei Fuss geführt hat und ein Jahr lang nur auf der Wiese stand, ist muskulär ein rohes Pferd und nicht anders zu beanspruchen, wie ein rohes dreijähriges Pferd.

Weshalb ich beschloss, das Reiten zunächst einzustellen und dem Pferd rückenfrei zu geben. Die Tragkraft des Rückens allerdings musste gefördert werden und zwar konsequent. Zähneknirschend entschied ich mich daher für Longenarbeit über Cavalettis. Ich bin kein Freund von Longieren wegen der nicht artgerechten Dauerbelastung auf meist viel zu enger Kreisbahn. Doch irgendwie musste ich an den Rückenmuskel und das geht nur in konsequenter ausgebundener Arbeit mit dem Kopf vorwärts abwärts damit der Rücken überhaupt erstmal hochkommt. Und also stand von dem Tag an tägliche Longenarbeit über Cavalettis auf dem Programm. Zunächst auf dem grossen Springplatz, der uns so viel Raum bot, dass ich in weiten Bahnen mit ihr meine Kreise über den Platz zog und immer wieder Cavalettis im Schritt und Trab einbaute.

Eine gute Woche später sass Phillip erstmals wieder im Sattel und wir waren beide gespannt, was uns erwartete. Siehe da:
Der Erfolg war sichtbar! Vom Fleck weg trabte Deauville wieder schwungvoll und dynamisch unter ihm daher! Allerdings waren wir nun sensibilisiert und als sie nach einer Weile erneut ein paar ungeregelte Tritte zeigte und auch mal gegen die Hand schlug war klar:
Die Kraft lässt nach, wir hören auf. So ein Rückenmuskel ist nunmal kein Stahlseil und wir haben das auf die harte Tour gelernt und es fuchste mich noch immer gewaltig, so dumm gewesen zu sein.
15 Minuten Arbeit unter dem Sattel reicht, vor allem wenn ein Pferd dabei von Anfang so gut mitmacht wie Deauville das tut.

Weitere fünf Tage longieren über Cavalettis und erneut ein Satteltest:
Die zufriedene Arbeitsphase war bereits sichtbar länger und wir wussten, wir waren deutlich auf dem richtigen Weg.
Unser Programm lautet von nun an:
2 Mal die Woche Reiten reicht und immer 2-3 Tage sattelfreie dazwischen. Jeden reitfreien Tag habe ich sie abends über Cavalettis longiert, von Woche zu Woche konnte Philipp dem Pferd in der Sattelarbeit mehr abverlangen. Sichere Übergänge, sicheres Halten aus dem Schritt und Trab bei guter Anlehnung, Durchsprung in der Galoppade fördern und erhalten und immer wieder dauerhaft Zügel aus der Hand kauen lassen. Deauville war nicht wiederzuerkennen und schnurrte taktvoll mit der Nase am Boden daher. Genau so, wie sie es an der Longe jeden Tag bereits nach wenigen Minuten tut.

Dieses Pferd hat "Rücken" und mittlerweile reichlich davon! Sie trägt!  

Nach wie vor sind wir sensibilisiert und achten sehr darauf, sie nicht zu überfordern. Wir haben unsere Lektion gelernt und es ärgert mich noch heute, dass es überhaupt so weit gekommen war. Wenn es schnell gehen soll, nimm dir Zeit.
So einfach ist das.

                                                   

Ende November enstanden dann diese Fotos unter dem Sattel und sie zeigen ein sichtbar rundes und zufriedenes Pferd, das deutlich ausgelegt und mehr Partien bekommen hat. Rücken eben. Und so funktioniert sie auch.
Philipp kann sie mittlerweile einstellen wie ein Zieharmonika, tief nach unten, lange Nase, Nase an der Senkrechten und auch mal etwas höher im Genick. Das ganze funktionert im Leichttraben und so soll das auch erstmal sein. Takt und Anlehnung sind der einzige Massstab, mittlerweile arbeiten die beiden an der konsequenten  Geraderichtung.   

Die bunten Cavalettis auf dem Dressurplatz bieten immer willkommene Abwechslung, auch im Dressursattel (Philip ist Buscheiter im Herzen, da sieht man grosszügig über ein langes Sattelblatt hinweg.) Zur Grössenrelation: Deauville misst 1,62 m - Philip 1,86 m. Da sieht so ein Pferd schonmal etwas kleiner aus als es ist.
Wahre Grösse allerdings zeigt sich im Kopf und davon hat Deauville reichlich. Die zunächst dunkel anmutenden Winterabende in der kleinen Halle, in die wir nun Tag für Tag zu unsere gemeinsamen Longenarbeit nach Feierabend einzogen, wurden plötzlich zu ungeahnten Lichtblicken, wie ich es selber nie für möglich gehalten hätte, denn dieses Pferd hat einfach Geist.

                                              

Eines Abends im Dezember stand Deauville ausgebunden neben mir zum Handwechsel, ich wollte die Longe wechseln und hatte den Longenkarabiner noch in der einen Hand, die Peitsche in der anderen. Das Pferdchen war der Meinung, wir seien bereits fertig "angehakt" und marschierte los. Frei und ohne Longe schritt sie in sauberen Kreisbahnen um mich herum und ich staunte nicht schlecht. Sie reagiert brilliant auf Gesten und Stimme, wir haben mittlerweile unsere eigenen Gesten und Kommandos entwickelt zum "raus" und "weiter raus" und auch ""rein" und "näher rein". Kreisbahn variieren funktioniert aus dem Eff-Eff, Tempiwechsel auch. Und so liess ich sie bei ausgestreckter Peitsche frei und ohne Longe antraben - ausgestreckte Peitsche heisst "raus" und äussere Kreisbahn. Siehe da, sie trabe auf der äusseren Kreisbahn um mich herum und ich traute meinen Augen nicht, sie nahm zielstrebig Kurs auf die Cavalettis an der offenen Zirkelseite und trabte sicher darüber!
Runde um Runde zog sie unbeeindruckt ihre Bahn über die Cavaletties und als ich ihr mit der Hand eine Wink gab zum "näher rein" verkleinerte sie den Zirkel und trabte vor den Cavalettis um mich herum. "Raus" und gestreckte Peitsche, schwupps wurde der Zirkel grösser und sie trabte wieder über die Cavalettis. Ich traute meinen Augen nicht.
Peitsche auf den Boden deuten und sie drehte bei und kam zu mir, so wie sie das gelernt hat.

                                                  

Da stand sie nun zufrieden kauend vor mir und harrte der Dinge. Ich war ganz und gar gerührt von meinem pfiffigen kleinen Pferdchen, das ganz offensichtlich auch ohne Longe auf reine Gesten und Stimme ganz genau wusste, was zu tun war.
Von dem Tag an hatte ich immer eine Handvoll Leckerwürfel in der Tasche und DAS hatte sie ruckzuck raus! Leckerwürfel abholen, beidrehen, ab gings auf die andere Hand! Ich konnte es gar nicht fassen!         

Am nächsten Tag wollte ich ausprobieren, ob sie das wohl auch im Galopp ohne Longe beherrscht und stellte zwei einzelen Cavalettis auf gegenüberliegend Hufschlagseiten eines Zirkels. Im Schritt und Trab war das gar kein Problem, der freie Zirkel verlor lediglich an Rundung weil sie nach den Cavalettis die Kurve zur offenen Seite deutlich später einleitete. Dann gab ich das Kommando zum Galopp und brav galoppierte sie in grossen freien Runden über die Cavaletties und zog ihre Bahn. Kommando zum Trab und dabei lief ich auf der Mittellienie in den unteren Zirel. Deauville behielt ihre Kreisbahn um mich herum bei und folgte mir brav um mich herum trabend auf den anderen Zirkel, wo sie weiterhin ihre Bahnen um mich herum zog. Peitsche auf den Boden deutend und schwupps stand sie bei mir. Zufrieden kauend als sei es das selbstverständlichste auf der Welt, dass ein Pferd auch ohne Longe all das absolviert, was manch einer selbst an der Longe nur sehr ungern oder gar nicht tut.
Ich war ganz und gar gerührt von meinem pfiffigen coolen Pferd!

Seither bauen wir stets longenfreie Arbeitsphasen über die Cavaletties in verscheidenster Anordnung mit ein und es ist jedes Mal eine helle Freude, dieses Pferdchen so selbstverständlich seinen Job machen zu sehen!

Mittlerweile war ich inspiriert und überlegte, was man ihr sonst noch so beibringen könnte. Rückwärtsrichten schein mir eine gute Idee.
Weshalb ich eines Abends eine Gerte in den Zirkel legte. Als sie nach ein paar Handwechseln wieder einmal bei mir stand stellte ich mich vor sie und klopfte mit dem Gertenkopf auf ihr Vorderbein. Etwas zögerlich fusste sie zurück, loben, klopfen auf das andere Bein, erneutes rückfussen, loben, klopfen auf das andere Bein, rückfussen, loben. Es dauerte nicht lange und sie marschierte auf Gerteklopfen schnurgerade rückwärts bis das Kommande zum halten kam. Dann ging ich selber ein paar Schritt rückwärts von ihr weg und bedeutete ihr, wieder vor zu kommen. Ohne zu zögern marschierte sie auf mich zu und stand bei mir. Gelernt ist eben gelernt. Dafür gabs den Leckerwürfel. Dann erneutes Gerteklopfen auf das Bein, schwupps, marschierte sie rückwärts bis das Kommando zum halten kam. Auf Kommando wieder vor zu mir und Leckerwürfel. Bei jedem Handwechsel absolvierten wir nun unser neues kleines Kunststück und ich musste nur darauf achten, dass sie nicht schon rückwärts lief bevor ich das Kommando dazu gab. ... und sorgfältig die Leckerwürfel in der Tasche abzählen ....

Und wieder war ich ganz und gar gerührt von meinem pfiffigen Pferdchen.


9.4.2016

Deauville ist auf dem Krüsterhof eingezogen!

Bunny ist wieder daheim in Münster und Deauville hat ihre Box im Stall Hinnemann bezogen. Marina und Deauville haben sich bereits prächtig zusammengerauft, man könnte auch sagen: gesucht und gefunden... die beiden kapriziösen Damen passen hervorragend zusammen und ich hatte meine grösste Freude an unserer ersten gemeinsamen Fotosession, und das nicht nur des fantastischen Wetters wegen!
Mein grosser Dank gilt Philip Wessling, der es mit seinem hervorragenden Beritt in den letzten Wochen und Monaten überhaupt erst möglich gemacht hat, dass Marina und Deauville vom Fleck weg solche Eindrücke abliefern - Danke, Philip!


                                       


                                           


                                             
 
Mit einem kecken Grinsen zog Marina heute morgen auf einem blinkenden Dunkelfuchs an mir vorbei und ich musste zweimal hingucken, um darin mein eigenes Pferd zu erkennen. "So sieht die aus wenn sie sauber ist!"
Ich musste herzlich lachen. Keine Frage, mittlerweile weiss Deauville auch was eine Waschbox ist.
Als ich mein Pferdchen auf dem Krüsterhof abgeliefert hatte, hatte Marina wohlbedacht gleich die richtigen Fragen gestellt:
"Kennt die eine Decke? - Waschbox? - Gamaschen? - Nasenriemen? ... Oh! Sie kennt einen Nasenriemen? Na, dann ist sie ja schon deutlich weiter als Bunny das damals war..."
Immer wieder schön!


                                       


                                       


                                      


                                          


                                       


14.5.2016

Der erste Turnierstart für Deauville und das Ganze war durchaus von Nostalgie geprägt:
Zum Turnier in der Nachbarschaft bot es sich an, einfach mal "rüber zu reiten", ganz wie in alten Zeiten. Die Idee war verlockend und wurde gleich mit fünf Pferden aus dem Stall in die Tat umgesetzt. Ich fuhr mit dem Fahrrad nebenher und hatte meinen grossen Spass neben der aufgekratzten Deauville in Wald und Flur und Marina sass mit einem breiten Grinsen auf dem kleinen Pferd, das ob seiner Aufregung gleich eine ganze Handbreit grösser wurde. Alles ganz so, wie es früher einmal üblich war, und alle radelten mit. Selbst der Chef hatte seinen Spass an der Sache, wenn auch etwas von der Not getrieben. Allein daheim zurückgelassen stellte er plötzlich fest:
Niemand war mehr da, selbst die Küche war verwaist und wenn er etwas essen wollte, musste er sich notgedrungen ebenso auf's Rad schwingen ... Mit etwas Verspätung also, dafür mit einem breiten Grinsen im Gesicht, traf auch der Chef dann radelnd auf dem Turnierplatz ein und sammelte seine Schäfchen um sich. Wir hatten unseren Spass!

                  

Den etwas undankbaren Startplatz gleich in der ersten Gruppe in einem Feld aus 30 Startern nahm Marina gelassen hin. Es sollte in erster Linie Erfahrung sein, die Deauville hier sammeln sollte, alles Weitere würde sich zeigen. Eine aufgeregte Deauville hatte sich nach dem Ritt durch die Nachbarschaft auf dem Abreiteplatz sichtbar gesammelt und gab ein tolles Bild ab unter Marina. Ich war mächtig stolz auf mein patentes kleines Pferd! Hunderzweiundsechzig Zentimeter schwungvolle Dynamik und einfach kein Vorbeigucken möglich an dem Pferdchen - so stellte ich mir das vor!

                 

Den Richtern gefiel es ebenso, die Fussnote im Protokoll attestierte ein "gut veranlagtes Dressurpferd auf dem richtigen Weg, das sich heute im Schritt noch ablenken liess." Dem war nichts hinzuzufügen, dieses Schicksal teilte Deauville heute mit vielen unerfahrenen Pferde vor der anregenden Zuschauerkulisse. Die wenigsten dieser Pferde sind jedoch erst seit zwei Monaten im konsequenten Training. Als letzte unter den rangierten Teilnehmern rutschten Marina und Deauville dann noch mit in die Platzierung und selten habe ich mich so sehr über eine grüne Schleife gefreut wie über diese! Mit viel Stolz in der Brust habe ich das bunte Stück Papier heute auf dem Weg zurück nach Hause auf dem Amaturenbrett vor mich hergefahren und diesen Ehrenplatz wird die Schleife auch behalten.
Danke, Marina, wieder einmal! Ich bin stolz auf euch und das habt ihr -wieder einmal- ganz grossartig gemacht!


21.5.2016
Pia und Deauville werben für die Martin Plewa Akademie!
"Ausbildungsphilosophie" lautet das Thema auf der neuen Webseite von Martin Plewa, in dem Pia und Deauville bei ihrem ersten gemeinsamen Wasserdurchritt anschaulich um die Wette strahlen. Deauville war damals gerade drei Jahre alt, als wir mit ihr zu Martin Plewa in die Westfälischen Reit- und Fahrschule fuhren. Für erste spielerische Geländeerfahrungen ist ein Pferd nie zu jung. Der Kontext, in dessen Zusammenhang Pia und Deauville daher nun für die Plewa Akademie strahlen, könnte wahrlich nicht besser gewählt sein. Er spricht mir aus dem Herzen:

Nur eine dem individuellen Pferd angepasste Ausbildung kann harmonisch verlaufen und zu einer feinen und leichten Kommunikation zwischen Mensch und Pferd führen, die das Zusammensein mit dem Pferd zur wirklichen Freude macht. Jegliche Verbissenheit oder Ausübung von Druck auf das Pferd ist zu vermeiden; das Pferd soll zur freiwilligen und freudigen „Mitarbeit“ motiviert werden. Wenn man als Reiter diese Bereitschaft fördert und ihr Ergebnis spürt, kommt die erwünschte Harmonie zustande. Ein Reiter, der auf dem Pferderücken keine Freude verspürt und nicht lächelt, hat die falsche Sportart gewählt!

Wahre Worte!
Und es freut mich ausserordentlich, dass Martin Plewa aus seinem reichen Fundus persönlicher Fotos ausgerechnet mein Pferdchen zur anschaulichen Dokumentation seiner Ausbildungsphilosophie ausgewählt hat.
Martin Plewa und seiner gleichermassen lesens- wie lebenswerten Philosophie "Zur Natuer des Pferdes" habe ich bereits vor vielen Jahren anlässlich seiner Auszeichnung zum Reitmeister eine eigene Seite gewidmet. Diesen Text kann man jedem Pferdemenschen nur empfehlen: Zur Natur des Pferdes



8.7.2016

Dressurtage auf dem Krüsterhof - Eine Geschichte von professionellen Entscheidungen und tragischen Helden  

Die zweite Auflage des Dressurturnieres auf dem Krüsterhof stand an diesem Wochenende auf dem Programm und natürlich waren Marina und Deauville mit dabei.
Dressurpferde A und L waren genannt, doch nachdem Deauville in ihrem Übereifer die Sache mit dem Aussengalopp noch nicht wirklich ernst nimmt und sich statt dessen gern in fliegenden Wechseln übt, hatte Marina sehr angemessen beschlossen es zunächst bei A zu belassen.
Am Freitagabend entstanden diese Fotos von den beiden bei der letzten Vorbereitung zur Prüfung am Samstag und ich war wieder einmal von den Socken. Marina und Deauville sind an ästhetischer Power und Dynamik kaum zu überbieten, es beeindruckt mich jedes Mal auf's Neue wenn ich die beiden in Aktion sehe und ganz offensichtlich geht es nicht nur mir allein so.

                                                   


                                                    

Die Dressurpferde A war offen ausgeschrieben und hauptsächlich von Profis besetzt. Neben Judy Reynolds (Einzelreiterin für Irland bei den Olymipschen Spielen in Rio) und ihrem vielversprechenden Nachwuchspferd, waren die beiden gekörten Söhne des Apache, Arango und ACDC, die klaren Favouriten auf den Sieg in dieser Prüfung. Entsprechend gut besucht war das Dressurviereck, denn jeder wollte das Rennen der beiden populären Junghengste sehen. ACDC hatte mit Jana Freund im Sattel unlängst in Milte das Reitpferdechampionat mit Höchstnoten gewonnen, Arango hat in seiner noch jungen Karriere noch keine Prüfung unter 8 beendet und mit einer Ausnahme (zweiter Platz in einer Dressurpferdeprüfung als einziger 4-jähriger gegen 5-jährige) jede Prüfung gewonnen. Ein illustres Feld also, in dem Deauville ihren zweiten Turnierauftritt geben sollte. Klein, aber oho - und das kennzeichnet Pferd und Feld gleichermassen.

                                                    

Der kleine Rotzlöffel war in Hochform, kaum dass die beiden das Dressurviereck betreten hatten. "Deauville in Hochform", das sind einhundertzweiundsechzig Zentimeter dynamische Power und Marina bringt nocheinmal etwa genausoviele bestechend im Sattel einsitzende einhundertzweiundsechzig Zentimeter dazu. Es mögen auch gern ein paar Zentimeter mehr sein, ich will sie sicher nicht kleiner machen als sie ist. Die beiden sind in jedem Fall der Knaller!
Geknallt hat es dann auch ein paar Mal in der Prüfung - zunächst beim Aufmarschieren, nicht heftig aber doch sichtbar gegen den Zügel, später im Verlauf der Prüfung nochmal ein deutlicher Ungehorsam, und dazu einmaliges Umspringen im Galopp (die Sache mit den fliegenden Wechseln...), das ich in meiner Aufgeregtheit nichteinmal mitbekommen hatte.
Souverän ritt Marina die Prüfung bis zum Ende und hob dann - Profi durch und durch - bei der letzten Grussaufstellung die Hand, um auf eine Wertung zu verzichten.
Eine angemessene Entscheidung für einen Profi und dafür gebührt ihr Respekt.
Wie erwartet machten die beiden Apachen dann das Feld auch unter sich aus mit Noten von 9,0 und 8,8.
Der echte Knall ereilte uns aber erst nach Prüfungsende.

                                                   

Wir standen gemeinsam am Viereck als die engagierte Protokollführerin auf uns zu brauste und aufgeregt fragte:
"Wieso hat Marina denn aufgegeben? Ich habe zwischen den beiden Richtern gesessen und die waren begeistert von dem Pferd! Eines der besten Pferde in dieser Prüfung und trotz der Patzer ganz vorn dabei, gleich hinter den beiden Hengsten!"
Peng!!!

So wird der Profi auch schonmal zu einem tragischen Held.

Das Protokoll bestätigte dann später die Worte der engagierten Protokollführerin schwarz auf weiss:
"AT schwungvoll, gleichmässig, ausdruckstarker Trab"
Und im Gesamteindruck war dann von einem schönen und schwungvollen Dressurpferd die Rede, das man sich heute ein wenig losgelassener wünschte ... Das traf es dann wohl auf den Punkt. 

Liebe Marina, nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen, die Welt geht nicht unter davon!
Mit oder ohne Schleife - ich bin mega-stolz auf euch!



7.8.2016

8,3 und die erste gelbe Schleife für Deauville und Marina!

Mein Vertrauen in Marina und Deauville ist unerschütterlich, daher war es nur eine Frage der Zeit, bis der nachhaltige Erfolg sich einstellt, da war ich mir sicher.
Dass es dann aber so schnell geht, hätte ich nie gedacht!
Marina und Deauville gewinnen überragend ihre erste Dressurpferdeprüfung und ich war ganz und gar ahnungslos ...

Im Urlaub erreichte mich diese aufsehenserregende Nachricht von Petra:
"Mensch Sabine! Hab deine Deauville gerade in Olfen gesehen. Was ein Trabpferd!!! Herzlichen Glückwunsch zum verdienten Sieg - und die Prüfung war ja wahrlich stark besetzt. ...", und ich hatte keine Ahnung wovon die Rede war.
Liebe Petra, nochmals vielen lieben Dank dafür - da hast du mich wahrlich in helle Aufregung versetzt! Und wer weiss, irgendwann leg ich mir vielleicht wirklich mal ein Rimondo-Abo zu... Aber viel mehr freue ich mich über deine Worte und Anerkennung zu Deauville, das macht mich richtig stolz!
 
Es war aber zunächst gar nicht so einfach, die Dinge einzuordnen. Meistens hilft es, wenn man seine Nachrichten nicht von oben nach unten sondern in umgekehrter Reihenfolge liest. Aber wer kommt schon auf die Idee, wenn der Boden noch unter den Füssen schwankt weil man das Pferd vorübergehend mit dem Segelboot vertauscht hat?
Ein paar Klicks weiter, und da war sie, die Nachricht von Marina:
"Dein kleiner Rotzlöffel hat heute alles gegeben....8.3! Bin total happy! Waren echt gute Pferde da aber Deauville war eben besser! Die Platzierung war sehr lustig, piaffieren lernt sie! Viel Spaß noch in Amerika und bring mir ne Tüte Cookies mit!"

Liebe Marina, diese Cookies hast du dir wahrlich verdient, auch wenn der Koffer zum bersten voll war und daraus nun wohl Krümel geworden sind ...

Was für ein grandioser Erfolg - Danke, Marina!

Und weil Marina nicht Marina wäre, wenn sie nicht genau wüsste, worauf es mir ankommt, hat sie originellerweise das Protokoll gleich mitgeschickt - ganz und gar authentisch und kakaobefleckt (und wenn es keine Kakaoflecken sind, will ich es gar nicht wissen...)
Süsse, du bist echt der Knaller!
Was für ein Protokoll! (wenn man erstmal um die Flecken drumrum gelesen hat... herrlich!) 

Nicht unterschlagen wollen wir, dass Marina und Deauville bereits am Wochenende zuvor mit einer ansehnlichen 7,4 und der ersten roten Schleife ihren gemeinsamen Erfolgskurs ganz offiziell eingeläutet haben, und das trotz Fehler und Deauvillscher Eigenheiten (das darf der kleine Rotzlöffel noch, wir wissen, was wir an ihr haben!). Auch diese Nachricht erreichte mich in typischer Marina-Manier mit einem entsprechenden Nebensatz: "...hat sich nicht gemuckt und ging super beim abreiten. Hatte wieder viele Fans!"
Das sind sie dann, diese knackigen Kommentare, die mich immer breit Grinsen machen und ich weiss genau, wie's gemeint ist.
Marina, du bist einfach grossartig!

... und ich bin bin bannig stolz auf mein kleines Pferdchen, das sich nicht nur zu einem absoluten Hingucker sondern auch zu einem knackigen Sportpferd mausert!


20.8.2016

                                                                           

Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich auf den Krüsterhof komme und Deauville steht im satten Gras - so muss Sportpferd!
... und ich weiss nicht, wer von uns beiden heute mehr Freude an unserem kleinen Fotoshooting hatte ...


                                              



                                              



                                              



                                              




                                              



                                              

 

23.9.2016

In St. Georg Marl waren Marina und Deauville am Freitag dritte in der Dressurpferde A, inclusive nicht vorgesehenen Angaloppierens im Mitteltrab. Deauvillchen ist mitunter noch etwas kreativ.
Die erste Dressurpferde L absolvierten die beiden ebenso am Freitag in Marl mit einer 7,0 und knapp ausserhalb der Platzierung.
Marina's ebenso knapper Kommentar dazu lautete:
"Dein kleiner Rotzlöffel war heute etwas miezig!"
Sagte ich schon, das ich Marina's knappe Kommentare einfach liebe?

Mit grossem Stolz habe ich diese weisse Schleife der bunten Kollektion Deauvillscher Schleifen im Kia hinzugefügt und mich am Samstag sehr gefreut, als während meines Besuches auf dem Krüsterhof eine entspannte Deauville auf der grünen Wiese im Obstgarten stand!


1.10.2016

Es gibt sie, diese Tage, da ist einem eine Laus über die Leber gekrochen und es ist schlicht nicht möglich, sich selber am eigenen Schopf aus dem Trübsal zu ziehen. Da bedarf es dann zwingend eines glücklichen Anstosses von aussen. Und man ist dankbar wenn man Freunde hat, die solche Anstösse auch wahrnehmen.
Gestern war so ein Tag.
Es begann mit der spontanen Nachricht von Steffi, "dein Pferdchen ist gerade auf dem Weg zu seiner ersten L-Schleife!"
Wow!
Mein Stimmungspegel drehte sprunghaft von dunkelgrau auf hellrosa, da schellte auch schon das Telefon und es sprach eine vergnügte Marina:
"Dein kleiner Rotzlöffel ist gerade Dritte in ihrer ersten Dressurpferde L geworden!"
Aus hellrosa wurde eine echte rosa Wolke, von Trübsal keine Spur mehr!
Ich war entzückt!
Eine "Acht" im Trabe und keine Spur mehr von Durcheinander-Galopp! "Miezig" war heute auch nicht mehr, stattdessen eine obercoole Deauville, die sich auch von aufwändiger Hallenkulisse nicht beeindrucken lässt.

Wer hätte das einmal gedacht? Ein halbes Jahr ist Deauvillechen nun bei Marina und der verrückte kleine Rotzlöffel lehrt uns alle das Staunen - und macht mich wieder einmal richtig glücklich!
Danke, Marina, you really made my day!

... und na klar hatte Marina dann heute einmal mehr grosses Nachsehen mit mir als ich zunächst vergass, dem Pferdchen Gamaschen und Hufglocken zum verdienten Weidegang anzuziehen und sie dann auch noch ganz bewusst bis zu meiner Abfahrt einfach auf der satten grünen Wiese zu "vergessen" ...
Liebe Marina, dein spitzbübisches Grinsen von heute morgen habe ich mit grossem Vergnügen bis nach Hause getragen, als du mir todesmutig die Schere in die Hand drücktest und mir höflichst rietest, ich möge aber doch b i t t e besser die Brille aufsetzen wenn ich dem Pferdchen die Zöpfe entzupple - damit doch zumindest die Mähne dran bleibt ...

Sagte ich schon, dass Marina einfach der Knaller ist?


22.4.2017

Sonntagsgruss von Romy - Deauville und der Kleine Prinz

                                                                      

21.5.2017

Stutentausch und mehr ...
Das war ein verkehrsreiches Wochenende - im wahrsten Sinne des Wortes. Man ahnt wieso die SPD sich die derbe Schlappe bei den aktuellen Landtagswahlen in NRW mehr als verdient hat. Vollsperrungen, und reichlich davon, und alles mit dem Pferdeanhänger.
Noch glimpflich verlief der Stutentausch auf dem Krüsterhof am Samstag, die Vollsperrung auf der A43 ging haarscharf an uns vorbei. Wohlbehalten kamen Carly in Voerde und Deauville in Münster an.

Voll erwischt hat es mich dann auf dem Weg nach Holland, die brave Empfängerstute abholen, die aktuell Deauvillechens Embryo von Elton John austrägt. Entschuldigend lässt sich lediglich anführen:
unsere Nachbarn in Holland machen es nicht besser. Die Sperrung auf der A73 in Oranjeland stürzte mich bereits am deutschen Niederrhein in grösstes Chaos. Der Rückweg, dachte ich, könne nun nicht mehr schlimmer werden.
Weit gefehlt.
Es kam noch deutlich schlimmer.
Da freut man sich, wenn man eine brave Empfängerstute mit auf den Weg bekommen hat, die das alles mit grösster Geduld erträgt. Und ich hoffe auch der Embryo sitzt noch wohlbehalten an seinem Platz in Mutters Bauch ...

Wie kam es nun zu dem Stutentausch?

Seit dem Frühjahr sind Marina und Deauville altersgerecht auf dem Weg nach "M":
Traversalen und die ersten Wechsel liessen sich gut an! Tatsächlich gibt es dazu sogar einen kurzen ersten Clip noch aus März:
erster Galoppwechsel mp4-Format
erster Galoppwechsel mpg-Format

Der sportliche Werdegang steht für Deauville im Vordergrund, gleichwohl hat sie mittlerweile mit ihrem Sohn Zampano auch züchterisch eine echte Duftmarke gesetzt. Von Zampano's Qualitäten konnte ich mich in den letzten Wochen überzeugen, der junge Hengst befindet sich auf dem Weg zur Vorbereitung für die Körung. Und mehr als einmal musste ich mir in diesem Zusammenhang dann sagen lassen:
"Wie kann man mit so einer Stute bloss n i c h t weiterzüchten? Bei so einem Sohn gehört die nicht in den Sport, die gehört in die Zucht!"
Mein Standpunkt, ich wolle keine Schaupferde sondern Sportpferde züchten, und sowas ginge nur, wenn auch die Mütter sich im Sport beweisen, erntete bestenfalls mürrischen Zuspruch. Hengstauzfzüchter sind mitunter stur.
Ich auch.
Gleichwohl liess ich mich gern zu einem Kompromiss hinreissen:
Wir spülten einen Embryo aus Deauville.

Die Wahl fiel natürlich auf Elton John, das bot sich einfach an. Mutter und Vater auf dem Krüsterhof, die erste Rosse, eine einzige Besamung vor Ort, ein Schuss - ein Treffer! Und nachdem auch E.J.Junior, Fannie's Sohn von Elton John, sich hervorragend entwickelt hat und gemeinsam mit Zampano in Vorbereitung zur Körung geht, drängte sich auch die genetische Komponente sogleich auf. Wenn Elton John mit Fannie gut gepasst hat liegt es nahe, dass die Anpaarung an die Tochter ebenso eine sinnvolle Verbindung ist. Mein holländisches Experiment vor drei Jahren hatte ich aus gutem Grund zeitgleich an Mutter und Tochter vorgenommen - mit durchaus überzeugendem Erfolg, wie es derzeit scheint.      

Verletzungsbedingt muss Deauville derzeit pausieren, da bot es sich an sie vorübergehend gegen Carly zu tauschen und nach Münster zu holen.
Eine Idee, die bei Deauville sogleich auf grösste Gegenliebe stiess!
Und nicht nur Deauville war entzückt.
War meine grösste Sorge zunächst, das rekonvaleszente Pferdchen sei womöglich gar nicht zu halten auf dem Weg in die Wiese, so war es am Ende Silas, der völlig ausflippte. Als Silas seine alte Freundin wiedersah geriet er ausser Rand und Band - wieder einmal. Bocken, Steigen, Freudensprünge, das war das Repertoir, das der brave Kerl zur Begrüssung um Deauville herum aufführte. Und die liess es sich gern gefallen.       
Seither steht sie an Silas' Seite im Stall und auf der Wiese und geniesst ihr sommerliches Leben. ... wenn sie nicht gerade ausflippt, weil Silas vorübergehend zum Reiten oder Misten die Box an ihrer Seite verlässt.

                                                    

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