Fabelhaft * 27.5.2019
 

    Fürst Romancier SF.*2004
  For Romance Old.*2009  
    Gesina Hann.*2005
Fürst Samarant Hann.*2010    
    Fürst Nymphenburg Hann.*2011
  Finale Hann.*2011  
    Sinfonie Hann.*2006
     
    Beltain Hann. *1984
  Belissimo Rheinld. *1999  
    Roxa Rheinld. * 1980
Bravo Hann.*2009    
    Fidermark Westf. *1992
  Fabrice Rheinld. *98  
  Leistungsstute FN Abt.C
Nachkommenerfolge
Feodora Rheinl. *92
     
    Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde
Riccione, Marmor, Bogenschütze u.a.

                   
                     


 

Sieger- und Endringfohlen Fohlenschau Wettringen 23.6.2019 

Mutterstamm:
Bravo (Bunny): 5 und 6-jährig Dressurpferdeprüfungen A, L und M gewonnen, darunter Bundeschampionatssichtung.
Eintragungsnoten in das Hannoversche Hauptstutbuch Gesamtnote "8".
Bravo ist Vollschwester zu Brisant, zugelassen zur Hannoveraner Hauptkörung in Verden im Oktober 2012 und verkauft nach Spanien. 
Bravo ist Halbschwester zu QRage II ("Happy") von Quattro B, 4-jährig Reitpferdeprüfung gewonnen.
Bravo ist Halbschwester zu Awakino QRage von Quattro B,  4-, 5- und 6-jährig Dressurpferdeprüfungen A, L und M gewonnen.
Bravo ist Halbschwester zu La Jeanne von Laudabilis, Juniorenpferd, mehrfach M-Dres. gewonnen. Eine der gewinnsummenreichsten Töchter ihres Vaters.
Bravo ist Halbschwester zu Sabary, 5-jährig Dressurpferde A und L hoch platziert.

Grossmutter Fabrice: FN Leistungsstutbuch C -Nachzuchterfolge-
Prämienfohlen a.d. Fohlenschau Heinsberg, 4. Juli 1998 - Silbermedaille
SLP Telgte, 13. Juni 2001 - Platz 1, Wertnote 8,39
Einzelnoten: Trab 8,5  Galopp 8,5  Schritt 8,0  Rittigkeit Richter 9,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 8,0
Sommer 2003: diverse sportliche Erfolge in allen Disziplinen, darunter Sieg in der Eignungsprüfung in Telge mit der Wertnote 8,2
Fabrice ist die erste von 5 Vollgeschwistern von Fidermark, die alle mit der Fohlenprämie ausgezeichnet wurden, darunter Auktionsfohlen.

Die Geschichte zum Ursprung des Stutenstammes der Fabrice, Hann. Stamm Nr. 367 nach Schridde
Vollbruder Fair Play*2002 Rheinischer Reitpferdechampion 2005
Vollschwester Fannie Mae*2003 SLP Telgte Platz 2, Wertnote 7,97
Einzelnoten: Trab 8,0  Galopp 8,5  Schritt 7,5  Rittigkeit Richter 8,0  Rittigkeit Fremdreiter 8,5  Freispringen 7,5.
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Hengstes Sansibar (Paul Schockemöhle, mehrfach S gewonnen, jüngstes Pferd Preis der Besten 2015).
Fannie Mae ist Mutter des gekörten Hengstes Rasputin (Westfälische Hauptkörung 2016)
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Sommertänzer von Samarant, 5-jährig Bundeschampionat Dressurpferde, 6-jährig M-Dressur gewonnen.
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Snoop Dog von San Amour, 6-jährig Dressurpferde M gewonnen (Heiner Schiergen).
Vollschwester "Miss Feeny" ist Mutter zu Fantastic Sugar Candy von San Amour, Dressurpferde A gewonnen, Dressurpferde L platziert.

Nachzucht Bravo:
2013 Daktari von Don Frederic, Siegerfohlen der Stutenschau in Fröndenberg, 2019 SF von Benicio - Brianna "Der kleine Brexit"
2017 Ladybird von Libertad
2018 Quäntchen Glück von Quantensprung
2019 Fabelhaft


Gedanken zur Hengstwahl: warum Fürst Samarant?

Spät am Montagabend erreichte mich der Anruf von Stutenfee Ingrid, Bunny habe ein gesundes braunes Hengstfohlen geboren. Das Nachgeburtsverhalten hielt sich in überschaubaren Grenzen, ich war erleichtert!

           

Als ich dann am nächsten Morgen vor meinem frischgebackenen Mutter-Kind-Duo stand, war ich ganz und gar verblüfft.
Gross und mit Substanz und ausgeprägten Knochen und Gelenken mühte der noch arg verlegene braune Bub sich unter Mutter's Euter. Und er hatte reichlich Grund sich tief zu bücken, ich mochte zunächst kaum glauben, dass dieses Fohlen aus Bunny geflutscht sein sollte. 

Bunny selber war ein filigranes Fohlen und ist sich bis heute treu geblieben.
Ihre drei roten Mädchen in Folge waren allesamt wie Muttern filigran und mit sichtbar Wiedererkennungswert ausgestattet.
Dieser Bursche war völlig aus der Art geschlagen.
Wo mochte er das bloss her haben?
Ich liess die väterliche Abstammung in meinem Kopf Revue passieren und kam keinen Schritt weiter:
Fürst Samarant ist eher handlich kompakt, Fürst Nymphenburg eher hoch und schmal, ebenso der dritte Vater Samarant, ein Sandro Hit-typischer hoch und schmal gebauter Hengst.Wo kamen diese Substanz und das Fundament her?


                          


Immer gut, wenn man Züchterfeunde hat, die einen tagsdrauf erleuchten und mit den eigenen liebgewonnenen Argumenten zu schlagen wissen:
"Fürst Samarant ist ja auch ein Fürst Romancier Enkel, und der kann schon mal ordentlich "Kaliber" und vor allem Wuchs. For Romance zwar nicht unbedingt, aber Genetik ist halt wie ein Omnibus mit Verwandten, du weisst nie, wer als erstes aussteigt ..."
Die Erklärung erschien angemessen und ich musste herzlich lachen.

Das einzig sichtbare Zugeständnis an meine Fidermarksippe waren die noch durchtrittigen Fesseln hinten, so kannte ich die meisten meiner Fohlen.
Dafür stand der kleine braune Recke vorn auf einem Füsschen etwas steil. Verständlich, so viel Zusammenfalten im Bauch bringt mitunter verkürzte Sehnen und Bänder mit sich. Weshalb ich dem jungen Mann spontan drei Mal täglich Pflastertraben verordnete, wohl wissend, dass das die nächsten drei Tage harte Arbeit für ihn und mich bedeutete und logistische Kapriolen im Büro dazu.
Doch die Mühe sollte sich lohnen, bereits am dritten Tag sah man nichts mehr von dem steilen Füsschen und auch der reptielienhaft anmutende Gang des Fohlens hatte sich normalisiert. Stutenfee musste die ersten beide Tage stets die Strasse auf und ab hinter uns herlaufen und "schieben" und hat herzlich gelacht. Mit durchtrittigen Fesseln und in allen Richtungen verlegenen Gelenken dazu traversierte das braune Kerlchen wie ein Reptil über mehrere Hufschläge und war nicht im Stande "in Spur" zu laufen.

                                                   

Am dritten Tag kam mittgas ein hilfsbereiter Kollege aus dem Büro mit dazu und schubste uns erstmals gemeinsam in den Wald. "Schubsen" war durchaus angebracht, weil das Fohlen nicht von sich aus an uns vorbeizog und Bunny mit dem Fohlen hinter sich genauso wenig Drang nach vorn verspürte. Da kam Ludwig gerade recht und wir hatten eine Menge Spass in dieser arg strapazierten Mittagspause bei strahlendem Sonnenschein.
Weil die Heuwiese inzwischen so hoch steht wie das Getreide nebenan, erreicht man den Wald um diese Jahreszeit nur auf Umwegen.
Umwege über harten Boden (ideale Fohlenstreckfussphysiotherapie) und reichlich Feldwege.
Bunny war not amused allein so weit von der Herde weg, und das Fohlen ausserordentlich beeindruckt. Will heissen:
das Kerlchen blieb immer wieder stehen und beäugte staunend die grosse weite Welt. Sanft schubste Ludwig ihn dann stets in die Realität zurück.
Ein derart "standfestes" Fohlen noch im Alter von drei Tagen habe ich noch nie gehabt.

Dank Ludwig war es also möglich, dem Fohlen einen ersten ausgiebigen Eindruck vom Wald mit all seinen grossen und kleinen Herausforderungen zu verschaffen. Selbst die Senke kletterte er dicht an Mutter's Seite mehrfach hinauf, um oben erneut erstaunt kleine Wurzeln zu schlagen und sein Umfeld zu bestaunen. 
Als Zugeständnis an Bunny's begrenzte Geduld fernab von Stall und Stutenherde machten wir uns bald darauf wieder auf den Heimweg und der kleine Mann kam eifrig hinterher getrappelt.

                                                  

Dank Ludwig wusste ich nun, dass es auch mit Bunny möglich war trotz der Umwege in den Wald zu kommen. Nur für kurze Zeit, aber auch nur kurze Zeit im Wald war schöner als jede Strassentherapie. Weshalb ich mich an diesem Abend gleich ein weiteres Mal mit Stute und Fohlen auf Umwegen in den Wald machte und richtig Freude daran hatte. Erstmals traute der kleine Bursche sich nun auch allein auf ein paar kleine Erkundungsgänge, vorsichtig im Schritt noch und nahe bei Muttern, aber doch sichtbar neugierig und inspiriert. Fabelhaft!
Als ich an diesem Abend guter Dinge mit meinen beiden in den Stall zurückkam, hatte der kleine Bursche seinen Namen und er hatte ihn sich wohl verdient!
   
Tagsdrauf dann der erste eigenständige Galopp an mir vorbei in den Wald und noch einen Waldgang später auch das erst Mal die Böschung allein mit Anlauf hoch und oben ein krönender Bocksprung - Fabelhaft! Das hat ihn dann selber so sehr überrascht, dass der kleine Übermut erstmal für eine Weile wieder raus war und erneut kleine Wurzeln geschlagen wurden. Das Erlebte musst wohl bedacht werden und ich lächelte beseelt in mich hinein ...

Recht schnell machten wir Fabelhaft dann schon im Alter von vier Tagen bereits am Freitag weidegängig. Ludwig war erneut als wertvoller Helfer mitgekommen und wir hatten unseren Spass an dem ausgesprochen vernüftigen Fohlen. Mit viel Übersicht und wenig Drang zum kopflosen Losknattern hat der kleine Fabelhaft sich die Sache mit der Litze in Ruhe beguckt, das erste kurze Zucken sorgfältig bedacht und reflektiert, und ward danach nie wieder in Litzennähe gekommen...

Was für ein Musterknabe! 



8.6.2019

Besuch aus Kassel!
Alexandra und Anke sind angereist und Wind und Wetter können uns nicht davon abhalten, erstmals mit beiden Fohlenstuten gemeinsam in den Wald zu ziehen - danke, Anke und Alexandra!

                 

Die  Fohlen hatten grosses Vergnügen an unserem gemeinsamen Unternehmen und tobten selbst nach ihrem ausgiebigen Weidetag in Wind und Sonne desabends noch ausgiebig um die Bäume. So soll das sein!


                                             



                                             



                                             



                                             



                                              



                                              



                                                   



23.6.2019

                                                                                      Halfterlos und ohne Huffett ...

                                                                     Sieger- und Endringfohlen in Wettringen - Fabelhaft!



                                                                                           

Eine Hommage an Heinz - du hast es dir verdient!

Wohlwissend, dass ich entspannte Hofbrenntermine daheim für meine Fohlen vorziehe, hatte der Hausherr mich sehr nachdrücklich gebeten, Bunny und ihr Fohlen doch bitte in Wettringen zur Schau vorzustellen. "Bitte!"
Da die Schau in Wettringen stets auch grosszügig mit verlockenden Boxen für die Gaststuten ausgestattet ist, hatte ich dieser ausgesprochen nachdrücklichen Bitte nur noch wenig entgegenzusetzen. Wenn man Stute und Fohlen behaglich untergebracht weiss, kann man gut planen und findet auch bereitwillige Helfer, die früh zum Verladen bereitstehen und sich dann den ganzen Tag entspannt die komplette Schau ansehen können.
So hatte Freund Heinz bereits seine verlässliche Zusage zum Helfen erteilt und ich wusste meine Pferde und mich in bester Gesellschaft. Abgesehen davon denke ich noch immer mit grösster Freude an unsere Reise nach Fröndenberg mit Bunny und Daktari vor sechs Jahren zurück. Damals war es auch Heinz, der uns zur Seite stand und mit seiner eigenwilligen Art diese Schau und den grossen Erfolg meines Mutter-Kind-Duos ganz massgeblich prägte. Noch immer macht es mich breit grinsen, wenn ich die Geschichte von damals lese ... Ich nahm es also als gutes Omen, Heinz an unserer Seite zu wissen. Daktari wurde damals Siegerfohlen und ganz offensichtlich hatte Heinz ein gutes Händchen für Bunny und ihre Fohlen.
Selbst Alexandra liess es sich nicht nehmen, extra aus Kassel anzureisen und hatte als Überraschungsgast noch Anke mitgebracht.
Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen!

Heinz  kam -wie erwartet- überpünktlich auf den Hof gerollt. Wohlwissend, dass Heinz gewisse Ansprüche an Schauroutine pflegt, hatte ich ihm bislang tunlichst verschwiegen, dass der kleine Fabelhaft noch nie ein Halfter getragen hatte. Auch Daktari hatte damals noch nie ein Halfter getragen und es dennoch vermocht, Heinz' Empörung in echte Euphhorie zu wandeln. Ich war also sehr gespannt, ob wir dieses Kunststück womöglich sechs Jahre später mit Bunny's viertem Fohlen wiederholen konnten.
Guten Willens war ich durchaus, doch meine halbherzigen Versuche, den kleinen Fabelhaft allein aufzuhalftern, waren am Vorabend kläglich gescheitert.
Da war nun Kreativität gefragt!
Und naklar lautete Heinz' erste Frage als er aus dem Auto stieg:
"Ist das Fohlen denn auch halfterführig?"
...
Oha.

Betont gelassen gurrte ich: "Heinz, wir machen das dieses Mal mal ganz anders! Der ist noch so klein und klebt an Muttern, den verladen und zeigen wir komplett ohne Halfter!" (... und ich fand, das klang sehr überzeugend...)
Ein spektischer grienender Seitenblick von Heinz war die Antwort.
Oha.

Klein-Amelie hatte früh am Morgen ihre erste Dressurpferdeprüfung auf dem jungen neuen Pferd mit sagenhaften 8,2 gewonnen, weshalb die ganze Familie unterwegs war. Stutenvater Gregor verzichtete jedoch grosszügig auf die Siegerehrung, um uns passig beim Verladen helfen zu können. Ich war ganz gerührt.
Da standen wir also mit Bunny und Fohlen vor dem Anhänger, die beiden starken Männer seitlich vor der Rampe, bereit, das knapp vier Wochen alte Fohlen fachmännisch in den Hänger zu heben. Ich marschierte mit einer laut und skeptisch schnaubenden Bunny die Rampe hoch und fragte von oben aus dem Hänger:
"Wann schiebt ihr denn nun los?"
Da stand er Zwerg schon neben uns.
So schnell konnten die beiden gar nicht zupacken, wie das Fohlen dicht an Mutter's Seite ganz allein in den Hänger geklettert war.
Soviel zur besorgten Unterstützung beim Verladen.
Mitunter kommt es eben anders als man denkt.

Etwas peinlich berührt stand ich oben im Hänger bei meinen Pferden und wusste nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte.
"Dafür habe ich jetzt die Siegerehrung meiner Tochter sausen lassen!", tönte Gregor von unten.
Ich w a r peinlich berührt ...

Insbesondere, als ich Klein-Amelie viel zu verdanken hatte!
Die funkelnde Glanzlack-Trense für das Pony hatte ich als erstes noch am Vortag dankend eingepackt (wie gut, dass das Kind inzwischen ein Grosspferd reitet!). Die hippe Trense hatte uns bereits im letzten Jahr mit Carly und Karlchen so viel Glück beschert und liess mich als Nicht-Schau-Junkie nicht völlig outdated aussehen  ... (auch das war damals eine ganz und gar bemerkenswerte Geschichte).
Wie gut, dass meine Pferde nicht überdimensioniert daherkommen. Amelie's Ponytrense passte auch gut auf Bunny's Kopf und liess sie strahlen.
Wenn wir schon nicht die Besten waren, so sollten wir doch bitte die Schönsten sein!

Beim Abladen in Wettringen kam Heinz dann das erste Mal mit seiner ganzen Erfahrung zum Einsatz:
"Mach langsam die Rampe runter und bleib davor stehen mit der Stute, damit das Fohlen ruhig runter kommt und nicht springt!"
Das nahm ich mir gern zu Herzen und beobachtete entzückt, wie auch der kleine Fabelhaft sich Heinz' Rat offensichtlich ebenso zu Herzen nahm. Bedächtig beäugte das Fohlen die Rampe und kam langsam, ganz langsam heruntergestiegen.
"Was für ein schlaues Fohlen!" lobte der Heinz beeindruckt und ich musste breit grinsen.
Das versprach ein guter Tag zu werden!

                                                

Über 40 Gastboxen standen in dem grossen Laufstall bereit, allesamt pikobello und grosszügig eingestreut, ein riesenberg Heu dazu und in jeder Box ein Eimer frisches Wasser.
Kostenlos.
Was für ein Service!
Dazu wehte eine angenehme leichte Brise durch das hohe lange Gebäude, das I-Tüpfelchen aus Pferdesicht an diesem Tage bei Temperaturen von über 30°. Ich wusste meine Pferde gut aufgehoben und Bunny frass sich sogleich zufrieden durch den Heuberg.

Mit gutem Gewissen marschierten wir zum Schauring und liessen es uns entspannt gutgehen.
Minutiös plante ich dann unseren Einsatz, um die Pferde bloss nicht zu lange in der Hitze stehen zu lassen.
18 Minuten pro Ring, voraussichtlich 5 Ringe, nachdem dritten Pferd des vierten Ringes wollten wir uns auf den Weg machen.
Heinz war beeindruckt von soviel Berechnung.

Blitzeblank im Sommerfell waren meine Pferde tags zuvor von der Weide gekommen. Weshalb ich Bunny nicht einmal geputzt hatte. Stattdessen hatte ich wie in guter alter Zeit eine knappe Stunde das Schweifchen handverlesen ...
Ohne Brille sah das Pferd auch wirklich sauber aus. Sie glänzte geradezu!
Ob sie auch mit Brille fleckenlos rein war, konnte ich nicht sagen. Die Gleitsichtbrille auf der Nase war eine dunkle Sonnenbrille, damit sah im Stall einfach alles fleckenlos und sauber aus ... .
Aber ich war sicher, Heinz würde eventuelle Misstände sofort bemerken (und womöglich auch beheben...).
Und so war es auch.
Wir waren noch nicht ganz aus dem Stall raus, da tönte es hinter mir:
"Die Hufe! Du hast ja gar kein Huffett drauf!"

Ach du liebe Güte.
Huffett!
Wer denkt auch an sowas???
Ich hatte mir so viel Mühe mit den Zöpfen und dem Schweifchen gegeben, die Glanzlacktrense passig verschnallt und zuvor die richtigen Kopfnummern befestigt (letzteres war mir nur halb gelungen, die "8" stand tatsächlich auf dem Kopf. Das hatte aber noch niemand bemerkt und da waren die Nummern auch schon dran...), an Huffett hatte ich tatsächlich nicht gedacht.

"Das geht gar nicht!", schimpfte Heinz.
"Lass uns mal im nächsten Stallgebäude gucken, ob wir jemanden mit einem Eimer Huffett finden!"
Ergeben gab ich seinem Wunsch nach.
Schwenk in das nächstgelegene Stallgebäude, das halfterlose Fohlen dicht an Muttern's Sseite, und die Suche begann.
Was soll ich sagen?
In diesem Stall sollte es eigentlich geschäftig wie im Bienenschwarm summen, aber es gab weit und breit kein Huffett!

Da musste nun eine Entscheidung her.
"Heinz," sagte ich, "das muss jetzt einfach mal ohne Huffett gehen! Es geht ja auch ohne Halfter!"
Heinz war not amused.
Der wohlgeplante Schauauftritt drohte zu scheitern!
Ich bemühte mich, Heinz angemessen zu trösten:
"Sieh es doch mal so. Wenn das Fohlen nicht ordentlich trabt, nutzt uns auch kein Fett auf Mutter's Hufen. Trabt er aber ordentlich, wird ganz bestimmt niemand auf Mutter's glanzlose Hufe achten."
Abgesehen davon glänzte Bunny mit der hippen Lacktrense obenrum ohnehin zu Genüge ... . 
Die Bemerkung verkniff ich mir allerdings, denn Heinz war really not amused!
Sowas kenne er ja gar nicht, dass keine Zeit zum überputzen und fetten mehr sei!
Überputzen?
Ich dachte an den naturbelassenen Weideglanz, schwieg und grinste vor mich hin.

Halfterlos und ohne Huffett machten wir uns auf den Weg zum Ring. Das Timing war in der Tat perfekt!
Die 97 war soeben gestartet, es blieb gerade noch Zeit, meine Pferde einem fleissigen Vorführer zu übergeben, und los ging's.

                                            
                                                                                             ... und wie sie glänzt!

Mit der Kamera in der Hand machte ich mich auf den Weg zur Sonne im Rücken und nahm das weitere Geschehen nur noch eingeschränkt durch das Objektiv wahr. Das nächste, was ich dann sehr bewusst wahrnahm, war der Applaus.
Der kleine Fabelhaft hatte sich ganz offensichtlich fabelhaft präsentiert!
So hatte ich mein Fohlen selber noch nie zuvor traben sehen - locker, taktvoll und bergauf!!!
Das Schweifchen lose pendelnd, und wer es nicht am lose schwingenden Fohlenkörper wahrnahm, hatte hier ein offensichtliches Indiz für ein wirklich lockeres Fohlen, frei von Spannungstritten.
Ich war beseelt!

                                             

So sah das auch der Hausherr und warf mitten im Ring alle meine wohlbedachten Pläne über den Haufen.
"Geh und lass' den gleich beim Brennwagen westfälisch eintragen!"
"äh... Mathieu ..., das geht nicht!"
"??"
"Da war noch nie ein Halfter drauf. Das Chippen kriegen wir ohne Halfter in der grossen Halle nicht hin."
Ich hatte mich inzwischen für einen entspannten Hofbrenntermin zu Hause entschieden, da sollten dann beide Fohlen hannoversch registriert werden. Der kleine Brexit musste ja schliesslich auch noch ins Papier!
Allein, der Hausherr wischte meine Bedenken mit einer einzigen Handbewegung vom Tisch. "Da sind genug starke Männer in der Halle, die machen das schon! Lass den bloss westfälisch eintragen, so, wie der sich jetzt hier gezeigt hat!"

Ach ja.
Halfterlos und ohne Huffett waren wir so weit gekommen.
Was nun?
Sechs verscheidene Fohlenhalfter in allen Grössen hatte meine Stutenfee mir wohlweislich rausgelegt, ich hatte sie auch alle brav eingepackt und mitgenommen. Sollte nun tatsächlich eines davon den Weg an den Fohlenkopf nehmen???
Die Idee gefiel mir überhaupt nicht.

Während ich noch etwas ratlos am Rande stand rief Wilken Treu mir aus dem Kommissionszelt zu:
"Frau Brandt! Müssen wir die Stute denn wirklich noch eigens zur Stutbuchaufnahme bewerten?"
Nanü?
Verwirrt zuckte ich die Schulter.
Das drohte nun alles weit über meinen Kopf hinaus zu wachsen.
Flugs fuhr er fort: "Da können wir doch einfach die vier Achten aus Hannover übernehmen und die Sporterfolge dazu..."
Ah!
Ich war entzückt!
Offensichtlich sprach Wilken Treu die selbe Sprache wie Mathieu und die Herren waren sich einig.
Für Bunny sollte es wohl die längste Zeit in Hannover gewesen sein ...
Man staunt, mit welcher Eigendynamik die Dinge sich mitunter doch entwickeln!
Die Idee gefiel mir ausnehmend gut.

                                                     
                                                Bunny und Heinz - die "8" steht Kopf              ... äusserste Konzentration bei allen Beteiligten!

Es kam der Schrittring und Heinz präsentierte meine beiden mit jahrelanger Schauerfahrung und Bedacht.
"Was für eine tolle Stute! So leicht und fein in der Hand!" liess er sich geradezu hinreissen.
Ich holte einen kurzen Moment lang Luft und wies dann ganz vorsichtig darauf hin:
"Heinz! Die tolle Stute war zwei Jahre im Sport. Die sollte halfter- u n d sogar trensenführig sein...!"
"Neee neee neee, auf Schau ist das immer was anderes!"
Ach ja.
Sagte ich schon, wie sehr ich Heinz' Logik schätze?
Man muss ihn einfach lieben!

Mit dem Schrittring kam die Rangierung und es sollte Heinz beschieden sein, das Siegerfohlen des Ringes zu stellen. Nach all meinen Faux-Pas' hatte er sich das auch wirklich verdient!
Ich war beseelt!
Die Kommentare des Zuchtleiters gingen runter wie Butter und deckten sich in jeder Hinsicht mit meinen eigenen Eindrücken. So stolz!
Ganz besonders die Sache mit dem lockeren Antritt aus dem Körper heraus hatte es mir angetan!

Der brave Zuchtleiter kam dann auch gleich aus dem Zelt heraus und fragte, was ich denn mit dem Fohlen wohl vorhabe?
Er akquirierte für die kommende Eliteauktion und natürlich war ich ausserordentlich geschmeichelt.
"... doch das Fohlen hat Mathieu bereits gekauft..."
"ach, verd***!" (Das sagte er wirklich!)
Als Zuchtleiter hat man's schwer.  
Es war offensichtlich nicht das erste Fohlen an diesem Tag, das nicht mehr für die Eliteauktion zu haben war.
Konkurrenz belebt das Geschäft.

                                                                         

Es folgte der Endring der fünf besten Fohlen des Fürst Samarant. Auf eine Rangierung hatte der Hausherr bewusst verzichtet.
Die "inoffizielle" Rangierung sah Fabelhaft Kopf an Kopf mit einem Stutfohlen aus einer Mutter von Desperados x Sandro Hit x Rouletto (Stamm des Starnberg) aus der Zucht und in Besitz des Hausherren.
Damit konnte ich sehr gut leben.    

Guter Dinge machten wir uns darauf auf den Weg in die Halle zum Registrieren.
Allein auf weiter Flur, weit und breit kein anderes Pferd, lediglich drei Angestellte des westfälischen Pferdestammbuchs am Brennwagen zugegen.
Ich holte ganz tief Luft und legte los:
"Meine Herren, sie haben jetzt genau zwei Minuten Zeit das Fohlen zu chippen! Länger werde ich den kleinen Kerl ganz sicher nicht halten können, wenn ich ihn überhaupt zu fassen bekomme... Schaffen sie das nicht auf Anhieb in zwei Minuten, gibt es demnächst einen hannoverschen Hofbrenntermin zu Hause, bis dahin ist er dann auch halfterführig...!"

Die Herren nahmen meine Ansage verblüfft zur Kenntnis, und auch Heinz wirkte etwas verstört.
Sollten die Rösser jetzt gänzlich mit mir durchgegangen sein?
Doch es war mir bitter ernst.
Und was soll ich sagen?
Es lief!

Selten hat man westfälische Brennmeister so flink agieren sehen, der routinierte grauweiss-melierte Herr mit dem Chip beeindruckte mich zutiefst als er zu gelassen-versierter Bestform auflief!
Und Heinz erst!
Noch immer sprachlos rangierte er Bunny mit Verve gegen die Bande und sorgte dafür, dass der kleine Hengst mir geradezu von allein in die Arme lief. Ich hatte mein Fohlen fest und sicher im Arm.
Zwei Minuten.
Es sollte das schnellste und beste Chippen werden, das ich je erlebt habe. Meine Stutenfee hätte ihre helle Freude daran gehabt! (... und ich denke noch immer mit Entsetzen an das Drama des letzten Chippens im vorigen Jahr zu Hause zurück. Die Dame aus Verden hatte acht Chips auf vier Fohlen verschossen und eines noch dazu falsch gebrannt... Weshalb Kunterbunt seither als Rheinländer firmiert und ich meine Stutenfee erstmals im Leben habe explodieren sehen ...)

Tatsächlich stand der kleine Fabelhaft noch ruhig und beinahe gelassen in meinen Armen, als alles schon vorüber war und der freundliche und versierte Brennmeister mich zufrieden angrinste. Auch des Heinz' Mine hatte sich merklich entspannt!
Halfterlos und ohne Huffett.
Zwei zu Null für Westfalen.
... denn allein für den kleinen Brexit lohnt es sich nun wirklich nicht mehr, einen Brennmeister aus Hannover anreisen zu lassen.

Als wir später zurück zum Schauring kamen begrüsste Dana mich mit den Worten:
"Sabine, wenn dein Hengst in zwei Jahren zu uns zur Körvorbereitung kommt wäre es aber schön, wenn der bis dahin halfterführig ist ..."

Grosse Worte gelassen ausgesprochen.
Was für ein Tag!

Mein grosser und aufrichtiger Dank gilt Alexandra und Anke für ihren tapferen Seelenbeistand und dem fabelhaften Heinz, der alle Erwartungen mehr als erfüllt hat. Sollte Bunny je wieder mit einem Fohlen zur Schau reisen - nur noch mit Heinz an unserer Seite!

                                            

... und während ich diese Zeilen schreibe muss ich noch immer schmunzeln - einfach schön, wenn man solche Freunde hat!
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24.8.2019

             
 


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