Carlyle * 30.4.2018  
                                                        
Rufname: Karlchen   
 

    Clinton Holst. *1993
  Cornet Obolensky BWP *1999    
    Rabanna van Costersveld BWP *1994  
Capistrano Westf. *2006      
    Pilot Westf. *1974  

 

Pippistrell Westf. *1984    
    Fürstin Westf. *1971  (Frühling)  
       
    Chequille Z *1999  
  Conen Hann. *2008    
    Lakonia Hann. * 1996  
Carly Hann. *2013      
Westf. Verbandsprämie   Acatenango xx *1982  
  Ionia xx  *2000    
    Ipenta xx *1986  
       
       


                    



 

Endringfohlen Fohlenschau Lienen, 3. Platz Springfohlen 13.Mai 2018
23.6.2018 Fohlenschau Wettringen an dritter Stelle herausgestellt

Mutterstamm:

Carlyle ist das erste Fohlen der Halbblutstute Carly, sichtbar blutgeprägt durch den sportlichen Vollbluteinfluss seiner Grossmutter Ionia xx von Acatenango xx.
Carly wurde vierjährig angeritten und gedeckt und verbrachte ein halbes Jahr zur sportlichen Förderung auf dem Krüsterhof bei Johann Hinnemann.

Carly ist das sechste und letzte Fohlen aus Ionia xx und ist Halbschwester zu
Balahé von Brentano II - Zuchtstute Familie Karsten
Brooklyn von Brentano II - verstorben
Bogart von Benetton Dream - verkauft, Dressurpferdeprüfungen platziert, Kandaren-L gewonnen, M-Dressur 4.
Lorbaß von Lissaro - verkauft nach England, siegreich und platziert in Springen, Dressur >70% und Vielseitigkeit
Legolas von Lissaro - erste Reitpferdeprüfung Platz 3 (Trab 8,0), Dressurpferde-A gewonnen, Geländepferde A** 4., VA 3.


Eigenleistung Ionia xx:
2003 - 2005 17 Flachrennen, darunter 1 Sieg und 4 Plätze
10. Mai 2006 - Stutenschau Ankum; Eintragung in das Hannoversche Hauptstutbuch
Eintragungsnoten u.a. Elastizität und Schub im Trab 8, Sattellage 8, Rahmen 8, Vordergliedmassen 8.

Mutterstamm: der vollständige Mutterstamm in graphischer Darstellung (Stamm der Immertreu)
Gekörte Hengste:
Iwanowitsch xx *1978, Ldb Celle, von Illix xx/Orsini xx a.d. Istanbul
Intervall xx *1974, Rhld./Trak., von Perseus xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Injektor xx *1984, Ldb Moritzburg/Trak., von Tiron xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Fehrbellin *2012, Ldb Redefin, von Franzikus x Quaterback x Sunny Boy x Canaletto (a.d. Ismene)
Sportpferde:
Indian Lady *1985, Trak.von Perlenglanz (4 erfolgr. Sportnachk.) a.d.Ikone (7 erfolgr.Sportnachk) a.d.Inkunabel, S-Spr.gew. LGS 1999 € 32.400
Camaaro *1995, Sachse von Calido a.d. Ismene xx, S-Spr. gew.
Castania *1997 von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, M-Spr. erfolgreich
Abano Son *2000, von Abanos a.d. Calida von Canaletto a.d. Ismene xx, CSI3* erfolgreich (Lars Berge NOR, Sissel Foldager SWE)
Cork Lane *2001 von Corum a.d. Castania von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, S-Spr. gew., Dt.Meisterschaften 2014 (Kathrin Müller) LGS 2014 € 33.000
Papillon 142 *2001, Westf. von Phantom a.d. Indian Lady (Züchter Georg Ahlmann), intl. S-Spr. gewonnen (Christian Ahlmann), LGS 2009 € 11.505 


Gedanken zur Hengstwahl: Warum Capistrano?

 
30.4.2018

Carly hat ihren lang erwarteten Erstling geboren!


                                            

Es war eine Punktlandung am Montagabend und als ich zum Stall gebraust kam, lag der Bub schon im Stroh. Die Nachgeburt flutschte zügig in einem Rutsch raus und die erschöpfte aber wohlbehaltene Carly stand ganz und gar eingenommen vor ihrem Sohn.

Die bunte Farbe gab uns dann ein kurzes Rätsel auf, gibt es doch nirgendwo in Carlys mütterlicher Verwandtschaft bis hin zum Ugrossvater Surumu überhaupt "bunt", und auch Conen nebst mütterlicher Verwandtschaft kommt schlicht daher.
Es mag also der Pilot sein, der sich da als Muttervater des Capistrano in diesem Urenkel durchgesetzt hat, dafür spräche auch die linienbetonte sportliche Aufmachung des jungen Burschen, der gänzlich anders daherkommt als seine Mutter im selben zarten Fohlenalter.
Wenn es so ist, soll mir das sehr recht sein.

                                                                           
                                                                                                                                                    Urgrossvater Pilot

Ein Fohlen mit deutlich mehr Linien als Muttern seinerzeit und recht gross für die kleine Stute, insbesondere als Erstling.
Darüberhinaus ist Karlchen ausgestattet mit einer grossen Portion Charme, und der verfängt bei jedem Betrachter sofort.
Ja, der kleine Kerl gefiel Stutenfee Ingrid und mir auf Anhieb richtig gut!
... und um das zweifelhafte Klischee zu bemühen:
Karlchen ist langbeinig.
S e h r langbeinig.
Weshalb das Aufstehen volle drei Stunden dauerte und die Milchbar finden noch länger.
Kaum stand er mal wackelig auf den langen Beinen an Mutter's Flanke, klappte das tiefe Runterbücken Richtung Euter gar nicht und er fiel wieder um.
So ist das, wenn eine kleine Stute ein hochbeiniges Fohlen bekommt.
Carly, die gute Seele, liess sich ergeben abmelken und der Bub bekam die erste Milch aus der Flasche im Liegen.
Das schien ihm sehr zu gefallen, an aufstehen dachte er nun nämlich gar nicht mehr.
Die Sache mit dem gesunden Phlegma (das haben wir gleich gestern abend realisiert) scheint jedenfalls hingehauen zu haben...
Sehr gesund.

                                               

Carly leckte hingebungsvoll auf und ab an ihrem Foheln herum und verwies ein oft bedientes Klischee einmal mehr ins Reich der Phanatsie:
Stuten lecken ihre Fohlen nicht trocken. Sie lecken sie -ganz im Gegenteil- erst richtig nass.
Karlchen jedenfalls wechselte sein längst trockenes Fellchen mehrfach wieder in "gut feucht" und genoss das ganz offensichtlich sehr.
Und wenn Carly ihn nicht gerade nass leckte knabberte sie hingebungsvoll an seinen Beinchen und Hufen.
Ab und an gab es einen zarten Biss dazu und die Order war eindeutig:
"Willst du nicht endlich aufstehen?" 

Und das sind sie wieder, diese Momente, die mich einfach ticken machen.

Karlchen lag noch hilflos im Stroh und die kleine rote Zunge schaute etwas heraus und er saugte instinktiv an allem, was sich bot. Da war er bei seiner jungen Mutter mit ihrem ausgeprägten Mutterinstinkt genau richtig! Carly beschnupperte ihn von oben herab und leckte ihm übers Mäulchen. Er saugte an ihrer Zunge, sie erwiderte sein Saugen und Lecken hingebungsvoll. Eine ganze Weile ging das so, das liegend Fohlen im Stroh reckte sein Köpfchen zur Mutter und die beiden saugten aneinander und vergassen alles andere. Ein paar Mal krempelte Carly ihm die kleine Unterlippe dabei auf links und Karlchen gab ein Bild für die Götter ab mit seiner umgestülpten Unterlippe, die er verwirrt versuchte wieder umzukrempeln, nur um gleich weiter an Mutters Zunge zu saugen.

Hinreissend.
Momente, die unter die Haut gehen.
Die schönsten Momente mit dem neugeborenen Fohlen.
Genau das, was mich ticken macht.
Die schönste Zeit des Jahres eben.
Der junge Fohlenfrühling. 

                                                

Ein weiteres Mal bekam Karlchen dann zur Nacht noch die Flasche, schon um Carly den Druck zu nehmen (die einfach hinreissend hingebungsvoll ist und sich und dem Fohlen dankbar in allen Belangen helfen liess) und als ich heute morgen zum Stall kam tralupfte der kleine Carl schon munter um Muttern herum durchs Stroh und dockte zielsicher nach jeder zweiten Runde an.
Das hatte er dann doch offensichtlich über Nacht nachhaltig gelernt.
Mitunter muss man der Natur dann einfach mal ihren Lauf lassen.

                                                 

Heute Nachmittag ging es dann das erste Mal nach draussen bis zur Heuwiese und wieder bestach das Phlegma:
der Bengel lag im stall und da lag er.
Muttern kam sogar ohne Fohlen brav mit mir aus der Box (ich habe es noch nie zuvor erlebt, dass eine Stute so kurz nach dem Abfohlen ohne Fohlen bereit ist, die Box überhaupt zu verlassen!) und der Bub lugte aus dem Stroh heraus hinterher und blieb liegen.
Schubsen, Klaps auf den kleinen Fohlenpopo - nichts.
Ich musste mich tatsächlich mit Carly ein winziges Stück ausser Sichtweite begeben bis das Phlegma der Unruhe wich. Gemässigter Unruhe.
Immerhin so weit, dass er die Beinchen mal auseinandersortierte und sich im Ansatz erhob.
Dann gabs einen Klaps auf den kleinen Hintern und die Schubhilfe Richtung Tür, wo Carly schon besorgt wartete.

Noch etwas verwirrt ging es mit Amelies Hilfe vom Hof runter Richtung Heuwiese, dann stand das Karlchen sichtbar beeindruckt in der grossen weiten Welt.
Bemüht sortierte er alsbald tralupfend seine langen Beinchen um Muttern herum und ich bin mit der sehr besorgten Carly immer hinterher marschiert, als er die ersten wackeligen Galoppsprünge jenseits aller begrenzenden Boxenmasse unternahm.
Nach zehn Minuten (es mögen auch fünfzehn gewesen sein - in so einem jungen Leben macht das noch viel aus...) tat es einen Plums und das Karlchen lag im Gras. Eine geradezu fliessende Bewegung aus dem Galopp heraus geradewegs ins dichte Gras.
Und da lag er dann.
Es wiederholte sich das selbe Schauspiel wie gestern Abend nach der Flasche und auch zuvor im Stall:
an Aufstehen dachte er gar nicht.
Da konnte ich schubsen und schieben und rucken, er liess sich gar nicht aus der Ruhe bringen und blieb liegen.
Kullerte immerhin mal auf die andere Seite. Ansonsten aus die Maus.
Ach herrjeh.
Da stand ich nun mit meiner Fohlenstute und wusste keinen Rat.
Ich schickte ein kleines Stossgebet zum Himmel und hoffte, dass Carly sich überreden liess, ohne Fohlen mit mir Richtung Stall zu ziehen.
Sie liess.
Ungern, aber brav.
Ein paar Meter Distanz und siehe da, der kleine Karl erhob sich.
Gemässigt, aber immerhin. Von Hektik keine Spur.
Und troddelte dann auch zügig (nunja...) hinterher.
Bis auf den Hof blieb er auch tapfer dran und ich war mir sicher, wir schaffen auch die Stalltür...
Weit gefehlt.
Auf dem Hof ging er am geparkten Anhänger verloren und Carly und ich mussten wieder hinterher.
Aber dann!
In einem Zug bis in die Box, saufen, plums und schlafen.

Herrlich!

                                                                    

       
                                                       


                                                       

Gegen Abend in der Sonnne unternahmen wir mit Stutenfee Ingrid den zweiten Versuch bis zur Heuwiese und ja, der kleine Karl gefällt uns auch auf dem Pflaster richtig gut!
Stutenfee Ingrid allerdings ist sehr viel konsequenter als ich und hat den Ausgang streng begrenzt auf 10 Minuten, sonst wird es zu kalt in dem Wind.
Das wird der Grund gewesen sein, weshalb uns ein zweiter plumsundhierbleibeichliegen erspart gebleiben ist.
Diesmal schien er auch zu begreifen, wo es auf dem Rückweg hinging und fädelte sich auf Anhieb (fast) ohne Hilfe bis durch die Stalltür ein. Immerhin ging er uns auf dem Hof nicht mehr verloren...
Schlaues Pferdchen.
Oder sollte ich sagen: bedachtsam?

Im Stall das selbe wie zuvor:
In einem Zug bis in die Box, saufen, plums und schlafen.

.... und wer bis hierher durchgehalten und mitgelesen hat wird feststellen:
ich kann mich gar nicht bremsen und bin schwerst verliebt.
einen Schönheitsfehler hat er allerdings:
Es ist und bleibt ein Hengstfohlen.
Ich hatte mir aus dieser Anpaarung so sehr ein solches Stutfohlen gewünscht.

                                                     

4. Mai 2018

Philipp hat seinen Fohlenbesuch angekündigt und ich habe mich riesig darüber gefreut!
Aus seiner Zeit als Azubi im Stall Klimke verbindet Philipp einiges mit meinen Stuten, hat er doch Darnell und Carly angeritten und auch Deauvillchen ausgebildet.
Mit Karlchens Geburt war es nun endlich Zeit für Philips Fohlenbesuch und Karlchen wickelte den verzauberten Buschreiter vom Fleck weg um den Finger. Ich kann nicht sagen, wer von uns mehr Vergnügen an dem herrlichen sonnigen Vormittag im Wald und auf der Heuwiese hatte. Karlchen jedenfalls kam voll auf seine Kosten und tobte ausgiebig um die Bäume und uns ging das Herz auf, ihm dabei zuzusehen. Wieder einmal.

Bei dieser Gelegenheit entstanden die ersten Fotos im Alter von vier Tagen.

                                                     

Das gesunde Phlegma hat Karlchen sich bis heute beibehalten.
Jedes Mal wenn ich zum Stall komme (zwei Mal täglich zum Waldspaziergang) liegt das Karlchen in der Box.
Und liegt.
Und bleibt auch liegen.
Carly grummelt und wiehert mir zu und weiss schon, was kommt und der Zwerg bleibt liegen.
Nicht selten, dass er mitten vor der Tür liegt und Carly muss vorsichtig über ihn drüber steigen um rauszukommen (was sie auch brav und mit sehr viel Umsicht tut) und selbst der kurze Gang die Stallgasse rauf ausser Sichtweite des Fohlens ist inzwischen Routine. Ich bin jedes Mal sehr gerührt mit welchem Vertrauen die brave Carly mir folgt...
Wir sind dabei ganz leise und lauschen vorsichtig nach hinten. Meist kann man dann kurz vor erreichen der Hoftür ein zartes Rascheln aus der Box vernehmen.
Karlchen, der realisiert dass er allein ist und überlegt, dass es vielleicht doch sinnvoll ist mal aufzustehen und hinterher zu kommen ...
Um die Ecke denken und laufen hat er auch schnell gelernt, immerhin.
Wenn Muttern ausser Sicht ist, rennt er nicht erst konfus vor die Stallwand oder Boxentür.
"Analytisch" strukturiert ist er wohl. Wenn auch mit Bedacht.
Sehr bedacht.

Anekdotisch gestern mittag der Rückweg aus dem Wald zurück über die Heuwiese.
Die Wiese ist zur einen Seite von einer steilen Böschung begrenzt, darunter liegt ein Graben der um diese Zeit auch fliessend Wasser führt.
Ich lege Wert darauf, dass die Fohlen diese Grabenböschung früh erkennen und begreifen lernen, damit sie beim toben über die Wiese nicht mal versehentlich im Flugrausch dort runterpurzeln.
Karlchen kommt angeflogen und bremst skeptisch vor der Böschung ab (sagte ich schon, dass er bedachtsam ist?), beäugt die Böschung und lugt vorsichtig runter Richtung Graben, nimmt Haltung an (ich denk, was kommt jetzt?) reckt Steert und Hals und stellt sich hinten breit - und strullt in echter Herrenmanier gepflegt in die Böschung.
Stil hat er.

                                                  


6. Mai 2018

Besuch aus Kanada!

                                                   

Schon das zweite Mal in seinem jungen Leben bekommt Karlchen Besuch und nimmt auch die jungen Damen ruck-zuck für sich ein. Alexandra und Tiffany waren für eine Woche aus Kanada angereist und der sonnige Vormittag mit den Fohlen im Wald avancierte zum gefühlten Höhepunkt dieser Reise. Karlchen hatte grossen Anteil daran und auch Maren war erstmals zum Fohlenbesuch mit dabei und liess sich gern von dem Buben verzaubern.
Maren hatte ich Carly anvertraut um selber die Hände frei zu haben für die Kamera. Fotos wie diese sind ohne fremde Hilfe einfach nicht möglich und Maren machte das einfach grossartig mit Carly! Liebe Maren, tausend Dank!

                                                   
 

Zwei Tage mehr machen in diesem Alter einen grossen Unterschied!
Mit sehr viel mehr Kraft und Selbstbewusstsein springt Karlchen mittlerweile durch den Wald, schön wie ein englischer Stich.

                                                   


                                                    


11.5.2018

Notgedrungen mussten wir das Quäntchen Glück bereits am dritten Tag weidegängig machen. Carly und Karlchen haben also seither Gesellschaft. Die grösste Freude an der neuen Gesellschaft hatte Karlchen. In seiner aufgeschlossenen Art bummelte er sogleich unbekümmert und neugierig auf die Neuankömmlinge zu und war völlig überrascht, als Bunny wie eine Furie auf ihn zu stob. Karlchen war zu diesem Zeitpunkt zehn Tage alt und hatte in seinem jungen Leben noch keine Agressivität kennengelernt. Für Karlchen war die Welt ein herrlicher Spielplatz und alle haben ihn lieb. Der kleine Kerl war völlig von der Rolle und wusste nicht wie ihm geschah. Mir rutschte kurzzeitig das Herz in die Hose und ich war froh, als Carly ihn zügig einholte und sich schützend zwischen ihn und Bunny schob. Bunny und Carly steckten ihre Claims rigoros ab und hielten Distanz. Nur Karlchen verstand die Welt nicht mehr. Nachdem er den ersten Schrecken abgeschüttelt hatte schob er erneut vorsichtig die Nase um Carly herum und machte sich ein weiteres Mal auf den Weg zu dem neuen Spielgefährten. Ingrid und ich waren beide etwas fassungslos angesichts dieser unglaublichen Unbekümmertheit des kleinen Kerlchens. Bunny und Carly sortierten sich ein zweites Mal krawallig auseinander, danach war Ruhe. Allerdings fiel es mir schwer, an den Frieden zu glauben. Einmal mehr war es Stutenfee Ingrid, die mich mit ihrem Pragmatismus überzeugte:
"Besser der lernt das jetzt zu viert, dass er anderen Stuten aus dem Weg zu gehen hat, als dass er es später in der grossen Herde lernen muss. Was glaubst du wie die anderen Stuten mit ihm umspringen werden, wenn er so dahergetroddelt kommt?"
Wo sie recht hat, hat sie einfach recht.
Und es sollte in der Tat der letzte grosse Krawall gewesen sein. Fortan hielt Karlchen sich zurück und beobachtete seine neue künftige Freundin aus der sicheren Ferne.    


13.5.2018

Karlchen 3. in Lienen!

                                                   

                                                                                          Fabelhaftes Trio! Karlchen und Carly ernten mehrfach Applaus! Danke, Holger!


Fohlenschau Lienen - wofür man Freunde hat!
Von bemerkenswerten Ereignissen, kleinen Gesten und der grossen Freude an einem bunten Stück Papier ...


Als mich zu Beginn der Woche die gewichtige Bitte ereilte, ich möge doch mit meinem Springfohlen zur Fohlenschau nach Lienen fahren, gab es wenig, was ich dem entgegenzusetzen hatte. Amelie rief spontan: "Ich fahr mit!", und selbst Stutenfee Ingrid meinte: "Da kannst du doch ruhig noch mit Carly hinfahren, die ist erst vor zwei Tagen besamt worden, da hat sich noch kein Follikel eingenistet, dem Schaustress schaden könnte." Als dann auch Freund Tönne sofort zusagte, er käme für uns nach Lienen und würde selbstverständlich mit all seinen fohlenflüsterischen Talenten dem kleinen Karlchen beistehen, war mir auch das letzte Argument genommen. Über mangelnde Hilfe, ohne die so eine Fohlenschau einfach nicht geht, konnte ich mich wahrlich nicht beklagen. Wie schön, wenn man solche Freunde hat!

Das Projekt Fohlenschau konnte also beginnen und Stutenfee Ingrid und Stutenvater Gregor hatten ihren Spass daran, mit welchem Eifer Amelie und ich uns bereits am Abend zuvor daran machten, Carly schaugerecht vorzubereiten. Dabei wollte ich Amelie mit dem feuchten Handtuch in der Hand eigentlich nur den feinen Unterschied zwischen "Carly muss nicht sauber sein," und "sie darf nur nicht dreckig aussehen!" anschaulich erklären. Am Ende wurde daraus ein heiterer Samstagabend, an dem wir auf der Stallgasse um Carly herumwuselten, die uns einmal mehr mit ihrer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit tief beeindruckte. Die grösste Freude an dem munteren Treiben hatte Karlchen, der dabei neugierig auf der Stallgasse herumlief und wirklich alles begutachtete und anknabberte, was wir aus dem Turnierschrank zauberten.
"Man könnte meinen du wolltest Carly zum Grand Prix-Reiten rausputzen!", unkte Stutenfe Ingrid angesichts unserer Vorbereitung und auch Stutenvater Gregor war amüsiert von der wendyhaften Strebsamkeit, mit der ich mich ans Werk machte. "Soll ich schonmal die Hufe fetten?", fragte Amelie hilfreich während ich noch dabei war, die Hufe sauber zu schrubben. Gleichwohl, ich hatte nicht mit Amelies Eifer gerechnet: Sie hatte das Fett ruckzuck auf ihrer Seite verteilt und so kam es, dass Carly links zwei saubere und rechts zwei gefettete Hufe hatte...
Herrlich!


                                                    



                                                    
                               Pferdeflüsterer Tönne - es gibt niemanden, der besser mit Fohlen umzugehen versteht. Und ja, ich schätze mich sehr glücklich solche Freunde zu haben!
 
Ich hatte eine Menge Zeit damit verbracht zu Hause, im Keller, im Stall und selbst im Kia (man weiss nie, was man ganz unten im Auto noch alles so findet!) nach den rundgenähten Trensen von Bunny und Fabrice zu suchen. Gefunden habe ich sie schliesslich direkt auf Kopfhöhe an der Küchentür, wo ich täglich daran vorbeilaufe, sie aber ganz offensichtlich nicht sehe. Altersdemenz?
Ganz offensichtlich war ich schon sehr lange auf keiner Schauveranstaltung mehr mit meinen Fohlenstuten gewesen ...
Doch als ich dann stolz mit meinen rundgenähten Trensen in den Stall kam rief Amelie spontan:
"Das ist doch nicht nötig! Wir nehmen meine gute Turniertrense!", sprachs und kam mit einer strahlend funkelnden Lacktrense um die Ecke gebraust, deren Glanz mich gute Teile meines Augenlichtes gekostet hätte, hätte ich nicht ohnehin schon eine Sonnenbrille getragen. An Strasssteine war ich mittlerweile ja gewöhnt, Glanzlack im Zusammenhang mit "Pferd" allerdings war mir neu. Und wie das glänzte! Und sie passte auf Anhieb, wir mussten nicht einmal die Schnallen verstellen. Ich war beeindruckt.
                                                                                                                                                                                                                                                   Carly glänzt und funkelt ganz ohne Fotoshop!
Und ich war sofort bereit Amelie zu verzeihen, die meine altehrwürdigen rundgenähten Schautrensen ganz offensichtlich als das ansah, was sie sind:
outdated. ...    


                                                    

Schwer beeindruckt hat Amelie mich dann als ich sie fragte, ob sie einnähen könne?
"Das kann ich! Das mach ich! Ich mach das mit Haarnadeln, das geht schneller. Wieviele Zöpfe willst du? Viele kleine oder nur ein paar grosse?"
Donnerwetter!
Zugegeben, die Frage war auch nicht ganz selbstlos und durchaus ein kleines bisschen suggestiv gewesen ...

Und so kam es also, dass wir uns am Sonntagmorgen (halb neun nach m e i n e r Zeit, wohlwissend, dass Amelies Zeit durchaus auch mal ein halbe Stnde hinterher sein kann...) erneut mit reichlich Utensilien um Carly herum auf der Stallgasse wiederfanden und uns das Pferdchen wie folgt aufteilten:
Vorn und hinten ich, in der Mitte Amelie.
Und in der Tat hatte Amelie die fabelhaften Zöpfe fixer hergerichtet, als ich Carly's Schopf und Schweifrübe eingeflochten hatte. Ich staunte nicht schlecht!
Amelie aber auch. Schweifrübe einflechten fand sie toll. "Kann ich aber nicht", rümpft sie das Näschen.
"Muss man auch nicht", sagte Stutenfee Ingrid. "Das macht man doch heute nicht mehr."
Outdated.
Oha!
Da waren Amelie und ich allerdings entschieden anderer Meinung und fanden, dass Carly hochnobel mit ihrem eingeflochtenen Schweifchen aussah.
Abgesehen davon war ich ziemlich stolz, dass Amelie auch noch was von mir lernen konnte in Sachen Schauputz.
   

                                                    

Mit der bewährten Hilfe von Stutenfee Ingrid und Gregor waren Carly und Karlchen zügig verladen und los gings.
Amelie kannte den Weg, "nur zwei Mal links und zwei Mal rechts!", und ich hoffte inständig, sie wusste auch, wie wir die dreissig Kilometer bis zum ersten der zwei Links finden würden.
Sie wusste.
Viel zu früh kamen wir in Lienen an und als dann alsbald auch Tönne auftauchte war ich endgültig beruhigt. Nun konnte wirklich nichts mehr schief gehen!
Allerdings hatte ich die Rechnung ohne das Team aus Wettringen gemacht. "Unser Team wird zahlreich vor Ort sein und jedem unserer Züchter helfen, da wird niemand allein gelassen!", so hatte der Chef getönt, als ich vorsichtig gefragt hatte, ob denn wohl auch jemand zum Vorführen vor Ort sei. 
Und so kam es, dass wir uns unversehens in einem summenden Bienenschwarm von Freunden und Helfern der Hengststation Beckmann wiederfanden und ich war ganz und gar gerührt. Zeitweise befanden Tönne, Amelie und Eva sich gar zu dritt auf dem Anhänger zum Auftrensen und Abladen und ich war froh, dass ich dem Rat meiner Stutenfee gefolgt war und die Trennwand rausgenommen hatte. So war doch zumindest genügend Platz für reichlich Helfer auf dem Anhänger bei den Rössern ... 
Der brave Paul Tepe übernahm versiert die Anhängerklappe, Eva und Mareike waren stets zur Stelle. Es waren all diese kleinen Gesten, die ich dankbar warhnahm und die diese Schau zu etwas ganz Besonderem machten.
Still und leise machte ich mich mit der Kamera in der Hand aus dem Staub. Carly und Karlchen wusste ich bei Tönne und Amelie in besten Händen, Team Beckmann sorgte für die Ablauflogistik unter seinen diversen schutzbefohlenen Züchtern und Holger Rohlmann bot an, Carly vorzuführen. Was für ein grossartiger und herzlicher Service! Mareike, Eva, Paul und Holger - von Amelie und Tönne gar nicht zu reden!
 

                                                    

Natürlich fand Karlchen alsbald seine Fans, und reichlich davon. Familie mit Kind und die höfliche Frage ob man das Fohlen streicheln und auch mal fotografieren dürfe? Tönne unterrichtete das Kind gewissenhaft im Fohlenstreicheln und machte die Eltern glücklich. Das Kind sowieso. Ich sah von weitem zu und strahlte still in mich rein. Was für eine herrliche Party! 
Mehrfach wurde ich angesprochen auf dieses schöne Fohlen, meine stereotype Antwort lautete:
"Wir sind heute sicher nicht die Besten, aber ganz sicher die Schönsten!"  
Und ich konnte mich selber nicht sattsehen an dem hinreissenden Karlchen, der sich geradezu mustergültig in Tönne's Obhut benahm.


                                                    


Als Holger dann mit Carly und Karlchen in die Bahn kam hockte ich still mit meiner Kamera in einer Ecke und liess die Dinge auf mich zu kommen.
Ich verfolgte das Geschehen durchs Objektiv und war ganz und gar verblüfft, als Karlchen geradezu mustergültig und taktvoll neben Carly daher trabte!
Und wie er trabte!!! Holger machte einen fantastischen Job als Stutenführer und hatte das perfekte Tempo und fand ganz nebenbei auch die Idealposition für Carly, die sich ebenso zu einem Hingucker an seiner Hand entwickelte. Ich war selber ganz und gar beeindruckt von meinem hinreissenden Duo!
Hinter mir wurden Stimmen laut, "was für ein schönes Fohlen!", "ja, aber guck dir mal die Stute an, die gefällt mir ja noch besser!", "tolles Fohlen!", "tolle Stute!".
Mit allem hatte ich gerechnet aber nicht damit.
 

                                                    

Als Holger mit den beiden vom Platz kam gab es spontan begeisterten Applaus und es war deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus.
Das hatte ich zuvor noch nicht gehört und mir standen die Tränen in den Augen. Ich fiel dem braven Holger um den Hals und war überglücklich!
Geradezu selbstzufrieden strahlte Tönne neben mir und sagte: "Ich habs dir doch gesagt, das habe ich doch gewusst!", und nahm das kleine Karlchen sogleich wieder in seine Obhut. Amelie strahlte derweil wieder mit der mustergültig gelassenen Carly um die Wette und ich stand völlig neben mir.
So schön!
"Pass mal auf", sagte Tönne, "der Kleine gehört in den Endring und da kommt er auch hin!"
Endring?
So weit hatte ich noch gar nicht gedacht.  

                                                     
                                                                                               überragendes Siegerfohlen von Nubalou aus beeindruckender Mutter von Calido


Tatsächlich hatte ich nicht einmal damit gerechnet, dass hinreichend Springfohlen für einen separaten Springring vor Ort sein würden.
Gut 15 Fohlen hatte die Schau in den letzten Jahren aufgeboten, so weit hatte ich immerhin im Vorfeld recherchiert.
Doch ich hatte die Rechnung erneut ohne das Team Beckmann gemacht. Dort war im Vorfeld angefragt worden, ob man nicht ein paar Züchter zwecks Schaubesuch motivieren könne? Mathieu Beckmann hat seine Züchter im Griff. Knapp dreissig Fohlen traten an, mehr als die Hälfte davon rekrutierte sich aus dem Dunstkreis der Station in Wettringen und ich war schwer beeindruckt, als ich die Starterliste sah. Allein zehn Springfohlen darunter, das war mehr als die meisten Schauen heutzutage aufbieten.

                                                     
                                                                   Karlchen hat im Endring interessiert die flatternde Schleife im Blick - Recht hat er!
                                                     

Und Tönne sollte recht behalten, Karlchen wurde für den Endring nominiert und als eines der besten Springfohlen an dritter Stelle herausgestellt. Der gefällige Kommentar des niederländischen Richters ging mir runter wie Butter: "Eine ganz gelungenes junges Fohlen aus einer Halbblutstute, mit Takt und Ausdruck und ganz locker. Diesem sehr jungen Fohlen fehlte heute noch so ein bisschen die Kraft. Ein paar Tage älter, und dieses Fohlen hätte sicher weiter vorn gestanden! Ganz interessant gezogen aus einer schönen Halbblutstute, vielleicht durch den Vollbluteinfluss nicht die Grösste, aber eine tolle Blutstute!"      

Und ich hatte mir Gedanken gemacht, meine Carly ginge als Halbblutstute in der kritischen Öffentlichkeit unter ...
Sie war im Gegenteil ein Bild von einem Pferd!

Mehrfach wurde ich dann auf diese "herrliche Halbblutstute!" angesprochen und tatsächlich auch gefragt, ob ich Mutter und Kind oder einen von beiden denn zu verkaufen gedenke.
Tönne antwortete spontan:
"Wenn Sabine diese Stute verkauft kriegt sie aber richtig Ärger mit mir!"

Schön, wenn man solche Freunde hat!


                                                      


Und dann kam Heinz Farwick, Pferdemann durch und durch. Ich schätze ihn als einen versierten und umsichtigen Pferdekenner seit meiner Zeit mit Fabrice bei Michael, als Michael noch Fidermark ritt. Heinz gratulierte mir sehr herzlich und dann schimpfte er wie ein Rohrspatz: "... und ich sage dir, dein Fohlen hätte ganz nach vorn gehört! Und das hab nicht nur ich so gesehen! Da sind einige die sofort gesagt haben, das muss das Siegerfohlen werden! Wo gibt es denn sowas! So ein tolles Fohlen, noch dazu aus einer Halbblutstute, und guck dir bloss mal deine Stute an! Sabine, mit so einer schönen Halbblutstute kannst du einfach alles anpaaren und züchten was du willst!"

Ich war ganz und gar gerührt und habe mich riesig über Heinz' geradezu emotionalen Ausbruch gefreut!
Eine solche Wertschätzung aus diesem berufenen Mund bedeutet mir sehr, sehr viel. Meine Carly werde ich von heute an sicherlich mit anderen Augen sehen.
Oder, wie Mathieu Beckmann später nachdrücklich formulierte:
"Du musst einfach mal öfter mit deinen Fohlen zur Schau fahren, dann weisst du auch was du an deinen Stuten hast!"

Und das musste jetzt einfach alles mal sacken.
Und wieder sitze ich hier und schreibe mir die Eindrücke von der Seele und lebe dadurch den emotionsreichen Tag ein weiteres Mal.
Eindrücke, die man mit Geld nicht kaufen kann. Unbezahlbar.
Dazu Amelies und Tönnes selbstlose Hilfe, Holgers beherzte Vorstellung, all die hilfreichen Gesten aller Beteiligten. Es sind eben immer die kleinen Dinge im Leben.

Ein nobles Lederhalfter haben wir bekommen und die weisse Schleife dazu. Und ich weiss jetzt schon, dass diese Schleife wohl den ganzen Sommer im Kia auf dem Amaturenbrett mitfahren wird und ich werde mit jeder Fahrt meine grosse stille Freude an dem kleinen bunten Stück Papier haben. 


14.5.2018

Wer liest sich nicht gern in der Zeitung?
Artikel der Westfälischen Nachrichten zum Züchterfrühschoppen in Lienen:




21.5.2018

"Karlchen im Glück!"

Zahlreicher Fohlenbesuch und endlich die Gelegenheit, auch das Quäntchen Glück zum Foal Eventing in die Geheimnisse des Waldes einzuführen - und natürlich war auch Karlchen mit von der Partie, der sogleich zur Höchstform auflief!

Dank Heike und den Kindern gibt es hierzu sogar ein kurzes Video - absolut sehenswert! -  Karlchen im Busch! Video

 

                                                 



                                                 



23.6.2018

Das erste Westfalen-Fohlen!

Anlässlich der grossen Stuten- und Fohlenschau in Wettringen wird Karlchen erneut an dritter Stelle in seinem Ring herausgestellt und Carly erhält die Verbandsprämie des westfälischen Verbandes! Dabei hatte ich den hannoverschen Hofbrenntermin bereits für alle fünf Fohlen dieses Jahrgangs arrangiert und Karlchen gedanklich als Hannoveraner betrachtet. Carly sowieso. Mit ihrem H auf dem Schenkel wäre die Eintragung ins hannoversche Hauptstutbuch nur eine Formalität. Doch manchmal kommt es eben anders als man denkt.

Nach dem schönen Erfolg meines "springbetonten" Duos in Lienen hatte ich mich gern bereit erklärt, Carly und Karlchen auch in Wettringen auf der Fohlenschau zu zeigen w e n n, ja, wenn Carly zu dem Zeitpunkt nicht bereits erneut tragend sei von Capistrano. Die traurige Botschaft von der Nichtträchtigkeit bereits in zweiter Runde von Capistrano erreichte mich zu Wochenbeginn. Daran hatte ich arg zu knabbern, denn nur zu gern hätte ich ein Stutfohlen von Capistrano ganz in dem Format wie Karlchen eines ist ...

                                                                                               

Nun gab es aber keinen Grund mehr, nicht mit meinem Duo nach Wettringen zu fahren. Wir reisten bereits mittags an und bekamen eine komfortable Gastbox mit reichlich Heu zur Verfügung gestellt. Ein Service, den ich nur mit grossen Dank quittieren kann. Bequemer ging es wirklich nicht für meine beiden vierbeinigen Protagonisten. Karlchen lag zügig im sauberen Stroh und schlief. Und da lag er auch als Freund Heinz drei Stunden später zum Schaubeginn erschien, der sich in Abwesenheit von Tönne und Amelie als tatkräftiger Helfer zur Verfügung gestellt hatte. Weil Amelie selber zum Turnier unterwegs war, war auch die funkelnde Lacktrense diesmal nicht mit dabei. Weshalb Carly heute etwas weniger strahlte und funkelte als in Lienen. Die dicken runden Zöpfe hatte Amelie aber heute morgen noch vor ihrer Abreise ans Pferd gezaubert und ich habe mich sehr darüber gefreut. Heinz hatte Carly schon aufgetrenst und blickte etwas irritiert auf das schlafende Karlchen, der sich - ganz seinem Phlegma aus ersten Tagen treu - einfach durch nichts aus der Ruhe bringen liess. Auch nicht durch freundliche Klopfer auf den kleinen Hintern. Karlchen schlief und steckte ob der Popoklopfer den Kopf noch etwas tiefer ins Stroh.
Ich musste herzlich lachen. Dieses Fohlen ist einfach der Knaller!

Es blieb mir selber nichts anderes übrig als mich neben das Fohlen ins Stroh zu setzen um überhaupt ein Halfter auf das Köpfchen zu ziehen. Nachdem Karlchen das Köpfchen mal aus dem Stroh reckte. Das Aufhalftern nahm er gelassen hin und blieb liegen. Erst als wir Anstalten machten, mit Carly die Box zu verlassen, war Karlchen auf den Beinen. Gemässigt engagiert nur, aber immerhin. Einmal mehr machte dieses Fohlen mich mit seinem unglaublichen Interieur breit Grinsen. Die helle Freude.

                                                

Am Schauplatz angekommen trafen wir auf Holger Rohlmann dem ich mit Kusshand Carlys Zügel übergab. Never change a winning Team! Holger hatte einen fantastischen Job in Lienen gemacht und ich war sehr erleichtert, ihn auch hier wieder als Vorführer in Anspruch nehmen zu dürfen. Heinz hatte derweil das Karlchen gut im Griff und ich tat, was ich auch in Lienen getan hatte:
Ich machte mich leise mit meiner Kamera aus dem Staub ...
Die Herren kamen bestens ohne mich klar!

Von der Vorstellung durchs Kameraauge bekam ich nur wenig mit, vom Drumherum ebenso. Immerhin, Karlchen trabte! Ich hatte mit ausgelassenem toben und bocken gerechnet, stattdessen blieb er brav an Carlys Seite und Holger traf wie immer stets das richtige Tempo. Lockeres taktsicheres Traben, soviel bekam ich mit. Erst als ich später die Fotos hochludt realisierte ich, dass Karlchen eine wahrhaft schöne Runde hingelegt haben musste - fast jedes Foto ein Treffer!

                                               

Tatsächlich wurde dann auch Karlchen erneut an dritter Stelle seines Ringes herausgestellt, "locker und beweglich", und die "interessante Abstammung mit dem reinen Vollblutstamm dahinter" fand Erwähnung. Da wunderte mich dann auch der freundliche Kommentar des Zuchtleiters Wilken Treu nicht mehr, als er mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht sagte: "Die beiden gefallen uns! Da machen wir eine Verbandsprämienstute von!"

So kam es also, dass Heinz und ich etwas verblüfft mir Carly und Karlchen zum westfälischen Brennwagen zogen. Manchmal kommt es eben anders als man denkt.

Nach fünfzehn Jahren Pferdezucht in Münster ist Karlchen nun mein erstes westfälisches Fohlen und Carly meine erste in Westfalen eingetragene Stute - mit Verbandsprämie im hannoverschen Papier. Ein Treppenwitz der Geschichte eigentlich, der durchaus seiner Erklärung bedarf.

                                                

Als ich vor dreizehn Jahren mit Ionia, Carlys Mutter, den Schritt vom Vollblut in die Warmblutzucht wagte, lagen die Karten offen auf dem Tisch. Es hatte seinen Grund, dass Fabrice und Fannie Mae trotz ihrer rheinisch-westfälischen Abstammung nie in Handorf registriert waren. Dennoch war ich durchaus geneigt, das Igelchen westfälisch eintragen zu lassen und so zumindest mit einer Stute "heimatnah" zu züchten. Weshalb ich das Gespräch mit dem damaligen Zuchtleiter Dr. Marharens suchte und ihn nach seiner Meinung fragte, mit einer Vollblutstute in Westfalen vorstellig zu werden. Die Antwort war bemerkenswert:
"Ach, lassen sie das doch mit den Vollblütern. Wenn Sie unbedingt Vollbluteinsatz pflegen wollen, dann nutzen Sie doch die blutgeprägten Hengste in Hannover, dann müssen wir uns hier in Westfalen nicht mit der leidigen F1 abgeben."

Grosse Worte eines Zuchtleiters. Ich war beeindruckt. "Disqualifizierend" war noch das Geringste, das mir zu diesem Statement einfiel.
Unprofessionell, destruktiv und demotivierend. Und durchaus geschäftsschädigend. 
Dabei hatte der Mann das Pferd zu diesem Zeitpunkt nichteinmal gesehen. Ich zog meine Konsequenzen und stellte Ionia kurz darauf in Ankum vor.
Dr. Bade leitete damals die Kommisison und trug das Igelchen ganz und gar euphorisch ("Donnerwetter! Das ist ja mal ein Vollblut, das richtig traben kann!") gleich mit v i e r Achten ins Hannoversche Hauptstsutbuch ein. Der Rest ist Geschichte.
Fortan wurden alle meine Fohlen hannoversch oder oldenburgisch gebrannt.

Wenn heute ausgerechnet Karlchen als jüngster Spross dieser Vollblutfamilie mein erstes Westfälisches Fohlen wird und Mutter Carly als direkte Vollbluttochter und mithin Vertreter der "leidigen F1" mit der Verbandsprämie ausgezeichnet wird, dann ist das durchaus ein Treppenwitz der Geschichte.
Ein ganz und gar bemerkenswerter dazu.
Wollen wir hoffen, dass Carly alsbald erneut tragend wird von dem westfälischen Landbeschäler Capistrano und so ausgerechnet das Vollbluterbe meiner Zucht wider aller Anfänge künftig in Westfalen seine Fortsetzung findet. Der gute Wille aller Beteiligten fünfzehn Jahre später ist ein schöner Anfang.       


16.8.2018

Die lange Dürre dieses Sommers ist auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen. Die Weiden haben sich in eine Steppenlandschaft verwandelt.
Karlchen ist inzwischen zu einem echten Sohn seines Vaters gereift. Capistrano's Linien, Riss und Partien hat er beibehalten, inzwischen sieht man Vater's Guck auch im Gesicht. Das Foto zeigt den abendlichen Aufgalopp zur Weide, die seit Wochen mit reichlich Heulage über Nacht bestückt ist.    

                                                                  

9.9.2018


                                                                                 


                                       

30.9.2018

                                       



                                                                                


 

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